Sommerpause & Sommerdrinks 2014

Sommerzeit und Sommerpause. Leider müsst ihr wieder einen Monat ohne die Trinklaune auskommen, weil wir in fernen und nahen Orten auf der Suche nach dem besten Getränk, der verstaubtesten Spirituose oder der spannendsten Bargeschichte sind. Ganz alleine werdet ihr aber nicht gelassen. Daher haben wir euch unsere aktuellen Sommerdrinks zusammengestellt, um die Blog-Pause zu überstehen.

Sommer Drinks

Sommerdrinks – Ausschnitt aus einem Magazin von ca. 1960

Torbens Sommerdrink kommt nicht ohne den omnipräsenten Holunder aus. Jedoch ohne St. Germain und ohne Holunderblütensirup – dafür wieder mit einer Infusion, wie er sie am liebsten mag: schnell, frisch und leicht: allerdings sind wir mittlerweile aus der Holunderblütensaison raus – macht aber nichts, denn der

Holunderrum

Holunderrum

Holunderrum ist auch etwas für das nächste Jahr – da wirklich überzeugend, wenn man tolle, frische und stark duftende Holunderblüten auf der Spitze ihrer Aromenentfaltung pflückt. Das ist eine Tagesfrage…

Holunderblütenrum:

25 Gramm frische Holunderblüten – geöffnet, stark duftend

500 ml Rum weiß (in meinem Fall Cartavio)

Holunderblüten grob reinigen und in Rum einlegen.
Nach vier bis fünf Stunden durch ein Teesieb und einen Kaffeefilter abseihen.

Duftig. Kein bisschen Süße. Subtil. Holundrig. Elegant. Nicht mehr, nicht weniger; eine ganz ehrliche Infusion ohne Chichi, die große Freude macht, aber nur in puristischen Drinks überzeugen kann – also: Daiquiri!

Holunderdaiquiri
6 cl Holunderrum
2 cl Limettensaft
1,2 cl Zuckersirup

shake – strain – Cocktailschale

Holunderdaiquiri

Holunderdaiquiri

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In frühen Cocktailbüchern werden ganze Drinkkategorien wie Swizzles, Cobblers, Fizzes, Highballs oder Juleps als Sommerdrinks angepriesen. Alchemyst entschied sich für die Frappés.
Eine Sektschale oder ein großes Cocktailglas werden mit zerstossenem Eis gefüllt, dann einfach nach gusto mit der jeweiligen Lieblingsspirituose aufgefüllt und bei Bedarf mit einem kurzen Trinkhalm versehen. – Fertig. Ein lustiger, entspannter American Drink mit Crushed Ice und Trinkhalm, den Gäste gerne kosten. Alchemysts Spirituosen der Wahl für den Frappé sind  Apricot Brandy (gerne Apry von Marie Brizard wegen seiner Mandelnote) oder alternativ der bittersüße Weltklasselikör Chartreuse verde.

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Apricot Brandy Frappé in der Abendsonne

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Daniel bleibt den Sommer alkoholfrei. Zumindest ein bisschen, ansonsten empfiehlt er eine gute Erdbeer Shrub Margarita. Daher hat er sich für Espresso Tonic entschieden, den er im Stockholm Espresso Club entdeckt hat. Eine simple Mischung aus einem doppelten Espresso und Tonic Water auf Eiswürfeln. Erfrischend und erschreckend süchtigmachend zugleich. Geht wohl auch ganz gut mit zusätzlichem Gin.

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Oliver hatte kürzlich im Barwerk Hamburg den Suze Tonic kennengelernt. Vier oder fünf Zentiliter des auf Enzian basierenden Suze, ein paar Tropfen Maraschino, mit Tonic Water auffüllen, gern eine Orangenzeste – so schmeckt der Sommer!

Foto von Fabio Haebel

Foto von Fabio Haebel

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Wie Daniel vertraut auch Robin auf die Zutat Espresso. Sein Sommerdrink ist der Caffè Shakerato – Eine klassische aber in Deutschland nur selten gefundene Zubereitungsart des “kleinen Schwarzen”. Die Herstellung des Caffè Shakerato ist denkbar simpel. Einfach einen Doppio mit etwas Zucker in den Shaker geben, mit viel Eis schaumig schlagen und, zur maximalen Abkühlung, on the rocks in einen Tumbler abseihen. Wer auf den Alkohol nicht gänzlich verzichten mag, kann den Caffè Shakerato mit einem Schuss Grappa verfeinern!

Caffè Shakerato on the rocks

Caffè Shakerato on the rocks

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Auf den Sommer – genießt ihn!

Danke, dass ihr auch diese Saison (wieder) unsere Leser wart! Wir freuen uns auf die nächste Saison – und bereiten schon trinklaunige Artikel vor: Champagner, Drinks, Infusionen, Rye, Bourbon, Rum, Gin, Wein – die Liste ist lang, wir haben noch viel vor!

