Bier, Bier, Bier

Ich will ein Bier Bier Bier

weiter nichts als Bier Bier Bier

vielleicht noch einen Kuss Kuss Kuss

aber dann ist Schluss Schluss Schluss

Dies ist der Refrain eines der berühmtesten Lieder des Schlagersänger Heino. Vier sehr trinklaunige Zeilen, die, wie ich finde, die Stimmung an manchen Abenden gut einfängt.  Sicherlich zählen Champagner-, Cocktail- oder Whisk(e)yabende zu den Höhepunkten des alkoholischen Zusammenkommens und sind Grundlage vieler guter Gespräche und mehr. Aber wie oft sitzt man mit ein paar Freunden einfach bei einem kühlen Bier zusammen und quatscht über alte Zeiten? Das Bier gehört also genau so zum Leben des Trinklaunigen, wie seine großen und schönen Brüder des “gehobeneren” Ethanolgenusses. Da Trinklaune alle Facetten des flüssigen Genusses umfasst, möchten wir von nun an in loser Reihenfolge auch von dem edlen Gerstensaft berichten und etwas die Scheu davor nehmen, sich zu seinem Biergenuss zu bekennen.

Die ersten beiden Biere, dich ich vorstellen möchte stammen aus der chilenischen “microcervecería” Kross.

Die Kross Brauerei kann eine spannende Erfolgsgeschichte aufweisen.

Sie wurde im Herbst 2003 von dem deutschen Brauer Asbjorn Gerlach gegründet, welcher vor über 20 Jahren in Deutschland das erste Hanfbier(!) hergestellt hatte. Nach der Eröffnung der Brauerei lernte er den chilenischen Bierkenner José Tomás Infante kennen, welcher ein Freund von irischen und englichen Bier ist. Darum ist es auch nicht verwunderlich, dass eines der Standardprodukte der “Mikro”brauerei ein Golden Ale im englischen Stil ist.

Kross - Golden Ale

Kross - Golden Ale

Kross – Golden Ale

Das Golden Ale präsentiert sich mit einem erfrischend anders designtem Etikett. Das Logo von Kross hätte man vermutlich auch auf australische Surferklamotten drucken können und es würde dort gut ankommen. Eine schöne Abwechslung zu  dem deutschen Flaschendesign, welches doch meistens sehr alt-deutsch gehalten ist. Die eigens für die Brauerei hergestellte Flasche hat eine sehr schöne, kompakte Form und liegt gut in der Hand. Das obergärige Golden Ale wurde bei den Australian Beer Awards mit der Bronze- und Silbermedaille ausgezeichnet. Hier sollte nicht unerwähnt bleiben, dass es der Kross Brauerei mit ihren Produkten gelang, die ersten internationalen Auszeichnungen für chilenisches Bier seit über einer Dekade zu ergattern.

Nun aber zum Bier: Die Farbe ist, typisch für ein Ale, etwas dunkler als wir dies von den deutschen Bieren gewöhnt sind.  Sie ist dunkel-gold bis kupferfarben und hat Ähnlichkeit mit einem Single Malt. Das Bier hat eine schöne, cremige Schaumkrone deren Lebensdauer jedoch etwas beschränkt ist. In der Nase zeigen sich schöne kräftige Malzaromen und etwas Nuss. Am Gaumen gibt sich das Bier kraftvoll und aromatisch, ohne dabei jedoch zu bitter zu wirken. Auch die Kohlensäure ist angenehm und nicht so schwach wie bei manch englischem Ale. Der Abgang ist sehr cremig und hat leichte Anklänge an Orange. Sehr schön ist auch, dass das Bier bis zum Ende gut trinkbar war und nicht schal und bitter wurde. Insgesamt ein sehr gelungenes Ale, welches sehr angenehm zum trinken ist und auch für den Einsteiger gut geeignet ist.

