1996er-Champagnerverkostung in Berlin – Teil II

1996 in der Champagne

Das Jahr 1996 gilt neben 1928 als mit das beste im letzten Jahrhundert.

Eine extrem hohe Säure in den Trauben garantiert eine beispiellose Langlebigkeit und damit verbundenes Entwicklungspotenzial für die Champagner. Die meisten Champagner haben eine enorme Kraft und eine messerscharfe Säure, die sich im Laufe der Jahre jedoch abmildern wird.

Die Champagner – Verkostungsnotizen Teil I

Robin und ich eröffneten den Reigen mit einem Champagner des jüngsten Hauses der Champagne überhaupt – Bruno Paillard Blanc de Blancs 1996

Im Glas präsentierte sich dieser aus der Magnum ausgeschenkte und erst vor ca. einem Jahr degorgierte Champagner relativ hell mit nicht übermäßiger Perlage.
Dominierte in der Nase eine angenehme, jedoch dezente Frische zeigte sich der Wein am Gaumen wie ein typischer, buttriger Chardonnay. Angenehm cremig, jedoch leider relativ eindimensional geraten. Die Säure war recht stringent, jedoch für mich noch nicht zu kräftig. Weinige Töne und eine angenehme Zitrusfrische dominierten den Geschmack. Perlage am Gaumen ausgewogen, aber recht schnell weg.

Fazit: Meines Erachtens ein toller Aperitif-Champagner, der laut nach Jakobsmuscheln gerufen hat – jedoch für ca. 130,00 € (Magnum) eindeutig zu eindimensional und zu einfach gestrickt. Nicht schlecht, aber auch nicht fantastisch. Für mich ein ähnliches Erlebnis wie De Sousas Cuvée des Caudalies.

Der zweite Wein der Verkostung war ebenfalls ein Blanc de Blancs, diesmal aus dem von mir außerordentlich geschätzten Chardonnay-Haus Pierre Moncuit aus Le Mesnil-sur-Oger.

Der Pierre Moncuit 1996 Grand Cru Blanc de Blancs, ebenfalls aus der Magnum, war bereits in der Nase ein anderes Kaliber. Mehr Kraft und Volumen, trotzdem mit der gewissen Frische ausgezeichnet.

Nach wie vor buttriger Chardonnay, aber bei diesem Exemplar mit viel mehr Charakter ausgestattet als der recht schlanke Bruno Paillard. Eine Fülle von Aromen, Pfirsiche, Orangen, florale Töne, feine Vanille-Anklänge. Die Säure war hervorragend ausbalanciert und insgesamt lieferte dieser Wein ein absolut rundes Erscheinungsbild ab.

Perlage hielt sich länger und war fein, jedoch nicht außergewöhnlich.

Fazit: Großartiger Champagner mit gigantischem Preis/Leistungsverhältnis (50,00 €/Flasche; 100 €/Magnum). Ganz weit vorn, nach wie vor mit Potenzial. Kam in der ganzen Verkostungsrunde sehr gut an.

Der dritte Wein, wieder aus der Magnum, sollte der letzte mit etwas leichterer Aromatik sein: Jacquesson 1996 Extra Brut.

Eine angenehm-apfelige Nase versprach ein pures Champagner-Erlebnis; man sollte nicht enttäuscht werden. Die ultrafeine Perlage prickelte über die Zunge wie ein junger Gott und wurde abgelöst von einer äußerst trockenen Dampfwalze. Ein Wein mit viel Kraft, der trotzdem auf der eleganten Seite blieb. Ein feines Aromenspiel mit feiner Fruchtigkeit.

Fazit: Klasse Wein, nicht zu günstig, aber außerordentlich schön. Kann ich mir gut zu einem Fisch/Meeresfrüchte-Menü vorstellen, da er genau soviel Charakter mitbringt, um die Speisen hervorzuheben, ohne sie zu dominieren.

Jetzt gab es erstmal eine Pause mit Käse und Brot bei der Verkostung – um hiermit nicht zu brechen folgen weitere Verkostungsnotizen im nächsten Post!

paeuschen

Torben Bornhöft

Torben Bornhöft beschäftigt sich seit 2004 leidenschaftlich mit Themen rund um Bar, Cocktails und Genuss. Nachhaltig geprägt durch fünf Jahre im Hamburger Le Lion und der Likörproduktion mit Forgotten Flavours liegt Torbens Fokus hier mittlerweile auf den Themen Champagner, Infusionen und Twists auf Klassiker.

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