Jamaica Rum Tasting: Hampden Estate 13YO 66,2%

Zwei Jahre mag es her sein, dass Mike aus der Triobar einen unglaublichen Rum entdeckte. Cadenheads Hampden Estate 13YO mit 66,7%. Bei einem Besuch bei Kristina Wolf machte er diesen Fund. Es war zum einen der perfekte Rum für einen Mai Tai. Zum anderen aber, und das soll hier viel mehr interessieren, ist es ein unglaubliches Erlebnis, diesen Rum pur zu trinken.

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Für ein Blindtasting zwischen anderen Rums um die 40% Vol. ist er gänzlich ungeeignet. Man muss einfach wissen, was da jetzt im Glas ist. Der hohe Alkoholgehalt kann erschrecken und das tut er auch. Was man dann aber am Gaumen schmeckt ist eine Aromabombe, die ihres Gleichen sucht. Das Aroma bleibt so lange am Gaumen, dass man danach einfach nichts anderes mehr haben möchte. Selbst nach mehreren Minuten kann man den Rum noch deutlich wahrnehmen.

Der Grund, warum der Hampden Estate so viel mehr kann als andere, liegt an folgender Tatsache: Er hat einen sehr hohen Esteranteil. Diese Ester sind chemische Verbindungen, die den Geschmack des Rums maßgeblich beeinflussen. Die in Jamaika verwendeten Pot-Stills forcieren den daraus resultierenden Geschmack noch. Column-Stils hingegen produzieren ein eher mildes, glattes Destillat. Ursprünglich erfand man diese sehr aromatischen (konzentrierten) Rums um sie nach Deutschland zu verkaufen, wo sie verdünnt als Rumverschnitt auf den Markt kamen. Eine der wenigen guten Sachen, die eine Steuer einmal mit sich gebracht hatte… Deutschland nahm diese Steuer damals, um auch nationalen Spirituosen eine Chance zu geben, auf ausländische Rums. Die Hoch-Ester Rums aus Jamaika waren die Lösung der Rumhersteller um trotzdem auf dem deutschen Markt bleiben zu können. Die Herstellung dieser Rums unterscheidet sich zum Beispiel durch eine sehr lange Fermentation, bei der neben Melasse auch Zuckerrohr, Obst und Dunder hinzu gegeben wird. Auch einige Eigenarten bei der Destillation machen aus diesen Rums was sie sind: Ein Geschmacksexplosion auf der Zunge.

Ich schrieb ja bereits: Es war der perfekte Rum. Die wenigen Flaschen die es gab, waren unglaublich schnell weg und auch wenn hier und da immer mal wieder ein Flasche auftauchte, blieb dieser Genuss nur wenigen gegönnt.
Obwohl ich noch einen gewissen Vorrat von diesem Rum habe, werde ich Ausschau halten, was dort draußen noch an Flüssigem aus Jamaika zu bekommen ist. Was es für Alternativen gibt, um auch in den Genuss eines fantastischen Mai Tais zu kommen, damit werde ich mich bei den nächsten Jamaica-Tastings beschäftigen. Dieser Rum dient dabei, vollkommen verdient, als Referenz.

Im Folgenden also meine Tasting-Eindrücke:

Nase: Aromen von Banane, Orangenschale aber natürlich auch einer gewissen alkoholischen Schärfe. Der typische Nagellack-Geruch, wie er bei vielen anderen hochprozentigen Spirituosen zu finden ist, ist hier allerdings nur sehr wenig bis gar nicht vorhanden.

Geschmack: Zitrone, Gras, wieder Banane und eine leichte Holz-Note vom Fass. Vor allem aber einfach typisch jamaikanisch: Viel Kraft, würzig, leichte Säure.

Abgang: Der absolute Höhepunkt. Es will einfach nicht enden. Noch nach Minuten schmeckt man alle Aromen. Dazu holzige Süße und ganz hinten eine minimale Bitter-Note. Den Abgang könnte man hier in zwei Phasen unterteilen. Die eine bis der Gaumen sich vom hohen Alkoholgehalt erholt hat (was schon großartig ist). Und dann die zweite Phase wo ohne den Alkohol einfach ein unglaublicher Rum-Geschmack zurück bleibt.

Erfreulicher Weise stehe ich mit meiner Meinung, was diesen Rum angeht, nicht ganz alleine dar. Torben hat schon vor einiger Zeit einmal ein Tasting dieses Rums im Cocktailforum geschrieben:

Farbe/Aroma:
Sehr hell, klares Stroh.
In der Nase schon extrem voll, viele Aromen, sehr viel Vanille, eine „tiefe“ Note vom Holz, leichter Alkoholton, extrem kräftig.

Geschmack:
Eine gigantische Fülle von Aromen, die 66,2% machen sich bemerkbar, ein Rum der wärmt.
Aber vor allem: Ein Rum wie eine Planierraupe, bügelt alles auf der Zunge weg und überdeckt es mit einer gigantischen, frischen und monströsen Rumnote.
Wirklich wahnsinnige Aromenfülle, eine Note, die mir schwer fällt zu beschreiben, würde sagen „erdig-nussig-holzig-typisch-jamaicanisch“ ist sowohl im Geruch als auch im Geschmack immer präsent. Nach wie vor viel Vanille, etwas Holz.
So ein überwältigendaes Aroma habe ich noch nie bei einer Spirituose geschmeckt.
Absolut mundfüllend, definitiv: Heavy-bodied!

Abgang:
Ein riesig langer Abgang, so etwas habe ich noch nie gesehen.
Der Geschmack bleibt auf der Zunge bis zum bitteren Ende, selbst nach zwei Stunden kommt dieses fantastische Aroma immer wieder.
Wirklich wahnsinnig…

Was bleibt? Natürlich einige Eindrücke, dieses Rums im Mai Tai:

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Erst einmal ungewöhnlich ist die Farbe des Drinks. Für gewöhnlich wird der Mai Tai mit einer viel dunkleren Farbe in Verbindung gebracht. Hier hingegen ist er, je nach verwendetem Zucker fast weiß. Um den fantastischen Geruch wahrzunehmen muss man nicht einmal besonders nah am Glas sein. Der Drink profitiert unglaublich vom Hampden Estate. Der Geruch läst den Rum deutlich hervor treten und im Geschmack zeigt er sich von seiner besten Seite mit einem Akzent auf der Holz-Note. Wieder kann der endlos lange Abgang des Hampden Estate punkten. Bisher ist mir kein besserer Mai Tai unter gekommen.

Der nächste Teil der Jamaica-Rum-Tasting Reihe wird uns in gewisser Weise nach Deutschland führen… Und das nicht zum einzigen Mal.

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Philipp Jäckel

Das Wissen um die Bar so wie einiger ausgewählter Themen im Detail kommen größtenteils nur durch eine intensive Beschäftigung mit der Cocktail- und Barkultur in seiner Freizeit. Begonnen hat das alles 2006. Einzelne Schwerpunkte im Bereich der Getränke legt Philipp in der Bar zu Hause nicht. Neben allerlei Spirituosen haben auch Bier und Wein ihren festen Platz gefunden.

2 Kommentare

  1. Wie kannst du mir diesen Bericht nur antuen!? Ich bin einer derjenigender keine Flasche mehr bekommen hat 🙁 Dieser Rum ist einer der besten die ich kenne!

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