Kross - 5

Kross - K5

Kross – K5

Neben dem “Golden Ale” stellt Kross außerdem noch ein Stout, Maibock und Pilsener her. Das Flagschiff des Hauses ist jedoch das Kross – K5. Dieses ist ein drei Monate im Holzfass aus amerikanischer Eiche gereiftes Starkbier welches mit 7,2% vol. in die 750 ml Flasche abgefüllt wird. Die Flasche erinnert, nicht nur wegen der Form, sonder vorallem auch wegen des Künstleretikettes eher an eine teure Schaumweinflasche als an ein Bier. Daher halte ich die Flasche auch für  die gehobenere Gastronomie sehr geeignet, da man sie gut am Tisch präsentieren und ähnlich einer Weinflasche verkaufen kann. Einziges Manko ist der Kronkorken. Optisch ist dieser zwar unaufällig, aber die mangelnde Wiederverschließbarkeit ist doch ärgerlich, da ich glaube, dass die wenigsten Menschen an einem Abend 750ml Starkbier alleine trinken. Abhilfe schafft hier allerdings ein typischer Schaumweinverschluss bzw. ein paar eingeladene Freunde. Die Verkostung des Bieres habe ich in einem Weißweinglas durchgeführt, da mir dieses bezüglich der Klasse und Aromenvielfalt des Bieres passender schien. Will man etwas mehr von dem Starkbier genießen ist jedoch auch ein kleines Weizenglas geeignet.

Farbe: Dunkles braun-rot

Schaum: Kräftiger, leicht bräunlicher, stabiler Schaum

Nase: Das K5, welches nach dem “Strong Ale”-Verfahren gebraut ist, hat eine echt abgefahrene Nase! Es dominiert ein Geruch von gerösteter Kokosnuss, der mich ziemlich stark an den Brandt – Kokoszwieback erinnert hat. Da dieser früher zu meinen Leibspeisen gehörte, ein echt imposantes Geruchserlebnis. Zumal sich zu dem gerösteten Kokos auch die typisch Toffeearomen gesellen. Ein wenig Vanille aus dem Eichenfass klingt ebenfalls nach. Geil!

Gaumen: Im Mund ein kräftiger, würziger Malzgeschmack mit leichter Bitterness zudem sich alle Aromen aus der Nase mit Nuss mischen. Sehr mundfüllend und im positiven Sinne fordernd für die Geschmacksnerven. Wenig adstringend und im Abgang wieder etwas leichter und dabei leicht holzig.

Tipp: Isst man zu dem Bier gesalzene Erdnüsse entfalten sich die Aromen im Mund noch einmal auf ganz andere Weise. Schönes Genusserlebniss!

Gesamtfazit: Ein starker Auftritt der beiden Gerstensäfte. Während das “Golden Ale” eher für den gemütlich Abend geeignet ist, sucht das K5 den großen Auftritt und braucht sich dort definitiv nicht zu verstecken.


Estrella Damm – INEDIT

Hatte ich beim Kross – K5 noch die Tauglichkeit für die höhere Gastronomie angesprochen, so wurde das jetzt vorgestellte Bier quasi nur für diesen Zweck konzipiert. Der spanische Bierhersteller Estrella Damm hat sich dazu mit Ferran Adrià und seinem Sommelier-Team zusammengeschlossen. Das Ziel dieses ehrgeizigen Projektes war es, etwas noch nie dagewesenes zu schaffen. Daher auch der Name des Bieres INEDIT = “Never Been Done Before”. Der gesamte Entwicklungsprozess des Bieres dauerte über zwei Jahre und resultierte schließlich in folgender Rezeptur: Gersten- und Weizenmalz, Hopfen, Hefe, Orangenschalen, Koriander, Lakritze und Wasser. Die Aromatisierung des Bieres mit Orangenschalen, Koriander und Lakritze soll vorallem dazu dienen dem Bier eine frische und fruchtige Aromatik zu geben, um das food-pairing einfacher zu gestalten. So sollen z.B die Citrusöle aus der Orangenschale dazu dienen ein bessere pairing mit Salatsaucen auf Essigbasis zu ermöglichen.

Beim Design hält sich Estrella Damm etwas zurück und setzt auf Understatement. Das Etikett schmückt einzig ein goldener Stern. Die Flasche ist etwas schlanker und eleganter als die des Kross – K5. Auch hier allerdings wieder nur ein Kornkorken. Zwar ist das Inedit mit 4,8% eher an einem Abend zu trinken als das Starkbier K5, aber einen Bügelverschluss à la Flensburger, hätte ich passender gefunden.

