Deoch an Doruis: Auchentoshan

Heute verlasse ich auf meiner virtuellen Reise durch die Whisk(e)y-Welt das Land, das höchstwahrscheinlich die Geburtsstätte des Whisk(e)ys ist – Irland – und wende mich dem Teil der Welt zu, der dieses Destillat wohl mehr als jeder andere geprägt hat : Schottland.
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Hier begegnet uns ein Phänomen, dass es in Irland so nicht gibt: Die unabhängigen Abfüller. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war es allgemein üblich, dass Destillerien nur einzelne Fässer an Whiskyhändler verkauften, aber auch heute verkaufen Destillerien nach wie vor einzelne Fässer. Unabhängige Abfüller erwerben die angebotenen Fässer und füllen diese dann in Eigenregie ab. Die Flaschen werden mit einem unverwechselbaren Label des Abfüllers etikettiert und meistens dürfen die Abfüller auf ihrem Etikett auch den Namen der Destillerie erwähnen.In einigen Fällen wollen die Erzeuger aber ihren Namen nicht auf dem Etikett sehen, diese Abfüllungen erhalten dann einen Fantasienamen (z. B. Loch Indaal, Leapfrog). Es gibt auch Fälle, in denen der Abfüller von sich aus auf die Nennung des Destillerienamens verzichtet (z.B. Blackadder Legendary). Und manche Destillerien erlauben einzelnen Abfüllern einfach die Verwendung des Originaletiketts der Destillerie.

Ich habe mich entschlossen, ausschliesslich Originalabfüllungen von noch aktiven Destillerien vorzustellen.

Beginnend mit auchentoshanden schottischen Lowlands liegt das Augenmerk heute auf der Destillerie Auchentoshan aus Old Kilpatrick, etwa 10km nordwestlich von Glasgow. Auchentoshan blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Gegründet 1817 als Duntocher Distillery war ihr erster Besitzer John Bulloch nach nur fünf Jahren Pleite. Sein Sohn Archibald Bulloch übernahm die Destillerie, doch auch er musste schon 1826 Bankrott anmelden. Im weiteren Verlauf kauften John Hart, bis dahin ein Angestellter der Bullochs, und Alexander Filshie die Destille, welche sie in Auchentoshan umbenannten. Bis zum zweiten Weltkrieg wurde die Destille weitere vier Mal verkauft.

Die Angriffe der deutschen Luftwaffe in den Nächten vom 13. und 14. März 1941 überstand die Destille unbeschadet. Jedoch wurden drei Warehouses zerstört und mit ihnen eine Million Liter heranreifenden Whiskys. Erst am 3. Februar 1948 wurde die Produktion wieder aufgenommen. Die Destille wurde fünf weitere Male veräußert, bis sie 1994 von Suntory, dem Hersteller des ersten japanischen Single-Malts und heute großen Mischkonzern, gekauft wurde.

Auchentoshan ist die letzte schottische Brennerei, die wie die meisten irischen Destillen noch dreifach destilliert. Durch den dritten Brennvorgang wird das Destillat noch reiner, aber auch höherprozentiger. So liegt der Alkoholgehalt bei etwa 80 bis 82 Prozent im Gegensatz zu den sonst üblichen ca. 63% bei der zweifachen Destillation. Das verwendete Malz ist gar nicht oder nur ganz leicht getorft.

Seit Juni 2008 kommen die Auchentoshan Whiskys in einer neuen Aufmachung daher, die mir sehr gut gefällt. Auf einer Seite des Whiskystores kann man noch die alte Ausstattung sehen.

Auchentoshan Single Malt Whisky 12yo, 40% vol.
Farbe altgold
Nase sehr komplex – frisch, nussig, buttrig-karamellig, malzig-süß
Gaumen Mild, malzig, Nüsse, ein wenig Pfefferminz
Abgang lang, intensiv Mokka

Ein Whisky, der zu begeistern vermag. Durch die dreifache Destillation sanft und mild. Dennoch komplex und aromatisch.

Empfehlenswert ist auch die Website der Destille, die nicht nur optisch sehr ansprechend sondern auch interessant und lehrreich ist : http://www.auchentoshan.co.uk/

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

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