Jamaica Rum Tasting: Long Pond Destillery Trewlany 53%

Der folgende Rum aus Jamaika stammt aus der Long Pond Destille, welche im Norden Jamaikas liegt. Er ist dort 1993 destilliert worden und nach 13 Jahren im Fass abgefüllt. Das Abfüllen geschah aber in Deutschland.

Die Long Pond Destille wurde einst von Seagrams gekauft. Zu dieser Zeit (1940er) war Seagrams auf dem Weg der größte Hersteller von Spirituosen zu werden und erreichte dieses Ziel auch. Zum Portfolio gehörte auch der von ihnen in Long Pond hergestellte, sehr bekannte Rum, „Captain Morgan“.
Man verkaufte die Destille immer wieder weiter. Inzwischen ist das von dort stammende Destillat eins von vielen weltweit, das an Abfüller wie Bristol Spirits, Cadenheads oder in diesem Fall an Rum Albrecht verkauft wird. Diese Hersteller können dann entscheiden, wie lange sie den Rum im Fass lassen uns was sie letzt endlich damit machen. So weit bekannt, füllt die Long Pond Destille keinen eigenen Rum ab. Alles geht an andere Abfüller. Es gibt Gerüchte, wonach zum Beispiel im Pussers Navy Rum (allerdings nicht schon immer) ein Rum von Long Pond wiederzufinden ist.

longpond
Der Long Pond Single Rum wurde in unserem Fall mit 53% Vol. abgefüllt – Was ihm ausgesprochen gut tut. Der Rum hat Kraft, versteckt seine jamaikanische Herkunft nicht und ist nebenbei noch bezahlbar. Musste man für den Cadenheads Hampden Estate (als es ihn noch gab) um die 60€ hinlegen, so ist man hier mit gerade mal einem Drittel davon dabei.
Ich habe mir folgende Tasting-Notizen gemacht:

Aroma: Jamaika-typisch sehr kräftig,  mit Banane und einer leichten Säure.

Geschmack: Sehr angenehme Holz-Noten. Der erste Kontakt mit der Zunge bringt einen süßlichen Geschmack (Molasse) mit sich. Der Alkohol ist präsent, aber überlagert die anderen Aromen nicht. Sehr geschmacksintensiv.

Abgang: Der Geschmack hält lange an und bringt Aromen wie Birne und weitere Fass-Lagerungs-Aromen mit sich. Eine leichte alkoholische Schärfe ist auszumachen.

 

Insgesamt kann man ihn als gefälliger,milder und weniger extrem als den Hampten Estate HLCF bezeichnen. Ihm fehlt ein wenig das extreme, kratzige Aroma. Aber trotzdem: Ein wunderbarer Vertreter der jamaikanischen Pot-Still-Rums.

Zum einen versuche ich ja möglichst viele jamaikanische Rums zu finden und diese hier (sofern es sich lohnt) vorzustellen. Zum anderen aber verlangt der Mai Tai ursprünglich einen jamaikanischen Rum. Der Long Pond ist einer von jenen Rums, die einen wunderbaren Mai Tai machen. Wie erwähnt, dient der Hampden Estate für mich persönlich als Referenz. Aber der hier vorgestellte Rum weiß pur, wie auch im Drink zu begeistern.
Die Anschaffung lohnt sich also. Aber auch hier gilt wohl: Das Angebot wird auf Grund der Herstellungs-Umstände sicherlich begrenzt sein, zumal der Rum schon ein paar Jahre auf dem Markt ist.

Philipp Jäckel

Das Wissen um die Bar so wie einiger ausgewählter Themen im Detail kommen größtenteils nur durch eine intensive Beschäftigung mit der Cocktail- und Barkultur in seiner Freizeit. Begonnen hat das alles 2006. Einzelne Schwerpunkte im Bereich der Getränke legt Philipp in der Bar zu Hause nicht. Neben allerlei Spirituosen haben auch Bier und Wein ihren festen Platz gefunden.

4 Kommentare

  1. Vielen Dank für deinen interessanten Artikel! Wo kann man diesen Rum denn kaufen / bestellen?

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