Über den perfekten Service hat Estrella Damm extra ein Video erstellt:

FILM AB:

Wie man sieht, wird viel Wert auf Show gelegt. Für den im Video vorgeschlagenen Verkaufspreis von 18,00€ sicherlich berechtigt. Ob man dies beim Bier jedoch braucht, muss jeder für sich selbst wissen. Auf jeden Fall aber ein gelungener Versuch das Bier zu entproletarisieren.

Nun aber zur Verkostung:

Farbe: Gold, leicht-trüb, ähnlich einem Weizen mit wenig Resthefe

Schaum: ein schöner weißer Schaum, zerfällt sehr schnell, hier würde ich mir etwas mehr Festigkeit wünschen

Nase: Hefe, leichte Süße, Orange- und Koriander lassen sich minimal ausmachen, Lakritze vermisse ich

Gaumen: Auch am Gaumen keine Lakritze, wie ein leichtes Weizen, geringe, aber angenehme Kohlensäure, Banane, nicht bitter aber auch nicht wässrig, sehr ausgewogen

Abgang: Kurz und angenehm, belastet nicht

Fazit: Ich habe das Bier zu einem Salat mit Nordseekraben und Harzer Käse genossen. Der Käse war zwar nur in kleinen Stücken im Salat, seine Intensität  ließ das Bier im pairing jedoch kämpfen. Es konnte sich allerdings behaupten und war eine spannende Begleitung zu dieser Zwischenmahlzeit. Ich kann mir das Bier daher gut als Essensbegleiter vorstellen, würde es in der gehobenen Gastronomie aber nur als Aperitif bzw. zu einer etwas deftigeren Vorspeise bestellen. Gerade als Aperitif scheint es mir besonders geeignet, da es die Geschmacksnerven durch seine frische Art nur gering belastet und es danach noch den Genuss von Wein zulässt.

Das Bier selbst ist zwar lecker, geschmacklich jedoch keine Revolution. Die Aromatisierung ist einfach zu schwach bzw. nicht existent und wurde von keinem Testprobanden, der nicht darauf hingewiesen wurde, wahrgenommen. So bleibt es für mich ein leichter, gut designter Weißbier-Verschnitt. Ich empfehle aber jedem es einmal selbst zu probieren und dem INEDIT eine Chance abseits von Schweinshaxe und Semmelknödel zu geben. In diesem Sinne: Prost! und Zum Wohl!

Estrella Damm - Inedit

Estrella Damm - Inedit

Deoch an Doruis: Knockando

Die Brennerei Knockando wurde 1898 von John Tyler Thomson, einem Spirituosenhändler aus Elgin, in der Gemeinde Cnoc-an-Dubh an den Ufern des Flusses Spey gegründet. Die Produktion begann im Jahr 1899, unglücklicherweise dem Jahr, in dem die schottische Whiskyindustrie in Folge des Pattinson-Crashs kollabierte. Knockando musste bereits im folgenden Jahr geschlossen werden und wurde vier Jahre später, 1904, an W & A Gilbey Ltd., dem Londoner Wein- und Spirituosenhändler und Gin-Produzenten, verkauft und die Produktion wurde noch im gleichen Jahr wieder aufgenommen. Als die Gilbey Ltd. 1962 mit den United Wine Traders fusionierte, bildete sich ein neuer Konzern mit dem Namen International Distillers and Vinteners (IDV). Die United Wine Traders brachten die renommierte Whiskyfirma Justerini & Brooks mit in diese Ehe, die fortan die Leitung der Brennerei Knockando übernahm und der Whisky von Knockando wurde einer der Hauptbestandteile des bekanten J&B Blended Whisky.

IDV wurden 1972 von Watney Mann übernommen, die ihrerseits von Grand Metropolitan gekauft wurden. Durch die Fusion von IDV/Grand Metropolitan mit Guinness entstanden 1997 die United Distillers und Vinteners, aus denen Diageo hervorging.

IDV füllten bereits seit 1977/1978 einen Knockando Single Malt ab. Ganz die Weinhändler, die sie waren, machten sie für diese Abfüllung keine Alterangabe sondern gaben das Jahr der Destillation an, wenn auch mit dem Hinweis, dass dieser Single Malt ‘gewöhnlich etwa 12 Jahre gereift’ sei. Aus dieser Gewohnheit hat sich bis heute die Angabe des Jahrgangs erhalten, doch seit 2002 wird auch deutlich angegeben, dass der Whisky 12 Jahre gelagert wurde.

