Deoch an Doruis: Glenkinchie

Mit Glenkinchie kommen wir heute zur letzten der drei verbliebenen Destillerien in den Lowlands. Aufgrund der Nähe zu Edinburgh – die Destillerie liegt etwa 20km westlich der schottischen Hauptstadt in einem kleinen Tal zwischen den Lammermuir Hills und den Seebädern am Firth of Forth- betitelt Glenkinchie seinen Whisky selbst als „Edinburgh Malt“. Die Vorsilbe Glen bedeutet „Tal“ und der Name Kinchie ist der Lalland (Lowland-Dialekt) für de Quincy, die Familie, auf deren Land die Brennerei einst aufgebaut wurde. Noch heute liegt Glenkinchie in einer landwirtschaftlich geprägten Gegend. In den 1950-er Jahren wurden in der Nähe der Brennerei preisgekrönte Aberdeen Angus Rinder gezüchtet: Sie wurden mit den Malzresten aus der Destillation gefüttert.

Die Brennerei wurde unter dem Namen Milton 1825 durch die Brüder George und John Rate gegründet und erst zwölf Jahre später in Glenkinchie umbenannt. Nachdem die Brüder 1853 Bankrott gingen wurde in den folgenden achtundzwanzig Jahren kein Whisky mehr produziert. 1914 kam die Destillerie zu Scottish Malt Distillers (SMD). Zwischen 1917 und 1920 blieb die Brennerei, wie viele andere auch, geschlossen. 1987 ging die Brennerei an United Distillers & Vintners (UDV – heute Diageo), die von da an einen zehnjährigen Glenkinchie Single Malt in der Classic Malt of Scotland-Serie auf den Markt bringen. Im August 2007 löste der 12-jährige Glenkinchie den 10-jährigen ab. Der Whisky der Destillerie wird auch für Blends wie Haig, Johnny Walker, Buchanan und Dimple verwandt.

Die Malztenne der Brennerei wurde im Jahr 1968 in ein Besucherzentrum umgewandelt. Unter anderem ist ein Modell der Destillerie zu sehen, das 1924 für die Londoner Empire-Ausstellung gebaut worden war, an dem sehr anschaulich die einzelnen Schritte der Whiskyproduktion erläutert werden.

glenkinchie

Meine Tasting-Notes zum Glenkinchie Single Malt, 12yo, 43% Vol. :

Farbe: blasses Gold

Nase: malzige Süsse, frisch, blumig

Gaumen: milder Start auf der Zunge, am Gaumen dann sanfte alkoholische Schärfe. Reife Früchte, würzig, Malznoten.

Abgang: mittel lang, frisch, etwas rauchig, der Nachgeschmack erinnert mich auf angenehme Weise an den Duft von Heu.

Der Glenkinchie 12yo ist ein würdiger Vertreter der Lowlands in der Whiskywelt. Rauer als der Auchentoshan, aber auch etwas weniger komplex.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

Einen Kommentar schreiben