Deoch an Doruis: The Dalmore

Die Brennerei wurde 1839 von Alexander Matheson gegründet und an die Sunderland-Familie verpachtet. Mit Margret Sunderland übernimmt 1850 eine Frau die Leitung von Dalmore. Ich denke, für die damaligen Zeiten und in einem von Männern dominierten Gewerbe wie der Whiskydestilation war sie vermutlich ein Unikum. Ab 1867 führen die Brüder Charles, Andrew und Alexander Mackenzie die Brennerei. Dalmore ist im Jahr 1870 der erste Malt Whisky, der nach Australien exportiert wird. 1886 stirbt Alexander Matheson und 1891 verkauft Sir Kenneth Matheson die Brennerei an die Mackenzie Brüder. 1917 zieht die Royal Navy bei Dalmore ein um Minen herzustellen. Als die Navy 1920 Dalmore wieder verlässt ist ein Teil der Brennerei durch eine Explosion beschädigt. Weil Andrew Mackenzie und die Royal Navy sich nicht auf eine Entschädigung einigen können, führt Mackenzie das Verfahren bis in das House of Lords. 1922 beginnt die Whisky-Produktion wieder.

1956 werden die Malting Floors durch eine Saladin Box ersetzt. Die Saladin Box ist eine Vorrichtung zum Mälzen der Gerste für die Whisky-Herstellung. In der tradionellen Produktion von Malz wird die eingeweichte Gerste in einer ca. 30 cm hohen Schicht auf einem Betonboden, den Malting Floors ausgebreitet. Um einen Wärmestau zu vermeiden, der die Gerste für die weitere Produktion unbrauchbar machen würde, muss das Getreide regelmäßig gewendet werden. Dieser Vorgang ist sehr arbeitsintensiv. Die Saladin Box ist eine Betonwanne, die von unten belüftet wird. Ein mechanischer Rechen wird durch diese Wanne geführt und wendet so das Getreide. Diese Methode ist, oder besser war, wesentlich effizienter als die traditionelle Methode. Aber auch die Saladin Box gehört heute bereits der Vergangenheit an, sie wurde 1982 außer Betrieb gesetzt. Die Destillerie bezieht ihr Malz heute von Groß-Mälzereien. Nur in der Destillerie Tamdhu kommt noch eine solche Vorrichtung zum Einsatz. Die Saladin Box trägt den Namen ihres Entwicklers, Charles Saladin.

dalmore

1990 kauft American Brands Whyte & Mackay und ändert 1996 seinen Namen in JBB (Greater Europe). 2001 wird die Firma von Fortune Brands gekauft und in Kyndal Spirits umbenannt. 2002 rudert man zurück und benennt sich wieder in Whyte & Mackay um. 2007 wird Whyte & Mackay und damit die Brennereien Dalmore, Isle of Jura, Fettercairn und Tamnavulin für 595 Millionen £ von United Spirits Limited, einer Tochter der indischen The United Brewerys Group gekauft.

Das Wappen der Familie Mackenzie ziert ein Hirschkopf. Dieses Wappen wurde der Familie 1263 verliehen, nachdem König Alexander III vom Oberhaupt des Clans vor dem Angriff eines Hirsches gerettet worden war. Noch heute findet sich das Hirschgeweih auf dem Etikett der Whiskys von Dalmore und diesem Ereignis wurde eigens eine Abfüllung gewidmet : The Dalmore 1263 King Alexander II

Im April 2005 wurde eine Flasche Dalmore 62 aus dem Jahre 1943 auf einer Auktion für die Rekordsumme von 32.000 Pfund – nach dem damaligen Wechelkurs etwa 46.000 Euro – versteigert. Diese Flasche war ein Blend aus fünf Fässern von 1868, 1878, 1922, 1926 and 1939. Es wurden nur zwölf Flaschen abgefüllt.

Der Dalmore 12yo lagert zu 50% in Ex-Oloroso Sherry und zu 50% in First Fill Ex-Bourbonfässer.

Dalmore Single Malt Whisky 12yo, 40% vol.
Farbe Strohgelb
Nase fruchtig, Rosinen, grasige Note
Gaumen weich, etwas alkoholischer Biss, malzig, Pekanüsse
Abgang Mittellang, malzig, etwas Holz, etwas Nuss

Ein leiser Malt. Nicht grob und vordergründig, sondern eher elegant und vielschichtig. Auf jeden Fall ein Whisky, der von heute an einen festen Platz in meinen privaten Whiskybeständen gefunden hat.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

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