Henri Giraud Grand Cru Fût de Chêne 1990

Habe ich mich in meinen letzten posts eher mit günstigem Champagner beschäftigt, soll es heute um einen Kracher gehen, wirklich einen Stern am Champagnerhimmel! Dieser Wein hat mich enorm beeindruckt und kommt aus dem Hause Henri Giraud auy Ay. Der Fût de Chêne ist das Flaggschiff und – wie es auch der Name nahelegt – komplett im Eichenfass ausgebaut. Je nach Jahrgang und Reife kommt die Eiche mehr oder weniger stark zum Vorschein, ist aber immer präsent. Das Resultat dieses zu 70 % aus Pinot Noir und zu 30 % aus Chardonnay hergestellten Weines ist ein enorm intensiver, dichter und fleischiger Champagner. Nicht alltäglich, ein Wein, der Konzentration braucht, aber bei einem guten Jahrgang ein phänomenales Erlebnis sein kann.

War mir ein kürzlich getrunkener 1993er Fût de Chêne noch zu eichenlastig, konnte der große Jahrgang 1990 überzeugen.

Nase:
Kräftige Rösttöne, Frische, deutlich gereift, Haselnüsse

Gaumen:
Primär Rösttöne und Haselnüsse, gepaart nach wie vor mit einer immensen Frische. Schöne Frucht, Zitronen- und Grapefruitaromen, phänomenal balanciert!
Die immer noch wunderbar lebendige Kohlensäure transportiert die Aromen hervorragend durch den Mundraum.
Rassige Säure, Pflaume, Holz, Kaffee, Vanille, Nüsse und Hefe verbinden sich zu einer selten dagewesenen Aromabombe. Einer der dichtesten und konzentriertesten Champagner, die ich bisher probiert habe. Wahnsinn!

Abgang:
Keine Überraschung: lang anhaltend und intensiv, zwischen frisch-säuerlich und holzig-hefig-nussig. Sehr rund.

Ja… Ein Erlebnis. Diese Flasche war auf den Punkt gereift. Wenn Ihr einen 1990er seht – zuschlagen!
Auch das Gesamtpaket ist einfach stimmig. Wunderschöne Flasche, eingelasertes „Etikett“, verschlossen mit einer vergoldeten Klammer (hier fehlt mir noch der eingravierte Jahrgang…). Das passt, so soll es sein.
Den aktuellen Jahrgang 1999 (ca. 120,00 €) habe ich leider noch nicht probiert, der 1998er war allerdings auch nicht von schlechten Eltern, ich vermute jedoch, dass weniger Potenzial in ihm steckt als im 1990er. Trotzdem ist ein Fût de Chêne immer ein Erlebnis. Probiert ihn mal – hier gibt’s mehr Champagner für’s Geld als bei Dom, Cristal und Co.

fut-de-chene-1990

Torben Bornhöft

Torben Bornhöft beschäftigt sich seit 2004 leidenschaftlich mit Themen rund um Bar, Cocktails und Genuss. Nachhaltig geprägt durch fünf Jahre im Hamburger Le Lion und der Likörproduktion mit Forgotten Flavours liegt Torbens Fokus hier mittlerweile auf den Themen Champagner, Infusionen und Twists auf Klassiker.

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