Champagne „S“ de Salon 1995

Die Champagne an sich ist ja wirklich nicht einfallslos dabei, sich zu überbieten: Krugs Basiscuvée kostet mittlerweile über 130,00 €, es gibt vergoldete Flaschen von Armand de Brignac und für Dom Pérignon in rosa Farbe und etwas größerer Flasche zahlt man auch – so man denn eine Flasche besitzen möchte – flink über 500 €.

Ähnliche Superlative, jedoch im leiseren Tonfall, findet man bei Salon. Dieser kleine Produzent aus einem der Chardonnay-Orte schlechthin – Le Mesnil-sur-Oger – hat nur einen einzigen Wein in seinem Portfolio, die Cuvée „S“.

S de Salon gibt es immer nur als Jahrgangschampagner in exzeptionellen Jahren. Die letzten sechs Jahrgänge waren 1997, 1996, 1995, 1990, 1988 und 1985. Es handelt sich immer um einen Blanc de Blancs. Wenn kein „S de Salon“ gemacht wird gehen die Trauben an Delamotte.

Das Haus wurde 1911 vom ehemaligen Lehrer Aimé Salon gegründet, der das Ziel hatte, den perfekten Champagner herzustellen. Seit 1989 befindet es sich im Besitz von Laurent Perrier. Es deckt 25 % des Traubenbedarfs mit den eigenen Reben, der Rest wird aus den besten Lagen Le Mesnils zugekauft. Kaum ein Hersteller lässt seine Weine so lange auf der Hefe reifen wie Salon und die Champagner werden nur sehr gering dosiert.

Jetzt aber zu den Verkostungsnotizen: An einem schönen Abend wurde bei mir mit guten Freunden ein Salon aus 1995 geöffnet; ein Jahr, dass sich durch seine feine Fruchtigkeit auszeichnet, dessen Weine aber nie langweilig werden und die momentan gefährlich trinkbar sind. Das Reifepotenzial ist sicher nicht so gigantisch wie in einem so säurestarken Jahr wie 1996, aber Salon 1995 wird in 10 Jahren sicherlich noch massiv dazugewonnen haben.

Nase:
Kräftiger, feinfruchtiger Chardonnay mit enormer Kraft, insbesondere in Anbetracht des noch relativ geringen Alters.

Gaumen:
Stringente Säure, trotzdem bereits sehr zugänglich und äußerst angenehm zu trinken. Nichtsdestotrotz kein Gaumenschmeichler, äußerst trocken. Nussige Aromen entwickeln sich mit etwas Luft, Toffee, sehr pur und rein. Eindeutig ein mono-cépage (=eine Rebsorte)-Champagner.

Abgang:
Rasiermesserscharfe Säure und eine schöne Mineralität prägen das sehr lange Finish dieses großen Champagners.

salon 1995

Insgesamt ein absolutes Erlebnis! Ein bombastischer Champagner, leider zu bombastischen Preisen… Für einen 1996er/1997er Salon (aktuelle Jahrgänge) sind momentan ca. 250,00 € zu bezahlen, der 1995er ist mit Glück etwas günstiger zu bekommen. Nichtsdestotrotz für Champagnerliebhaber eine ganz klare Empfehlung, Qualität, wie Salon sie bietet, findet man nur sehr selten. Der einzige vergleichbare Wein – mono-cru und mono-cépage aus Le Mesnil – ist Krugs Clos du Mesnil. Dagegen ist der Salon ein glattes Schnäppchen…
Eindeutige Empfehlung für die, die der Suche nach dem Besonderen doch ab und zu gern einmal erliegen…

Torben Bornhöft

Torben Bornhöft beschäftigt sich seit 2004 leidenschaftlich mit Themen rund um Bar, Cocktails und Genuss. Nachhaltig geprägt durch fünf Jahre im Hamburger Le Lion und der Likörproduktion mit Forgotten Flavours liegt Torbens Fokus hier mittlerweile auf den Themen Champagner, Infusionen und Twists auf Klassiker.

2 Kommentare

  1. unter den monocrus/-cépages ragt nach meinem empfinden immer – und speziell in anderswo schwachen jahren – der clos des goisses heraus. ein quasi-clos von zauberhafter eleganz und dom perignonartiger harmonie und leichtigkeit ist die grande sendrée 2002 von drappier, zu einem preis, der jeder beschreibung spottet.
    nicht vergessen werden darf auch der vvf von bollinger, das rebendenkmal schlechthin, wenngleich man auch gute pinots aus ambonnay oder verzenay haben kann ;-D

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