A votre santé, Monsieur Peychaud

Es gibt inzwischen einige Geschichten und Mythen darüber, wie das Wort „Cocktail“ den Weg in unsere Sprache gefunden hat. Natürlich machen uns neue Technologien die Suche nach dem wirklichen Ursprung einfacher. Aber auch heute noch ist es doch irgendwie spannend, sich statt in einen Text auf dem Bildschirm einfach mal in einige alte Bücher zu vertiefen und nachzuforschen. Ob man die darin enthaltenen Aussagen für wahrheitsgemäß hält oder sie einfach nur unter „schön, es mal gelesen zu haben“ abstempelt bleibt sicherlich jedem selbst überlassen.

Ich für meinen Teil empfinde die Entstehungsgeschichte des Wortes „Cocktail“, wie sie in „Famous New Orleans Drinks – and how to mix ’em“ von Stanley Clisby Arthur beschrieben wird, als eine der schönsten.

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Angeblich war es Antoine Amedée Peychaud, welcher in New Orleans zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert eine Apotheke betrieb, der den „Cocktail“ unters Volk brachte. Seine Kunden bekamen als nette Aufmerksamkeit einen Schluck Cognac mit einem Dash Peychaud’s Bitters mit auf den Weg. Eben diese Bitters waren es, welche Antoine im französischsprachigen New Orleans bekannt machten. Das kleine Getränk, welches Peychaud schon von seinen Eltern gekannt haben soll, erfreute sich großer Beliebtheit. Und so schaffte es der gelernte Apotheker, seine Bitters auch in den zahlreichen „Coffee houses“ an den Mann zu bringen, welche den ohnehin schon beliebten Cognac dann nach Peychaud’s Art verkauften.

Eine besondere Idee, dieses kleine Getränk zu servieren, behielt er jedoch vorerst für sich. Getrunken wurde aus einem einfachen Eierbecher, welcher ungefähr so ausgesehen haben muss wie heute unsere typischen doppelseitigen Jigger. Auch dies war wohl wiederrum keine Idee von Antoine selber, sondern etwas das seine Vorfahren aus Frankreich mitgebracht hatten.Diese Eierbecher sind denjenigen, welche der französischen Sprache mächtig sind, als „Coquetier“ bekannt.

Ab diesem Punkt glaubt man die Geschichte oder auch nicht. Ein bisschen Fantasie gehört immer dazu.

In diesem Fall ist es zum einen der Tatsache zu verdanken, dass nicht jeder Einwohner New Orleans perfekt Französisch sprechen konnte. Zum anderen gab es wohl einige, die gerne auch den einen oder anderen Coquetier zuviel hatten. Falsch, oder mit lockerer Zunge ausgesprochen, ergab sich oft nur noch „Cock-tay“. Weit war es bis zum gewünschten Wort also nicht mehr…

Diese wunderbare Geschichte und die Drinks, die aus New Orleans stammen, möchte das Trinklaune-Team ein Jahr lang feiern.
Wir werden uns jeden Monat mit einem Drink beschäftigen, welcher unverkennbar mit der Stadt in Verbindung gebracht werden kann. Dabei werden wir die Cocktails genau untersuchen wie auch passende (Cocktail)Bücher ein wenig vorstellen.

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Mindestens zwei entsprechende Drinks werden vermutlich jedem Cocktail-Enthusiasten sofort einfallen. Auch diese allseits bekannten werden wir genau unter die Lupe nehmen (oder wohl eher in großen Mengen verköstigen). Aber vielmehr wollen wir uns um jene bemühen, welche noch keine große Aufmerksamkeit in den letzten Jahren erfahren haben – über das Jahr verteilt ein wenig das Lebensgefühl New Orleans’ aufgreifen und in freudiger Runde über die Drinks, ihre Mischverhältnisse und Variationen diskutieren.

Trinklaune – Jazzlaune – Experimentierlaune

gehen damit einher. Seid gespannt.

A votre santé, Monsieur Peychaud.

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Philipp Jäckel

Das Wissen um die Bar so wie einiger ausgewählter Themen im Detail kommen größtenteils nur durch eine intensive Beschäftigung mit der Cocktail- und Barkultur in seiner Freizeit. Begonnen hat das alles 2006. Einzelne Schwerpunkte im Bereich der Getränke legt Philipp in der Bar zu Hause nicht. Neben allerlei Spirituosen haben auch Bier und Wein ihren festen Platz gefunden.

6 Kommentare

  1. lubitsch

    und der Höhepunkt des New Orleans Themas werden dann hoffentlich eure Vor-Ort-Berichte vom diesjährigen Tales of the Cocktail…

  2. Goncalo

    Die These der Verwicklung A.A. Peychauds mit der Entstehung des Cocktails wurde von Phil Green, einem Nachfahren des Apothekers, in einem Artikel der ersten Ausgabe des Journal of the American Cocktail verworfen.

    Der Grund ist einfach. Die ersten Definition eines Cocktails in der “The Balance and Columbian Repository” stammt vom 13. Mai 1806. Antoine Amedie Peychaud war, falls geboren, noch in Windeln.

    Dennoch ist die These von berrauschten Amerikanern im Laut-Umgang mit dem franzoesischen Eierbecher eine herrliche Vorstellung.

    Die Unwissenheit ueber den Ursprung des Cocktails ist auch Teil des Mythos.

    Nun gut, Peychaud ist raus. Allerdings begann der franzoesische Einfluss 1680 mit der Gruendung einer Colonie:
    Louis-XIV-ana. Erste Hauptstadt wurde Saint Louis. 1718 wurde Nouveau Orléans gegruendet undsoweiter undsofort.

    Ach ja, dann gab es da noch ein paar Draufgaenger, welche bis ins Hinterland stiessen und mitten im Indianergebiet eine Siedlung gruendeten. Die wurde nach dem Adelsgeschlecht des franzoesischen Koenigshauses benannt: Bourbon.
    et paff…

  3. Dominik Steinberger

    Trotz alledem eine schöne Geschichte 😉

    Wird denn die “Jazzlaune” auch befriedigt? Ich hätte gerne ein paar Musikempfehlungen 😉

    Ansonsten bin ich schon gespannt, was ich zu den Drinks alles lesen werde und welche Bücher ich mir noch kaufen darf 😉

    Schöne Grüße,
    Dominik

  4. Philipp Jäckel

    Goncalo, schön dich auch als Leser hier zu haben.
    Du hast natürlich Recht, dass die Geschichte nicht haltbar ist. Wie du schon sagst: Lesen und nachempfinden lässt sie sich jedoch gut 😉
    Auch der Autor des Buches schreibt schon über den Artikel von 1806, was ihn aber nicht auf die Idee bringt, dass Peychaud somit nicht der erste mit dem Coquetier gewesen sein kann. Vermutlich war auch für ihn die Geschichte so interessanter, wenn er Peychaud’s Namen damit verknüpft.

  5. Goncalo

    … in New Orleans wirkten mit Sicherheit einige Apotheker vor Peychauds Zeit; Sicher auch vor 1806 …

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