von Torben Bornhöft Kurz und bündig: Heute gibt’s einen Spaßwein par excellence.
Der von mir hoch geschätzte Winzerbetrieb Charttogne-Taillet aus Merfy, kurz vor Epernay, macht günstige und gute Champagner. Das Spitzenprodukt ist die Cuvée Fiacre, die mit gerade einmal 35,00 € zu Buche schlägt. Es handelt sich um einen Jahrgangschampagner – in diesem Fall den aktuellen 2004er. Er wurde aus 60 % Chardonnay und 40 % Pinot Noir gekeltert. Ein Degorgierdatum sucht man auf der Flasche leider vergeblich, die Volumenzunahme des Korkens ließ allerdings darauf schließen, dass der Wein noch recht frisch ist und das Degorgement damit noch nicht allzulang zurück liegt.

Nase:
Feine, weiche Frucht, einladend, rund und stimmig.
Gaumen:
Cremig, Butter, sehr weich und seidig. Schon zu Beginn fällt die geringe Säure auf. Eine ganze Packung Butterkekse. Easy-drinking in Bestform. Sehr gefällig und weich, nicht zu viel Frucht, etwas Mirabelle und weiße Trauben; Toast, wenig Hefetöne trotz langem Hefelager. Vanille.
Mit Zeit gewinnt der Fiacre etwas an Kontur – bleibt dabei aber ein Champagner, den man jedem servieren kann. Die geringe Säure macht ihn leicht und zugänglich, sorgt aber auch dafür, dass der…
Abgang:
…kurz bleibt.
Dies ist zwar kein Tropfen für die Ewigkeit oder für intellektuelles Trinken – aber dafür umso mehr ein Saufchampagner par excellence. Nicht anstrengend, richtig schmackhaft und sofort da. Echter TRINKSTOFF – super. Die Flasche war außerordentlich zügig geleert und hat großen Spaß gemacht! Wäre auch ein hervorragender offener Champagner.
Zu bekommen bei Rare Wine (meines Wissens noch der 2002er) und bei Riesling und Co. (2004). Viel Spaß!
von Torben Bornhöft Champagner aus Vertus trägt oft eine deutliche Handschrift. Ein tolles Beispiel hierfür ist Larmandier-Berniers Terre de Vertus – konzentriert, geradlinig, kraftvoll, säurereich und trocken – purer Chardonnay. Ein anderes Weingut, das genau solche Weine produziert, möchte ich heute mit einem Vertreter vorstellen. Veuve Fourny steht für kraftvolle Chardonnays mit solider Säure und wenig Kaschierung um den Wein. Biodynamie wird mit den zum großen Teil recht alten Weinstöcken betrieben. Im Süden der Côte des Blancs gelegen verfügt Veuve Fourny über einen der wenigen Clos der Champagne, den Clos Notre-Dame. Der vorgestellte Champagner kommt zwar nicht aus dieser Renommee-Lage, kann sich aber trotzdem sehen lassen. Der R de Fourny wird spontan im kleinen Holzfass vergoren, besteht zu 70 % aus Chardonnay und zu jeweils 15 % aus Pinot Noir und Pinot Meunier und wird nur sehr dezent dosiert. Auf der Hefe liegt der Champagner vier bis fünf Jahre.
Nase:
Cremig, viel Apfel, burgunderähnlich. Viel Energie und Kraft.
Gaumen:
Ui. Sehr viel Power! Heftige Säure, das Holzfass und die sehr geringe Dosage machen sich sofort bemerkbar. Eine sehr starke Struktur steht einem schlanken geschmacklichen Profil gegenüber. Kaum Frucht, maximal etwas Grapefruit und Limette, Stachelbeere – nervös und pulsierend. So stelle ich mir einen moussierenden Puligny vor. Absolute Rachenputzer-Qualitäten.
Abgang:
Von der Säure und dem Holzeinfluss dominiert.
Freakstoff im Glas. Eindeutig ein extrem kraftvoller, stringenter Champagner in Spitzenqualität, der aber nichts für Anfänger ist. Ein Perfekter Apero für Säurefans, kein gemütlicher und breiter, bequemer Champagner. Ganz im Gegenteil, ein stacheliges Biest, das mit einer sehr eigenen Qualität aufwartet. Vertus wird hier schmeckbar – gepaart mit Holzeinfluss und einer konzentrierten Weinbereitung, die typisch für Veuve Fourny ist. Eine Flasche, die ich nicht alleine leeren möchte – in einer kleinen Runde von Champagnerfreunden macht sie sich dafür umso besser. Und durch die starke Struktur funktioniert der R de Fourny auch problemlos als Essensbegleiter – selbst mit fettem Bergkäse kam er spielend zurecht.
Achja. Für faire 44,00 € zu bekommen.