Knockando Single Malt Whisky 12yo, Jahrgang 1996, 43% vol.
Farbe Goldgelb
Nase deutliche Honignoten, getrocknete Aprikosen
Gaumen pfeffig
Abgang Malz, etwas Toffee

Ein netter Whisky, mir ist seine Aromatik aber doch etwas zu eindimensional. Da gibt es zu diesem Preis besseres.

WeinZeit: Château Rauzan-Gassies 2000

Wer kennt das nicht? Im eigenen Weinkeller liegen, neben alten Kellerleichen, auch irgendwelche Einzelflaschen, deren Herkunft man nicht mehr genau zuordnen kann. Vermutlich handelt es sich um ehemalige Geschenke oder Lustkäufe die man probieren wollte, aber dies über die Jahre irgendwie vergessen hat.

Letztens fiel mir genau so eine Flasche in die Hände. Bereits leicht eingestaubt und bestimmt vier Jahre unberührt, lag sie versteckt neben ein paar Amarone Flaschen. Es war ein 2000er Bordeaux. Genauer gesagt ein Château Rauzan-Gassies. Da 2000 als durchaus gutes Jahr in Bordeaux gilt und das Château außerdem noch als Deuxième Cru eingestuft ist, war ich nicht gerade unglücklich über diesen Fund.

Châteu Rauzan-Gassies

Château Rauzan-Gassies

Die Geschichte des Weingutes lässt sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen und es konnte sich bereits im 18. Jahrhundert einen hervorragenden Ruf aufbauen. Diesen Ruf konnte sich das Gut lange wahren und wurde schließlich 1855 als Deuxième  cru eingestuft. Leider wechselte das Gut danach häufig den Besitzer. Durch diese hohe Fluktuation war keine Kontuinität mehr im Keller gegeben und  Rauzan-Gassies wurde eher für einen dunklen, strengen Wein, dem es an Tiefe mangelte bekannt. Dies änderte sich jedoch als der heutige Besitzer, Jean-Michel Quié, 1992 in einen neuen Keller investierte und es somit schaffte, bis Ende der 1990er Jahre wieder einen Wein zu keltern, der an die frühere Qualität anknüpfen konnte. Heute gilt der Ruf des Gutes wieder als gefestigt und die Qualitäten sind kontinuierlich.

Farbe: rubin-rot, recht konzentriert, leicht violett-brauner Schimmer

Nase: Lakritz, Tabak, dunkle Beeren, etwas Minze

Gaumen: Am Gaumen angenehm sanft, Pflaumen, Cassis, schöne Tannine

Abgang: sehr langer, nicht zu kräftiger Abgang, feine Vanille und auch hier wieder dunkle Beeren

Mein Fazit: Der 2000er war meine erste Erfahrung mit diesem Château und hat mich positiv überrascht. Ein sehr solider und gut strukturierter Bordeaux, der schon absolut trinkreif war. Der Preis der aktuellen Jahrgänge liegt bei ca. 50€ und ist damit im Vergleich zu anderen hochwertigen Bordeaux Flaschen noch halbwegs bezahlbar. Eine Flasche, die man sich ideal mit einem guten Freund teilen kann.

Solche Kellerfunde sollte es definitiv öfter geben!

But why is the rum gone?

In diesem Fall ist die Antwort auf dieses wichtige Zitat der Filmgeschichte eine einfache: Der Rum wurde getrunken, mehrere Gläser hat die Flasche gefüllt… Jetzt ist sie einfach leer. So einfach ist das. Nichts mit einer einsamen Insel in der Karibik. Keine gut aussehende Frau, die dann aber verrückt spielt und den Rum verbrennt. Wo gibt’s sowas überhaupt?
Aber trotzdem tut sich ein existentielles Problem auf, welches schnellst möglich aus dem Weg geräumt werden muss ? So ganz ohne Rum geht es ja nun nicht. Also ergeben sich folgende zwei Alternativen: Der alte Rum war ein solcher Genuss und entwickelte sich zum Suchtmittel – Eine neue Flasche muss her. Oder aber: Ein neuer, noch unbekannter soll neue Inspirationsquelle werden und vielleicht sogar die Enttäuschung über den Vorgänger wieder gut machen.
In folgendem Fall steht diese Entscheidung gleich viermal an.

