Die Freude an alten Champagnern – Roederer Rosé NV und Pommery Brut Royal

Champagner hat bei guter Lagerung, gerade, wenn es sich um säurereiche Weine/Jahrgänge handelt, ein immenses Lagerungs- und Reifepotenzial. Oft liest man, dass Champagner immer jung getrunken werden müssten, um ihre Frische genießen zu können. Ich sehe das völlig anders, denn ein mitunter nur geringer Verlust an Frische wird ausgeglichen durch eine majestätische Eleganz und einen großen Zuwachs an Volumen, Raffinesse und Vielschichtigkeit. Eines der größten Champagnererlebnisse für mich war ein herrlich gereifter Lanson 1979 Blanc de Blancs Noble Cuvée. Ein extrem guter, wieder recht säurereicher Jahrgang, fantastisch gereift. – Ein Bombenchampagner!
In der Hoffnung auf ähnliche Erlebnisse habe ich jüngst in trauter Runde zwei alte, jahrgangslose Flaschen Champagner geöffnet; einen Pommery Brut Royal und einen Roederer Rosé. Man kann als Faustregel festhalten, dass das Lagerpotenzial steigt, je länger der Wein auf der Feinhefe ausgebaut wurde. Da die Jahrgangsweine und Prestige Cuvées meist länger in den Kellern lagern ist ihr Reifepotenzial auch größer, weshalb man nur relativ wenige sehr alte jahrgangslose Flaschen findet.

Jetzt aber zu den Weinen:
Pommery Brut Royal
Der Kork dehnte sich noch ein klein wenig, vermutlich stammte die Flasche ungefähr vom Anfang der 90er.

Nase:
Dominiert von Röstaromen, Kaffee, Haselnüsse, Reifenoten und Trauben.

Gaumen:
Relativ viel Süße, für mich etwas zu viel, Honig, Ahornsirup, angenehme Säure, Perlage nach wie vor lebendig und fein, wenn auch nicht so wie bei einem jungen Champagner. Auch hier dominante Röstaromen. Würzig.

Abgang:
Relativ kurz und süßlich

Für mich ein feiner Champagner. Absolut erstaunlich, was 10-20 Jahre zusätzliche Flaschenreife aus einem einfachen Produkt machen können!

louis-roederer-rose-ganze-flasche-fertig

Der zweite Wein:

Roederer Brut Rosé
Dieser Wein wird bereits seit Mitte der 80er Jahre nicht mehr jahrgangslos produziert; dementsprechend auch das Alter der Flasche.
Der Kork absolut stramm und fest.

Nase/Optik:
Ein farblich dezenter Rosé.
In der Nase wieder die typischen Rösttöne, leichte Fruchtigkeit.

Gaumen:
Nach wie vor umspielt eine intensive, jedoch äußerst angenehm eingebundene Säure zusammen mit einer feinen, für das Flaschenalter äußerst präsenten Perlage die Zunge. Der Geschmack ist geprägt von Zitrustönen, einer schönen Fruchtigkeit und mineralischen Aromen.

Abgang:
Mineralisch-säuerlich, deutlich länger und intensiver als der Pommery Brut Royal.

Fazit:
Gereifte Champagner sind ein besonderes Erlebnis. Sie sind vielleicht nicht jedermanns Sache und für eine Feier auch nicht der Wein zum Anstoßen, aber meines Erachtens spielen nur gereifte Champagner wirklich ihre ganze Klasse aus. Lasst mal eine frisch gekaufte Flasche Krug oder Bollinger nur zwei weitere Jahre in euren Kellern liegen – die Geduld wird ganz sicher belohnt werden!

Torben Bornhöft

Torben Bornhöft beschäftigt sich seit 2004 leidenschaftlich mit Themen rund um Bar, Cocktails und Genuss. Nachhaltig geprägt durch fünf Jahre im Hamburger Le Lion und der Likörproduktion mit Forgotten Flavours liegt Torbens Fokus hier mittlerweile auf den Themen Champagner, Infusionen und Twists auf Klassiker.

1 Kommentar

  1. Ganz deiner Meinung. Ich habe zwar keine solch große Champagner-Erfahrung wie du aber ich schätze auch die Eleganz eines gereiften Champagners.

    Vor acht Jahren habe ich meine erste Flasche gekauft als ich damals in der Schule eine kLassenfahrt nach Paris hatte. Diesen Jaquarts Brut habe ich Anfang des Jahres geöffnet zusammen mit einer neu gekauften identischen Flasche – kein Vergleich

Einen Kommentar schreiben