Nie wieder verkorkter Champagner?

Als erstes Champagnerhaus hat Duval-Leroy einen nicht mit Kork verschlossenen Champagner vorgestellt:

Gute Idee an sich…. Keine verkorkten Flaschen mehr! Mich würde interessieren, wie es mit der Reifemöglichkeit aussieht? Ab wievielen Jahren Lagerung im Keller wird das Plastik porös? Bleibt der Wein exakt wie bei der Abfüllung konserviert? Oder sind nach wie vor fantastische Champagnererlebnisse mit guten alten Jahrgängen möglich?

Außerdem mein großes Problem mit dem Kronkorken: das Ritual! Dieses herrliche Ritual, beginnend mit dem Ablösen der Folie, dann das Abdrehen und Entfernen der Agraffe und das langsame Herausdrehen des Korks…. Ein leichtes Zischen, der Korken duftet (im idealfall!) nach herrlichem Champagner, die Capsule mit Emblem des Hauses liegt vor mir auf dem Tisch… Nennt mich konservativ – ich möchte darauf nicht verzichten!

Torben Bornhöft

Torben Bornhöft beschäftigt sich seit 2004 leidenschaftlich mit Themen rund um Bar, Cocktails und Genuss. Nachhaltig geprägt durch fünf Jahre im Hamburger Le Lion und der Likörproduktion mit Forgotten Flavours liegt Torbens Fokus hier mittlerweile auf den Themen Champagner, Infusionen und Twists auf Klassiker.

8 Kommentare

  1. Das System um die Flasche zu öffnen, ist super, aber wie du schon sagtest: Das Ritual fehlt.
    Was mich auch ein wenig irritiert ist: Muss der „Korken“ knallen? Sinn und Zweck eines guten Services sollte doch sein, dem Gast die Flasche möglichst geräuschlos zu öffnen, damit sich niemand im Raum erschrickt, oder?

  2. Sigurd

    Es sollte wohl nicht knallen, aber wohl weniger, weil jemand vor Schreck vom Stuhl fällt, sondern, damit die Kohlensäure nicht übermäßig entweicht.
    Fand ich da jedoch nicht wirklich schlimm.
    Ich glaube nicht, dass sich Plastikkorken beim Champagner durchsetzen.
    Die paar verkorkte werden die meisten verkraften wollen um nen echten Korken zu bekommen.
    Sehe ich ähnlich. Wenn man schon Champagner aufmacht, will ich kein Plastik sehen.

  3. Hallo Crackone,

    Ich als Un-Sekttrinker, aber Champagnertrinker (wenn es mir denn ab und zu vergönnt ist) muss ihnen absolut zustimmen.
    Es ist prinzipiell egal was man für einen Schaumwein trinkt (Billigtropfen sollen natürlich nicht mitgezählt werden), es geht um das Ritual des Schaumweintrinkens.
    Und dieses Ritual fängt nunmal beim Lösen des Korkens an und hört nicht beim Schlucken des Tropfens auf.
    Das ist eine Trinkerfahrung, die ein sehr langes (meist unbeachtetes) Trinkritual ist…im Endefekt.

    Mir…als Laie….würde eine sehr wichtige Komponente fehlen!

    Gruß Jonas

  4. Alchemyst

    Maestro? – Das ist wie Sex ohne Vorspiel.
    Das also kommt heraus, wenn man den aufregendsten Wein der Welt Buchhaltertypen und Technokraten anvertraut:
    Die Banalisierung des Champagners. –

    Ich teile deine Sicht, Torben.
    Ich zitiere als Ergänzung und Bestätigung R. Bichsel: „Kommt nicht allein das Ritual des Entkorkens einem Festakt gleich? Das beginnt mit dem geheimnisvolllen Knistern des Stanniolkleides, das man sorgfältig vom Flaschenkopf löst, während die züchtig harrende Gemeinde voller Vorfreude den Atem anhält. Das nimmt im Aufrollen und Abheben des Drahtverschlusses seinen Fortgang, diesem Keuschheitsgürtel des Weines, der gleichzeitig die Versuchung wie deren Fessel symbolisiert. Und endet im fröhlichen Knall mit dem der Korken, einem Salutschuss gleich, aus der Kanone, will sagen, aus dem Hals der bauchigen Bouteille schießt. Und erst das Schäumen, das Spritzen und Sprudeln des Weins, der frohgemut aus seinem engen Glasgefängnis zischt, gleichsam mit Pauken und Trompeten und Wonnegesang. Freude schöner Götterfunken…“

    Ich denke man spürt die Poesie dieses Textes.
    Maestro jedenfalls ist für mich eine überflüssige Verschlusssache, eine verkorkste Idee…

  5. Ein großartiger Text Alchemyst – spricht mir aus der Seele!

    Ich glaube, dass der „Plopp-Effekt“, den ein guter Service nie hat, einfach ein Stück weit als Ersatz da sein soll….

  6. Thomas

    Korkschmecker beim Champus sind ganz schrecklich und leider verdammt häufig!

    Die echten Stinker und auch die leicht TCA verseuchten Flaschen die dann einfach wie ein ganz schwacher Sekt schecken, flach und ohne Abgang.

    Nachdem wir letztens zwei!!! korkige 1996 Pol Roger hintereinander hatten, verzichte ich gerne auf dolle Rituale und Poesie.

  7. Thomas

    Ahhh,
    ich bin unhöflich! Schöne Grüße aus Düsseldorf an Dich, Torben. Eure Trinklaue Seite gefällt mir.
    Zur Franciacorta-Probe im Mai hatte ich es leider nicht nach Hamburg geschafft.

    Mein Kommentar zum Kork ist etwas bissig, da mir diese TCA Flaschen schon manche Abende versaut haben, da sitzt der Frust noch Tief….

  8. Torben

    Hi Thomas,
    danke!
    Ich ahtte auch schon die eine oder andere verkorkte Flasche – definitiv traumatisch. Aber für mich würde der Champagner einfach zu viel von seinem ureigenen Charakter verlieren…
    Pol Roger korkt irgendwie häufiger…

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