Warum Champagner? Teil III

Was unterscheidet Champagner von Sekt, Crémant, Cava, Prosecco, Franciacorta?
Diese Liste ließe sich noch verlängern, wenn man wollte. Aber warum sollte man Champagner trinken? Sind andere schäumende Weine nicht genauso gut und viel günstiger? Für das französische Luxusprodukt zahlt man immer auch den Namen. Soviel steht fest.
Aber was bekommt man eigentlich dafür?
Erstmal: einen Schaumwein. Aus einem der nördlichsten Weinbaugebiete der Welt, auf Kreideböden gewachsen, in der Regel weiß gekeltert, obwohl zwei Drittel der Champagnertrauben rot sind. Lang auf der Feinhefe in der Flasche in den Kreidekellern von Reims, Aÿ oder Epernay gereift, im Idealfall zu einem perfekten Zeitpunkt degorgiert und mit einem NatCapsulesurkorken versehen.
Die Champagne ist wahrscheinlich das beste Weinbaugebiet der Welt, um Trauben für Schaumweine anzubauen. Aber rechtfertigt dies auch den Preis?
Qualität hat immer ihren Preis. Auch deutsche Winzersekte der Spitzenklasse oder spanische Cavas können schnell 30,00 – 50,00 € kosten. Nur dass der Durchschnitt diesen Preis nicht kostet, heißt ja noch nicht, dass die erste Klasse es nicht wert sein kann. Ein Sekt für 30,00 €? Für Viele undenkbar.
Aber zurück zum Champagner. Über Herstellung, Lagerung, Trauben und Lese wurde schon vieles geschrieben, dementsprechend möchte ich mich in diese Reihe nicht einreihen und überlasse das Feld denen, die sich besser auskennen.

Für mich ist Champagner das geselligste Getränk der Welt. Er macht alleine weniger Spaß, und dieses Gefühl, mit netten Menschen um einen Kühler mit einer Flasche eiskalten Champagners zu sitzen, lässt sich durch nichts auf der Welt ersetzen.
Ein wunderbares Zitat hierzu bezieht sich zwar auf den Alkohol an sich, aber meiner Meinung nach lässt es sich auf Champagner noch verstärkt übertragen:

Nüchternheit verkleinert, unterscheidet und sagt Nein; Trunkenheit erweitert, verbindet und sagt Ja.

– William James

Champagner wurde von den Menschen zu dem Produkt gemacht, das es heute darstellt. Das verführerische Getränk schlechthin, leicht frivol und immer luxuriös. In unendlich vielen Filmen hat er ein Gastspiel, das Gebiet, aus dem er kommt, war Schauplatz diverser Kriege und Auseinandersetzungen, nicht wenige Granden haben mit dem Ruf dieses Schaumweins kokettiert und ihn zum Bestandteil des eigenen Lebens gemacht.

Champagner ist für mich eines der authentischsten Getränke der Welt. Jede entkorkte Flasche atmet Geschichte aus – pur und unverfälscht, mit einer Eleganz, die kaum eine andere Gaumenfreude besitzt.

Champagner

In diesem Sinne:

Meine Herren, in diesem kurzen Augenblick, der uns noch bleibt zwischen Krise und Katastrophe, lassen Sie uns ein Glas Champagner trinken.

– Paul Claudel

Torben Bornhöft

Torben Bornhöft beschäftigt sich seit 2004 leidenschaftlich mit Themen rund um Bar, Cocktails und Genuss. Nachhaltig geprägt durch fünf Jahre im Hamburger Le Lion und der Likörproduktion mit Forgotten Flavours liegt Torbens Fokus hier mittlerweile auf den Themen Champagner, Infusionen und Twists auf Klassiker.

3 Kommentare

  1. Tiki-wise

    Hallo Torben

    vielen Dank für den Eintrag, ich habe ihn sehr genossen.
    Gerade die Verwendung in Filmen ist sehr beachtlich und sollte mit einem eigenen Eintrag gewürdigt werden.
    Ich vermute, dass Tarantino genau wusste, wieso er den Belle Epoque in seinem neuen Film „Inglorious Basterds“ immer wieder auftauchen lässt. Champagner, das Getränk der Sieger und derjenigen, die wissen, dass sie bald besiegt sind. Nicht umsonst kommt „Dekadenz“ vom lateinischen „Cadere“, was soviel wie sinken oder fallen bedeutet.

    Daniel

  2. Felix

    „Eiskalter Champagner“, ob das so ein Genuss ist? Aber danke in jedem Fall für Eure publizistische Verteidigung des Champagners gegen seine geizigen Kritiker…

  3. Torben Bornhöft

    Du hast Recht, bei wenigen Grad Temperatur wird sich ein Jahrgangswein aus gutem Haus nicht hundertprozentig entfalten – es ist eher im übertragenden, bildlichen Sinne gemeint… Und ich persönlich bevorzuge den Champagner tatsächlich etwas kälter, dann kann ich mir Zeit lassen, ihn im Glas zur Entfaltung kommen zu lassen, ohne gleich einen zu warmen Wein zu trinken.
    DAnke für deinen Kommentar!

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