Shrub Fiction – Strawberry Shrub Margarita*

Akt I – Der Silberne Mexikaner

Eine Stadt im mittleren Westen der Vereinigten Staaten. Trockene, staubige, Bartender-City. Mutige Männer mit der Hand flink am Shaker sorgen hier für Recht und Ordnung. Doch in jeder dieser Geschichten gibt es einen, dessen Erscheinen jedermann in Angst und Schrecken versetzt. In unserer Geschichte trägt der Outlaw einen Sombrero. Einen roten Sombrero genau genommen. Sein Name: Sierra Tequila. Mit Zimt, Salz, Orange und Zitrone bewaffnet erobert er unaufhaltsam die Barszene. Dagegen war nicht gut anzukommen. Die 100%-Agaven-Kavallerie ist weit entfernt in den hell erleuchteten, glitzernden Bar-Metropolen stationiert. Was also tun? Und wie in jeder Geschichte gibt es auch hier einen Helden, der aus der staubigen Wüste im Gegenlicht und sich der Sache annimmt. Uneitel. Gelassen. Und gnadenlos effizient. Ein solcher erscheint auch hier am Horizont. Mit Silbernem Sombrero. Sierra Tequila Antiguo Plata. Ein Rauhbein, viel Agave, etwas Vanille. Nicht der eleganteste, aber ein sehr ehrlicher Vertreter seiner Art. Genau der richtige für so einen Job.

Akt 2 – Die süß-saure Schönheit

Doch was wäre der Held ohne seine holde Schönheit, stark im Temperament, süß anzuschauen, im kräftig roten Kleid. In unserem Fall ist das der selbst hergestellte Erdbeer-Shrub. Dazu zu gleichen Teilen Erdbeeren (geviertelt) und Zucker kombinieren (und umrühren) und etwa 24h im Kühlschrank ruhen lassen. Danach die Fruchtreste entfernen (schmecken übrigens sehr gut als Brotaufstrich)  und solange mit weißem Balsamicoessig aufgießen, bis der Zucker aufgelöst ist. Gekühlt etwa einen Monat haltbar. Und fruchtig ist er, süß, aber trotzdem mit ordentlich Widersprüchlichkeit durch den Balsamico. Dieser Shrub ist sehr viel, aber nicht langweilig. Man munkelt, dass ihr als Partner auch ein weißer Rum vorzüglich stehen würde.

Akt 3 – Der Ritt gen Sonnenuntergang

Der Held und die schöne Holde – welch Traumpaar. Aber um das Paar zu vereinen bedarf es noch einiger Schritte. Zwei Teile Tequila, ein Teil Shrub und ein Teil frischen Limettensaft kombiniert. Auf Eis geschüttelt und in ein frisches Coupe abgeseiht. Ein definitives Happy End. Frisch und von einer zartrosa Farbe. Die Agave und die Erdbeere geben Süße und Komplexität, dazu ein Säurekick  durch Limette und Essigsäure. Sonnenuntergang. (K)ein einsamer Cowboy.

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*Selbstverständlich ist dem Autor klar, dass dieser Text auf keine Weise künstlerisch wertvoll oder ernst gemeint sein kann. Allerdings sollte man im Sommer auch nichts allzu Anstrengendes lesen. Geschweige denn trinken!

Und dazu empfiehlt sich in bester Tarantino’scher Manier eine Westernmelodie. Cheers!

Bols Barrel Aged Genever Sazerac

Kaum ein Cocktail verzaubert mich so wie der Sazerac. Die simple Mixtur aus Rye (oder Cognac), Peychaud’s, Zucker und Absinthe ist für mich der Inbegriff des klassischen Cocktails und die Geschmackskomposition aus Anis, Wermutkraut und den reichen, rauhen Roggentönen lässt den Alltag zurück. Ein Cocktail, der Zeit und Konzentration abverlangt.

Eric Ellestad, Blogger aus San Francisco erfand anlässlich seiner Reihe “28 Sazerac an 28 Tagen” den Genever Sazerac. Die Idee faszinierte mich. Bols Genever ist irgendwie ja nichts anderes als “Holland Whisk(e)y”, nur ungelagert und aromatisiert.

Ich beschrieb den Genever Sazerac Mario Kappes im Le Lion, und er rührte ihn, fügte eine Grapefruitzeste dazu und – ich war geplättet. Die malzige Süße und der Absinth schaffen einen ganz neuen Cocktail, der aber nicht weniger komplex ist.

Durch viel Glück fiel mir die Tage eine Flasche Bols Barrel Aged Genever in die Hände, der 18 Monate in Eichenfässer gelagert wird und außerhalb der USA nur in Amsterdam verkauft wird. Bols Genever! Gelagert! Das schreit ja geradezu nach einem Barrel Aged Genever Sazerac.

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Genever Sazerac
Gästeglas, mit Absinth besprüht.
1 Barlöffel Zuckersirup
6 cl Bols Barrel Aged Genever
3 ds Peychaud’s

 

In der Nase dominiert die Süße des Malzes, am Gaumen auch, eine breite Süße. Der Bitters arbeitet sich nicht an der Rauhheit des Whiskey sondern der Süße des Malzes ab. Im Abgang Lakritztöne.

Ein wunderbarer Cocktail, der eine vollkommen neue Geschmacksdimension öffnet. Im Zweifel Herrn Kappes im Le Lion fragen. Der Mann weiß was gut ist.

 

 

Disclaimer: Dieser Artikel entstammt meinem alten Blog Manhattanprojekt.de.

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