Fluch von Panama – Malecon Reserva Imperial ist verdunstet

Ein ausführlicher Bericht befindet sich bereits auf diesem Blog. Über die Zeit bestätigte sich der gute Eindruck immer wieder. Ein sehr guter Rum, der Spaß macht ohne zu anspruchsvoll zu sein. Ein tolles Getränk, das wichtige Lebenssituationen zu unterhalten und zu begleiten weiß, dabei aber nicht zu viel Aufmerksamkeit braucht. Dennoch wird die Wahl wohl auf einen anderen Vertreter aus der Malecon Reihe fallen. Der Geschmackshorizont will erweitert werden.

Fluch von Guatemala – Direkt aus der Schokolade ins Glas
Die Begeisterung was Zacapa angeht, hält sich in Grenzen. Die Qualitäten „Solera“ und „XO“ sind einfach zu süß. Auch wenn sie handwerklich einwandfrei sind. Eine Herausforderung stellen sie nicht dar. Der jetzt getrunkene Rum „Straight from the Cask“ hat einen entscheidenen Vorteil: Er ist weniger süß. Damit bekommt man hier quasi den Zacapa für Fortgeschrittene. Wenn man will, kann man sich bei jedem Schluck ein wenig auf dieses äußerst leckere Getränk konzentrieren. Es bleibt allerdings, gerade über die gesamte Lebensdauer der Flasche gesehen, der Nachgeschmack, dass man den Rum irgendwie in und auswendig kennt. Sein Geschmacksbild verändert sich auch über mehrere Monate nicht. Das Geld war gut angelegt, es soll aber zunächst eine einmalige Investition gewesen sein.

Fluch von Jamaica – Altersbeschwerden mit 25 Jahren
Coruba 25 Years old. Ein Luxusprodukt, teuer, sieht gut aus, kommt aus Jamaika. Das waren mehr oder weniger die Gründe, diesen Rum zu kaufen. Letztendlich hat er begeistert – Mit Einschränkungen. Nachdem die Flasche frisch geöffnet war zeigte sich ein jamaikanischer Rum in Perfektion. Trotz nur 40% Vol. erstaunlich kraftvoll und kein Biss ins Eichenholzfass, obwohl er dort 25 Jahre verbracht hat. Es lohnt sich bei jedem Schluck voll konzentriert zu sein – viel zu spannend ist dieser Rum. Und dann konzentriert man sich auch zwei Monate nachdem die Flasche geöffnet wurde noch genau so und bekommt einen Schock: Bisher hat kein Rum so einen krassen Wandel gemacht und das leider im negativen Sinn. Man sollte sich also mit dem Genießen beeilen. Der erneute Kauf ist wider jeglicher Wirtschaftlichkeit: Viel Geld für einen kurzen Spaß. Aber es gibt ein Argument dafür: Der Rum ist einfach verdammt sexy. Wunderschönes Flaschendesign und viel wichtiger: Ein wahnsinns Körper. Das mit dem kurzem Spaß ist auch relativ. Irgendwie überzeugt das.

Fluch von Guyana – Die jungen Flaschen sind einfach besser
Nicht selten wird El Dorado 21 Years Old nicht empfohlen. Wenn man die Flasche besitzt und ihn trinkt, wird man darüber anders denken. Erst recht wenn das Geld egal ist. Aber diese Bewertung wäre ein recht einseitige und nicht gerecht. Vor allem nicht gerecht gegenüber dem 12 und dem 15-Jährigen. Auch wenn dieser dunkle und extrem schwere Rum sehr viel bietet, die anderen angesprochenen Versionen liefern nahezu dasselbe Erlebnis. Sind dabei aber erheblich günstiger. Diesen Rum nochmal zu kaufen wäre nun wirklich verschwenderisch – Aber lecker war er auf jeden Fall.