von Robin Stein Als ich kürzliche meine Verkostungsnotizen der letzten Monate durchlas, fielen mir einige sehr positive Notizen auf, die ich im Rahmen der Messe Forum VINI im November 2012 in München anfertigte. Sie gehörten zum Verkostungsstand des “Bienenhof Pausch“. Aus diesem Grund bestellte ich zwei Flaschen, um die Qualität der Spirituosen in aller Ruhe erneut zu prüfen.
 Bienenhof Pausch
Bienenhof Pausch
Der Bienenhof Pausch ist eigentlich ein Imkerei-Betrieb, der im Süden der Hallertau lokalisiert ist. Die insgesamt ca. 250 Bienenvölker produzieren neun schmackhafte Sorten Honig. Die Auswahl reicht dabei von Blütenhonig, über Edelkastanienhonig und Löwenzahnhonig, bis hinzu Tannenhonig. Neben der Honigproduktion besitzt der Hof jedoch auch noch eine Essigmanufaktur und eine Destillerie. In der Brennerei entstehen neben feinen Obstbränden und Geisten auch seltene Honigbrände die ich, soviel vorweg, leider noch nicht probieren konnte.
Gebirgs-Williams
Die Williams-Birnen für diesen Edelbrand wachsen auf einer Südtiroler Höhenlage auf 900 Meter. Vor dem doppelten Destillationsvorgang steht eine sorgfältig Selektion der Früchte, so dass nur die besten Birnen ihren Weg in den Brand finden. Vor dem einmaischen werden noch die Stiele der Birnen entfernt. Das entfernen der Stiele ist mit viel Arbeit verbunden und wird teilweise selbst in sehr renommierten Betrieben nicht durchgeführt, obwohl es dem Geschmack zu Gute kommt. Der Edelbrand wird nach der Destillation nicht filtriert und mit 42 % vol. abgefüllt. Im Bouquet zeigt der Gebirgs-Williams klare und sehr saubere Fruchtaromen, die von einer leichten Fruchtsüße ergänzt werden. Die Eleganz des Aromas an der Nase ist wirklich beachtenswert – Der Genuss wird von keinerlei Fremdaromen gestört. Lediglich etwas mehr Frische, also Noten von etwas unreiferen Birnen, würde ich mir noch wünschen. Am Gaumen bietet sich ein ähnliches Erlebnis wie vorher beim Geruch. Das pure Aroma von Birnen und eine sehr reine Alkoholnote wissen zu überzeugen. Der Nachklang ist nochmal um einiges wuchtiger als der Gaumen und von angenehmer Länge. Fazit: Ein wirklich herausragend guter Williamsbrand, dessen Preis mit 140,00 € / Liter zwar hoch, aber gerechtfertig ist.
Auf der Messe verkostete ich parallel noch den normalen Williams-Brand des Hofes. Die Birnen für diesen Brand stammen aus einem Bioland-Betrieb vom Bodensee und werden, wie auch der Gebirgs-Williams, ohne Stiele eingemaischt, doppelt destilliert und mit 42 % vol. abgefüllt. Ich hatte mir damals notiert, dass dieser Brand deutlich “bäuerlicher” und spirtiger schmeckte als der Gebirgs-Williams. Zwar haben ich ihn nicht mehr nachverkostet, würde im Zweifesfall aber den Gebirgs-Williams empfehlen.
Haselnuss-Geist
Ein weiteres Highlight für mich war der Haselnuss-Geist. Dieser wird durch Mazeration von Bio-Haselnüssen in Neutralalkohol hergestellt. Nach der mehrtägigen Mazeration wird der Geist in einer kupfernen Brennblase abdestilliert und mit 40 % vol. abgefüllt. Auf die Zugabe von Zucker oder anderen geschmacksverstärkenden Komponenten, wie etwa Vanille, Nougat oder Kakao, wird vollständig verzichtet. An der Nase zeigt sich ein intensives und betörendes Aroma von Haselnüssen, welches ich in so reiner Form bisher noch nicht erlebt habe. Ich weiß nicht genau wie viele Haselnüsse für diesen Geist verwendet wurden, es müssen jedoch einige gewesen sein. Das Aroma am Gaumen ist ebenfalls außerordentlich intensiv, kann den Alkoholgeschmack jedoch nicht vollständig überdecken. Allerdings ist dies ohne die Zugabe von Zucker auch fast unmöglich. Im Nachklang zeigt sich nochmal die volle Wucht der gerösteten Haselnüsse, die noch minutenlang wahrnehmbar bleibt. Fazit: Wie auch der Gebirgs-Williams hat der Haselnuss-Geist mit mit knapp 90 € / Liter einen stolzen Preis, kann diesen durch seine hohe Qualität jedoch rechtfertigen.
Gesamtfazit: Auch wenn es langsam nach Lobhudelei klingt, aber sowohl der Gebirgs-Williams als auch der Haselnuss-Geist haben mich wirklich beeindruckt. Beides sind ehrliche, authentische und schmackhafte Produkte die vorbehaltlos zu empfehlen sind!
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