„Ich trinke keinen Sekt, den ein Mörder bezahlt hat…“

Die aktuelle Debatte über ein Verbot von gewaltverherrlichenden Computerspielen lässt mich an eine Studie denken, die nicht die aktive Antrainierung von Gewalttaten zum Thema hat, sondern den passiven Fernsehkonsum und seine Auswirkungen auf ganz normale Lebensäusserungen, in diesem Fall das Trinkverhalten.

Laut dieser Studie lässt Alkohol in der TV-Werbung und in Filmen Fernsehzuschauer häufiger zu Flasche greifen. Testpersonen, die entsprechenden TV-Sendungen zuschauten, nahmen bei Studien in den Niederlanden und Kanada das Doppelte an alkoholhaltigen Getränken zu sich wie jene, die Programme mit nur geringfügigem Alkoholbezug sahen. An der im Fachjournal „Alcohol and Alcoholism“ veröffentlichten Studie waren 80 Studenten im Alter von 18 bis 29 Jahren beteiligt. Sie saßen in vier verschiedenen Gruppen in einem gemütlichen Heimkino, in dem alkoholische und alkoholfreie Getränke zur Verfügung standen. Zwei Gruppen sahen den Film „American Pie“, in dem Jugendliche heftig Bier konsumieren, jeweils mit und ohne Alkoholwerbung. Zwei andere Gruppen schauten den weitgehend „abstinenten“ Film „40 Tage und 40 Nächte“ jeweils mit und ohne Werbung für Alkohol. Am häufigsten griffen erwartungsgemäß diejenigen Studienteilnehmer zum Alkohol, die „American Pie“ plus Bierwerbung sahen. Sie tranken im Schnitt während des Films drei 0,2-Liter-Flaschen alkoholische Getränke. Die Teilnehmer der „trockensten“ Variante – „40 Tage und 40 Nächte“ mit „neutraler“ Werbung – konsumierten im Schnitt nur die Hälfte davon.

Die Ergebnisse zeigten „direkte Auswirkungen der Alkoholdarstellung im Fernsehen auf das unmittelbare Trinkverhalten von Zuschauern“, sagte Rutger Engels vom Institut für Verhaltensforschung der Radboud-Universität in Nijmegen. Die Studie mache deutlich, dass Alkoholdarstellungen im TV nicht nur die gesellschaftlichen Normen hinsichtlich des Trinkens beeinflussten. Sie könne auch wie ein direkter Anstoß zum sofortigen Alkoholkonsum wirken, erklärte Engels, der dafür eintritt, die Darstellung des Genusses alkoholhaltiger Getränke im TV einzuschränken.

alcalc.oxfordjournals.org/cgi/content/abstract/agp003v3 _____________________________________________________________________________

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie sich Wissenschaftler zu beschäftigen wissen. Das Ergebnis war vorhersehbar. Im Zeichen der Correctness will man wohl nicht nur die Alkoholwerbung verbieten (kein Problem!), sondern auch noch weitergehen…

Ich habe da so einige Vorschläge: Da die Deutschen immer dicker werden, sollte im Fernsehen nicht mehr gegessen werden. Es könnte sonst wie ein direkter Anstoß wirken.  Die Darstellung schlafender Menschen würde ich vermeiden. Es könnte direkt schlaffördernd wirken und senkt so die Produktivität. Ich möchte noch weiter gehen und fragen: Warum sollte das Fernsehen überhaupt das richtige Leben abbilden, da wir doch anscheinend „bessere“ Menschen werden durch ideologisch verformte Fernsehbilder?  –

Doch Halt. Eine Idee habe ich noch: Angesichts des Geburtenrückgangs sollte vielleicht mehr Sex gezeigt werden…

Es könnte wie ein direkter Anstoß wirken… _____________________________________________________________________________

Wie sehr sich der Zeitgeist gewendet hat, kann man sonntäglich nach 23°° Uhr auf 3sat verfolgen. In der in Schwarzweiß gedrehten Krimi Serie „Der Kommissar“ aus den 70er Jahren fließen Ströme von alkoholischen und nicht-alkoholischen Genussmitteln. Hier habe ich eine „Kostprobe“. „Eine Meditation über den Alkoholkonsum in der Schwarzweißwelt des deutschen Krimis“:

Fortsetzung folgt morgen – Mir macht die Serie Spaß.

Alchemyst

Alchemyst, geboren in den fünfziger Jahren, studierte Philosophie, Theologie und Pharmazie. Heute leitet er eine öffentliche Apotheke in Norddeutschland. Alchemyst ist nicht selten in Champagnerlaune.

2 Kommentare

  1. Avarax

    Ha! Sehr interessanter Artikel. Allerdings fände ich es tatsächlich sinnvoll Werbung für alkoholische Getränke zu unterbinden, die sich eindeutig an Jugendliche wendet, da sie in der Regel stets auch minderjährige anspricht.

  2. Alchemyst

    Ja, über eine Einschränkung bei der Fernsehwerbung könnte man nachdenken.
    Eine generelles Werbeverbot wäre mir zu ideologisch.
    Im Printbereich wäre es fatal. Zeitschriften, Magazine leben ja zum Grossteil von der Werbung.

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