Deoch an Doruis: Inchgower

Offiziell wurde Inchgower 1871 gegründet – doch eigentlich beginnt die Geschichte der Brennerei schon im Jahr 1825. Zu dieser Zeit gründete John Wilson die Destillerie Tochineal, etwa eine Meile südlich vom Örtchen Cullen. 1871 gab sein Neffe Alexander diesen Standort auf und verlegte die Brennerei in die Nähe des sechs Meilen westlich gelegenen Ortes Buckie und benannte sie in Inchgower um. Es werden einige Gründe für diese Verlegung genannt. Eine Quelle sagt, der Betrieb drohte aus allen Nähten zu platzen, andere sprechen von Problemen mit der Wasserversorgung. Wieder andere geben an, der Eigentümer des Grundstückes, dass Wilson gepachtet hatte, hätte die Pacht verdoppelt – auch ein guter Grund, einen neuen Standort zu suchen. Doch was Alexander Wilson nun tatsächlich bewog, den Standort der Brennerei zu verlegen, lässt sich mit Gewissheit nicht mehr sagen.

Viel Glück hatte die Brennerei aber auch am neuen Standort nicht. Die Brennerei ging bankrott und wurde 1936 an die Gemeinde Buckie verkauft. Zwei Jahre später wurde Inchgower von Arthur Bell & Sons Ltd., dem Produzenten des Bell’s Blended Scotch Whisky, übernommen. Guinness übernimmt 1985 Arthur Bell & Sons und 1987 entstehen durch die Verschmelzung von Arthur Bell & Sons mit der Distillers Company Ltd. (DCL) die United Distillers (UD). Somit gehört Inchgower heute zu Diageo, eine Tatsache, der wir die Flora & Fauna-Abfüllung von 1991 verdanken:

Inchgower “Flora & Fauna” Single Malt Whisky 14yo, 43% vol.
Farbe Weissweinfarben
Nase Orangenblüten, etwas Sultaninen, Akazienhonig
Gaumen Anfänglich recht pfeffrig und würzig. Anschliessend malzig und fruchtig, Noten von grünem Apfel
Abgang Langanhaltend, fruchtig und viel Honig.

Ein komplexer, vielschichtiger Whisky, der das Format hat, auch dem fortgeschrittenen Whiskyfreund viel Freude zu bereiten.

Gin-Review: Darnley’s View versus Beefeater Summer Edition Gin

In den letzten Wochen haben zwei neue Gins den Weg in mein Spirituosenregal gefunden, die beide einen schönen, leichten Sommergin abgeben – auch wenn der eine es gar nicht so sehr darauf anlegt. Dies ist zum einen der Beefeater Sommer Edition Gin, der sich vom herkömmlichen Beefeater Gin darin unterscheidet, dass zusätzlich zu den neun Zutaten des Standard-Beefeater drei weitere verwendet werden: Holunderblüte, schwarze Johannisbeeren und Hibiskus.

Der Darnley’s View kommt mit halb so vielen Zutaten aus: Neben dem obligatorischen Wacholder sind das Angelikawurzel, Koriandersamen, Zitronenschale, wie auch beim Beefeater Summer Edition Gin Holunderblüte und die Wurzel der Veilcheniris, eine Schwertlilienart. Aus diesen Wurzeln wird das sogenannte Irisöl gewonnen, das zu den kostbarsten Naturprodukten gehört. Es wird ansonsten nur in allerkleinsten Dosierungen z. B. für hochwertige Parfüms oder zur Aromatisierung von Lebensmitteln, wie Likören, Süß- und Backwaren verwendet.

Darnley’s View Gin, 40% vol.
Nase intensiv Zitrone, Wacholder
Gaumen Weich, mild, cremige Textur. Sehr balanciert. Deutlich Wacholder, die Koriandersamen geben eine sanfte Gewürznote und die Holunderblüte gibt der Zitrusnote den besonderen Kick
Beefeater Summer Edition Gin, 40% vol.
Nase typische London Dry Note, Wacholder-Noten, die Holunderblüte und die schwarzen Johannisbeeren kann man allenfalls erahnen
Gaumen Sehr Weich, ganz besonders mild, cremige Textur. Milde Wachholdernoten, süsslich, etwas Fruchtigkeit von der schwarzen Johannisbeere, die Holunderblüte und Hibiscus gehen aber unter

Nun stellen sich Darnley’s View und Beefeater Summer Edition Gin dem direkten Vergleich im Cocktail. Der Drink der Wahl heute abend ist der Negroni. Da die beiden Gins mit einer gewissen Leichtigkeit daherkommen, habe ich mich gegen Carpanos Antica Formula entschieden und Noilly Prat rouge als Vermouth gewählt. Im Negroni gewinnt der Darnely’s View. Dieser kommt feiner, filigraner daher. Der Beefeater Summer Edition Gin macht einen etwas herbern, gröberen Negroni. Man muss aber festhalten, dass die ein Kopf-an-Kopf-Rennen war. Beide Gins geben einen lecker-leichten Sommer-Negroni. Die bessere Figur macht für mich aber der Darnley’s View.

