1996er-Champagnerverkostung in Berlin – Teil III

Nach einer Stärkung mit Baguette, Butter und Käse sollte es nun mit einem meiner Lieblingschampagner weitergehen: Pol Roger Sir Winston Churchill 1996.
Der erste Wein des Tages, der nicht aus der Magnum floss, bot eine fantastische Nase: Unglaublich voll und intensiv, Früchte und Reife, die sich auch in er etwas dunkleren Farbe niederschlug.
Am Gaumen eine hervorragend eingebundene, nicht zu starke Perlage. Ein riesiges Aromenspektrum, fett, voll, extrem weich und gut unterstützt von einer perfekten Dosage.
Dieser Champagner schafft es, hervorragende Qualität mit einer tollen Trinkbarkeit zu kombinieren. Keine brachiale Säure oder schwierige Aromatik, einfach gut zugänglich und köstlich bis zum letzten Tropfen!

Fazit: Ganz ganz großer Wein. Kaufen. Trinken. Oder Liegenlassen. Ganz dicke Empfehlung.

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Weiter ging es miteiner Doppelspitze aus dem von mir hochgeschätzten Haus Bollinger: La Grande Année 1996 und R.D. 1996.

Bollinger La Grande Année 1996 kam wieder aus der Magnum und zeigte sich in der Nase relativ zurückhaltend. Keine typische Bollinger-Bombe, kein Pinot-Monster.
Am Gaumen glänzte der Wein dann mit einer extrem schönen Perlage und einer sanften Aromatik, die mit etwas Luft jedoch zunahm. Für mich war der Wein leider etwas zu hoch dosiert, wodurch einige Aromen vermutlich nicht so zur Geltung kamen, wie sie es gekonnt hätten.
Insgesamt ein schöner Champagner, von dem ich jedoch deutlich mehr erwartet hatte.

Ein anderes Bild beim parallel dazu eingeschenkten Bollinger R.D. 1996 Extra Brut. Hier fand ich die Aromen, die ich bei der Grande Année vergeblich gesucht habe. Der R.D. besteht aus denselben Grundweinen, wird jedoch deutlich länger auf der Hefe gelassen und wurde erst kürlich degorgiert, unsere Flasche im Februar 2008.
Der R.D. bot viel mehr Charakter als die Grande Année, war reifer und glänzte mit den typischen Bollinger-Qualitäten. Ein enormer Körper, eine tolle Pinot-Frucht, die dank der minimalen Dosage perfekt zur Geltung kam. Die Perlage war noch schöner und gelungener als die der Grande Année und bewegte sich damit schon auf Jacquesson-Niveau.gastgeberklein

Fazit: Der R.D. trumpft auf. Extrem guter Champagner für viel Geld (ca. 200,00 €), der sicher auch noch in 10 Jahren viel Spaß machen wird. Wer das Geld übrig hat: Kaufen!

Die Verkostung neigte sich langsam dem Ende zu, doch zwei leicht bauchige Flaschen warteten noch darauf, von Robin und mir entkorkt zu werden. Der letzte Wein des Abends: Krug Vintage 1996.

Krug, eines der legendären Häuser der Champagne, bringt Jahrgangsweine wirklich nur in exzeptionellen Jahren heraus.
Krug 1996 präsentierte sich Krug-typisch. Ultra-elegant, mit extremer Klasse. Eine fantastisch ausgewogene, dennoch sehr präsente Säure, sehr gut eingebunden in das Gesamtbild des Weines: Feine Frucht, minimale Holz- und Vanilletöne, die Krug-typischen Röstaromen deuten sich schon an, nussige Töne, apfelige Frucht, Honig – Wahnsinn!
Dieser Wein ist Champagner in Perfektion, und noch ganz am Anfang! Die Komplexität wird sich im Laufe der nächsten Jahre sicherlich noch weiter ausbilden.

Fazit: Für mich der Wein der Verkostung! Ich bin ein großer Fan des Hauses Krug und mit dem 1996 wurde einmal mehr bewiesen, dass Krug in einer anderen Liga spielt. Der Preis von mindestens 220,00 € ist mehr als happig, man könnte auch sagen: übertrieben, aber die Qualität ist bombastisch.

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Wir haben – denke ich – einen wunderbaren Abend zusammen verlebt. Fantastische Weine, nette Menschen, gute Gespräche. Was braucht man mehr?
Als Gewinner der Verkostung haben sich im Nachhinein Krug und Bollinger R.D. herauskristallisiert – mit absoluter Genauigkeit natürlich wieder die teuersten Produkte…
Preis/Leistungssieger war einstimmig der Blanc de Blancs von Pierre Moncuit.
Ich bedanke mich noch mal bei allen Teilnehmern und dem Lebensstern, dass wir in dessen Räumen einen so schönen Abend verleben durften. Danke!

Im nächsten und letzten post gibt es dann die Champagner mit Bezugsquellen nochmal gesondert aufgelistet!

Torben Bornhöft

Torben Bornhöft beschäftigt sich seit 2004 leidenschaftlich mit Themen rund um Bar, Cocktails und Genuss. Nachhaltig geprägt durch fünf Jahre im Hamburger Le Lion und der Likörproduktion mit Forgotten Flavours liegt Torbens Fokus hier mittlerweile auf den Themen Champagner, Infusionen und Twists auf Klassiker.

3 Kommentare

  1. Ach wie schöhn 😉 Da bekomme ich gleich wieder Lust weiter zu trinken. Schick mir doch bitte mal kurz eine der übrig gebliebenen Flaschen X-D

  2. so soll es sein, ein toller jahrgang mit grossartigen repräsentanten von kundigen geniessern weggeschlürft 😀

  3. Torben

    Ja, es war wirklich eine große Freude!

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