Deoch an Doruis: Merrys

Als ich den Merrys Single Malt Whiskey aus seiner Verpackung nahm, fiel mir die intensive Farbe auf. Sie erinnert an das satte Goldgelb des Bushmills, doch erschient sie mir noch etwas intensiver, mehr in Richtung Bernstein tendierend.

Eine so intensive Farbe lässt mich gern vermuten, die Destille hätte hier mit Zuckerkulör nachgeholfen. Einfache Zuckerkulör, oder auch E 150, dient in vielen Whiskys als Farbstoff. Sie ist der einzige Zusatzstoff, den Whisk(e)ys in der Europäischen Union enthalten dürfen. Nicht nur Blends bedienen sich dieses Kniffs, auch viele Malts enthalten Zuckerkulör. Zum einen wollen die Hersteller hiermit eine immer gleiche Färbung ihres Produktes erzielen, zum anderen nimmt die Färbung der Whisk(e)ys nicht selten Einfluss auf die Kaufentscheidung des Konsumenten.

Nun muss die Einfärbung mit E 150 in Deutschland auf der Flasche angegeben werden. Und wie ich hörte auch in der EU, da eine neue EU-Richtlinie dieses vorschriebe. Doch weder auf der Flasche noch auf der Umverpackung des Merrys habe ich diesen Hinweis gefunden. Also muss ich davon ausgehen, dass der Merrys nicht gefärbt ist.

Seine natürliche Färbung erhält der Whisk(e)y nach der Destillation, denn nach dieser ist das Produkt noch eine wasserklare Flüssigkeit. Die Farbstoffe gelangen erst bei der Reifung im Faß in die Spirituose. Und je länger das Destillat reift, also je länger es Kontakt mit dem Holz des Fasses hat, desto intensiver wird die Farbe. Hierbei spielen dann natürlich noch die Herkunft des Holzes, die Größe des Fasses und die Temperatur während der Reifung eine Rolle. Ausserdem ist von Einfluss, wie häufig das Fass bereits verwandt wurde. Mit jeder Füllung entzieht das eingefüllte Destillat dem Holz Farbstoffe, so daß nach jeder Reifung der nächste Whisk(e)y weniger eingefärbt wird.

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Zur Verkostung :

Merry Single Malt Whiskey, keine Altersangabe (Informationen auf der Website des Herstellers lassen aber auf drei Jahre schliessen), 40% Vol.

Farbe: Bernsteinfarben

Nase: malzig-süss, etwas versteckt Getreide

Gaumen: mild, leichte Süsse, wirkt auf mich unausgeprägt.

Abgang: zu flach und zu kurz

Dem Hersteller scheint dieser Whiskey als Basis für seine zahlreichen Liköre zu dienen, denn er wirkt irgendwie halbherzig. Der Merrys macht sich sicher gut in einem schönen Irish Coffee.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

2 Kommentare

  1. mafisa

    Die Weinquelle gibt ihn mit 5 jahren an.

  2. Oliver Steffens

    Das war mir auch aufgefallen, Mafisa.
    Der Merrys Single Malt wurde bei der IWSC (http://www.iwsc.net) 1999 als drei Jahre alt angegeben.
    Da Herr Lühmann immer, aber insbesondere bei Whisk(e)ys, gut informiert ist, habe ich das Alter bewusst etwas offen gelassen – zumal genug Zeit war die Produktion umzustellen, um heute einen fünfjährigen in die Flasche zu bringen. Dennoch erscheinen mir die drei Jahre wahrscheinlicher – und das liegt nicht nur an den o.g. Informationen…

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