Fazit: Der Beefeater Summer Edition Gin ist sehr leicht – eben ein Gin für heisse Sommertage und im Gin & Tonic durchaus süffig. Doch gegen den Darnley’s View wirkt er eher blaß. Dieser hat einfach mehr Charakter und ist bei für mich die bessere Wahl, wenn man einen milden Gin im Glas haben möchte.

Escorial & Tonic oder Ein Longdrink als bitter-süße Verführung

Ist der Gin Tonic so etwas wie „Everybody’s Darling“ und wohl ein König unter den Longdrinks, so ist der Escorial Tonic so etwas wie sein unbekannter Vetter und einer meiner Lieblinge.

Mein Rezept:

Escorial & Tonic

4cl Escorial Grün 56%
2-3 Spritzer Angostura Bitters
1cl Zitronensaft
mit Eis und Tonic Water auffüllen

Ein extraordinärer, hocharomatischer Drink.
4cl Escorial scheinen mir ausreichend zu sein.
Immerhin ist der Likör mit 56% Volumenprozenten ungewöhnlich alkoholreich.

Mehr Escorial würden den Drink nicht nur „stärker“ machen, sondern auch süßer.
Immerhin paart das Rezept Escorial Grün mit Tonic Water,
also eine süße, kräuterig-bittere Spirituose mit einem süßen, chinin-bitteren Softdrink.
Deshalb muss die Süße „abgepuffert“ werden:
Zum einen indem man das bittere Moment mit Angostura verstärkt
und zum anderen mit einem kleinen Schuß Zitronensaft.
Als Tonic bevorzuge ich persönlich in diesem Fall Fentimans.
Das Ergebnis bietet ein ungewöhnliches, faszinierendes Geschmackserlebnis. –
Wohl bekomm’s!

Deoch an Doruis: Glentauchers

Die Glentauchers Brennerei wurde bereits 1898 gegründet, dennoch gibt es bislang erst eine einzige offizielle Originalabfüllung des Whiskys als Single Malt – eine limitierte Special Distillery Bottling. Die Brennerei im Ort Keith produziert sehr still, fast schon im Verborgenen, hauptsächlich für Blends. Es gibt keine Website, Besucher werden nicht eingelassen.

Es waren die Unternehmen James Buchanan & Co. Ltd. und W.P. Lowrie & Co. Ltd. , die Glentauchers gründeten. Buchanan war ein erfolgreicher Whiskyhändler, der den Blend Black & White produzierte. Lowrie war einer seiner wichtigsten Lieferanten. Als sich Lowrie zur Ruhe setzte, übernahm Buchanan seine Firma und erhielt damit das Alleineigentum  an Glentauchers. Doch letztlich wurde auch Buchanan 1925 von der Distillers Company Ltd. (DCL) gekauft und 1930 an die Scottish Malt Distillers (SMD) übergeben.

Mitte der sechziger Jahre wurde Glentauchers renoviert und erweitert, doch 1985 wurde die Brennerei eingemottet. Als Guiness 1986 die DCL und die SMD übernahm, mussten kartellrechtliche Auflagen erfüllt werden und so wurden einige Betriebe verkauft – Glentauchers ging 1989 an Allied Distillers, die auch noch im gleichen Jahr die Produktion wieder aufnahmen. Allied erlaubte nun auch den unabhängigen Abfüllern Gordon & MacPhail den Whisky der Brennerei abzufüllen. Daneben füllte Allied selber einen 15-jährigen Glentauchers in der ‘Special Distillers Bottling’ Serie ab.

