Warst du je in New Orleans? – Vieux Carré, die Neue Welt in einem Glas – Teil 2

Hier nun also die zweite Runde unseres Vieux-Carré Experiments. Die andere Hälfte des Trinklaune Teams hat sich ebenso detailiert mit dem Drink auseinander gesetzt wie Alchemyst und Philipp im ersten Teil. Und versucht den Drink weiter zu optimieren.
Torben startete mit 3 Versionen, in denen er sich mit dem verwendeten Vermouth befasste. Begonnen hat er dabei mit folgendem Rezept:

3cl Cognac – Frapin VSOP
3cl Rye – Sazerac
3cl Vermouth
2cl Bénédictine
dash Angostura
dash Peychaud’s

Dubonnet hatte für ihn zu wenig Kraft um in diesem Zusammenspiel von mehreren großartigen Spirituosen eine entscheidene Rolle zu spielen. Die Version mit Carpano Antica war wohl gelungen, bedarf allerdings keiner expliziten Erwähnung. Favorit für Torben war hingegen ein Vieux Carré mit Punt e Mes – Genug Kraft, genau richtig.
Da es in Torbens Natur liegt sehr schnell alles als süß zu bezeichnen, kam für ihn eine weitere Erhöhung des Benedictine Anteils  nicht in Frage. In Alchemysts und Philipps Augen brachte der Benedictine jedoch garnicht unbedingt mehr Süße. Die Aromenvielfalt war es viel mehr, die demn Vieux Carré noch ein Stück weiter nach vorne brachten.
Als einziger hatte sich Torben noch zusätzlich an die Bitters getraut, musste aber schnell feststellen, dass Peychaud’s und Angostura hier einfach ein perfektes Ergebnis liefern.
Eine weitere Variante mit Byrrh war, typisch Torben, ein wenig zu lieblich. Hatte aber trotzdem seinen Reiz. Ganz wunderbar gefiel ihm an diesem Drink, wie gut Frapin VSOP und Sazerac Rye zusammen passten. Rund, kräftig, fruchtig und nicht zu viel Holz. Ein kurzer Test mit Hennesy VSOP und Old Overholt Rye enttäuschte auf ganzer Linie.

Oliver hielt sich mangels Zutatenvielfalt an die von uns bereits für gut befundenen Rezepte und versuchte unser Urteil nachzuvollziehen. Folgendes Rezept benutzte er:

2,5cl Wild Turkey Rye
1,5cl Courvoisier Napoleon
1,5cl NP Rouge
1,5cl Benedictine
1d Peychauds
1d Angostura Bitters

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… und kam zu dem Ergebnis, dass es ein wirklich wunderbarer Drink ist. Erstaunt war er, dass sich der sonst sehr bissige und kräftige Wild Turkey wunderbar in den Drink einbrachte ohne die Harmonie zu zerstören. Der Drink war trotzdem sehr samt.
Carpano Antica war auch für Oliver kein Gewinn gegenüber Noilly Prat Rouge. Als einziger versuchte er schließlich noch eine weitere Nationalität in dem Drink unterzubringen. Der Cognac machte Platz für einen spanischen Brandy – Milenario Solera Gran Reserva. Das Ergebnis überzeugte ebenfalls auf ganzer Linie.
Im Anflug eines gesunden Größenwahnsinns machte Philipp sich noch daran die Zutatenliste auf die Spitze zu treiben. Gemixt wurde ein Vieux Carré mit XO Cognac und Thomas H. Handy Sazerac… Ob das Sinn macht? Auf jeden Fall. Der Drink war herausragend. Ob das verrückt war? Irgendwie schon, aber verfällt man einmal in Trinklaune, lässt sich so einiges entschuldigen…
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Uns allen ist aufgefallen, dass der Vieux Carré durchaus einigen Spielraum lässt, was die Zutatenwahl angeht. Fast immer ergeben die vielen verschiedenen Zutaten ein fantastisches Geschmackserlebnis – Einfach eine wunderbare Harmonie. Dieser Drink spiegelt in perfekter Weise das wieder, wonach er benannt wurde. Vieux Carré, oder auch French Quarter, in New Orleans. Die verschiedensten Kulturen trafen sich dort und ergaben zusammen ein wunderbares lebhaftes Gesamtbild – Ebenso tut es der Drink.

Trinklaune

3 Kommentare

  1. Traumhaft dieser Artikel. So belanglos er geschrieben scheint, so ausdrucksstärker ist er.
    Ich habe Trinklaune, aber nach einem langen Cocktailabend verschiebe ich diese Lust auf morgen und weise meine Mitstudierenden an, mehr Eis ins Gefrierfach zu packen.
    Mfg Jigger

  2. Sigurd

    Hallo

    Schöner Bericht, der mal wieder zeigt, was das tolle am Mixen ist! Die Individualität!
    Ich werd der Cocktail nach diesen Ergebnissen auch mal wieder ausprobieren, speziell mit Punt e Mes.

    Zum Thema „verrückt sein“:
    Das ganze hier ist verrückt 😉
    Premium Cognac und Rye kann ich mir gerade bei diesem sogar gut vorstellen. Die Spirituosen haben kaum Möglichkeiten sich zu verstecken, da wird jede Schwäche sichtbar.

  3. Es ist spannend, von Euren Experimenten zu lesen, es erinnert mich an unsere eigenen. Der Vieux Carré war lange Zeit kein wirklich bekannter Cocktail. Wir haben nur ein Rezept aus 1938 gefunden, ansonsten nur modernere. Wir haben sie am Ende unseres Beitrags über den Vieux Carré aufgeführt, und Ihr könnt sie finden auf http://bar-vademecum.de/vieux-carre/ .

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