Im Fall von Glentauchers kann man mit Recht sagen: Gut, dass es die unabhängigen Abfüller gibt. Ihnen ist zu verdanken, dass noch weitere Whiskys dieser Brennerei im Handel erhältlich sind. Mit diesen muss ich irgendwann einmal intensiver beschäftigen, denn die oben bereits erwähnte Special Distillery Bottling, die ich heute im Glas hatte, ist ganz besonders lecker:

Glentauchers Single Malt Whisky 15yo, 46% vol.
Farbe Bernsteinfarben
Nase Honignoten, intensiv Orangen, eine Spur frisches, helles Holz
Gaumen Weich, mild. Schöne, cremige Textur. Honig und viel Vanille, etwas fruchtig
Abgang Langanhaltend, samtig, fruchtig und viel Vanille und Honig.

Wie gesagt, dieser Whisky hat es mir ziemlich angetan. Wie es scheint, hatte ich das unverschämte Glück, eine der  letzten Flaschen ergattert zu haben. Auf jeden Fall war die Abfüllung gleich nach meiner Bestellung auf ‘Out of Stock’ gesetzt worden. Vielleicht auch besser so, denn mit so um und bei 100 Euro war dies sicher keine günstige Anschaffung. Doch gäbe es noch eine Flasche irgendwo, ich glaube, ich würde schwach werden…

Gosset Grand Millésime 1999

Ich muss zugeben – ich bin ein Gosset-Fan. Ich schätze das Haus mit einer Jahresproduktion von ca. 1 Mio. Flaschen aus Ay. Grund für meine Begeisterung ist eine Konstanz, die nur sehr wenig andere Häuser in ihren Portfolios liefern. Bisher hat mich noch keine Flasche aus dem Hause Gosset enttäuscht, weder der einfache Brut noch die immer hervorragende Grande Réserve oder der Grand Rosé. Auch die Jahrgangsweine oder die Spitzencuvées Célébris in allen ihren Facetten wussten stets zu überzeugen.
Der Grund, warum ich mich in diesem Post auf die Mittelklasse des Hauses, den ‘einfachen’ Millésime, stürze, ist simpel: der Preis. Oft bekommt man für die Jahrgansgweine unter Prestigecuvéeniveau am meisten für sein Geld. Der Gosset 1999 schlägt mit ca. 50,00 € zu Buche und liegt damit in einem Preissegment, das sich nur knapp über dem der Standardcuvées einiger Häuser befindet.
Man darf also gespannt sein, wie sich dieser Wein aus dem passablen, jedoch keineswegs gigantischen Jahr 1999 schlägt.

Nase:
rein und voll, eine subtile Fruchtigkeit schlägt einem sanft und fein aus dem Glas entgegen, dunkel, cremig, geheimnisvoll.

Gaumen:
Ein Geschmack zum Versinken, herrlich eingebundene Kohlensäure, die eher Mittel zum Zweck zu sein scheint als um ihrer selbst zu stehen, cremig-samtige Vanille ergänzt die dunkle, tiefgründige Fruchtigkeit und die viele Dimensionen umfassende Geschmacksstruktur dieses Spitzenchampagners!

Abgang:
Angenehm lang, mit Luft gewinnt der Wein noch an Fülle und Mächtigkeit.

Kein einziges Mal hat mich dieser Champagner bisher enttäuscht. Immer wieder eine so hervorragende Qualität und ein so charmantes Geschmacksprofil überzeugen einfach. Jedem Champagnergenießer möchte ich diesen Tropfen für den besonderen Anlass empfehlen, da er eine Güte leistet, die den meisten Häusern in ihren deutlich teureren Spitzencuvées nicht gelingt.
Der Gosset 1999 steht für sich, ist ein Wein, der aufgrund seiner immensen Eigenständigkeit und Aromenfülle kein Essen braucht und der hervorragend solo getrunken werden kann.

Trinklaune im Urlaub

Liebe Leser,

das Trinklaune-Team verabschiedet sich in eine einmonatige Sommerpause!

Wir freuen uns schon, danach wieder mit neuen Ideen, Impulsen und – natürlich – Cocktails, Wein, Büchern, Whisky und Champagner aufzuwarten.

Bis auf weiteres bleibt uns nur noch, allen unseren Lesern einen wunderbaren Sommer zu wünschen! Mit erfrischenden Drinks und der nötigen Muße, die warme Jahreszeit genießen zu können!

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