Gin-Review: Oxley versus Tanqueray No. Ten

Kürzlich las ich im CLASS Magazine von einem neuen Gin: Oxley Original English Gin.
Zunächst fragte ich mich, wozu die Welt noch einen weiteren Gin bräuchte, doch dieser soll sich durch den Herstellungsprozess stark von den anderen unterscheiden.

Flugs hatte ich mir also eine Flasche geordert und erhielt die mit der Nummer B00450. Der Flaschenhals wurde aufwendig mit einem Lederband umwickelt und am unteren Ende wirkt es, als hätte man die Flasche in einen metallenen Blumentopf gesetzt. Okay, der Anspruch ist klar: Diese Aufmachung soll Wertigkeit verkörpern.

Der Oxley Gin wird mittels kalter Destillation hergestellt. Dieses Verfahren macht sich das Prinzip zu nutze, dass mit abnehmenden Luftdruck die Siedetemperatur einer Flüssigkeit ebenfalls sinkt. In der Destillationsanlage des Oxley Gin herrscht annähernd ein Vakuum, so daß dieses Verfahren auch als Vakuumdestillation bezeichnet wird. Die Destillation erfolgt bei einer Temperatur von -5° Celsius (jawohl, Minusgrade !) und die Kondensation zurück in eine Flüssigkeit bei einer Temperatur von -100° Celsius, die durch die Verwendung von flüssigen Argon erreicht wird.

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Dieses aufwendige Verfahren weckte natürlich meine Neugier. Hat sich die Mühe gelohnt ? Deshalb wollte ich den neuen Oxley Gin direkt mit Tanqueray vergleichen. Der Oxley kommt mit 47% vol., der Tanqueray mit nur unwesentlich mehr, nämlich 47,3% vol. Da sich Oxley nicht nur von der Aufmachung sondern auch vom Preis ganz offensichtlich als Premium-Produkt zu positionieren versucht, hielt ich es nur für fair, den Tanqueray No. Ten als Gegenstück zu wählen.

In der Nase lassen sich bereits deutliche Unterschiede ausmachen.
Während der Tanqueray No. Ten Zitrusnoten aufweist, frisch und etwas schärfer als der Oxley daherkommt, ist der Oxley deutlich floraler, milder und auch süsser.

Am Gaumen ist der Oxley süsser und milder als der Tanqueray No. Ten, die Aromen erscheinen aber auch blasser. Der Geschmack der Kontrahenten erschien mir aber insgesamt recht ähnlich.

Der Gewinner im Abgang ist eindeutig der Tanqueray No. Ten, der deutlich länger und wärmend ist. Der Oxley ist hier zu wenig prägnant und zu kurz.

In einem Gin Tonic geht der Oxley ziemlich unter und macht neben dem Tanqueray No. Ten keine besonders gute Figur. Vier Zentiliter des Oxley auf eine Flasche Fever Tree Tonic waren quasi kaum schmeckbar. Mit sechs Zentilitern war das Ergebnis schon ganz annehmbar, doch schmeckte der Tanqueray No. Ten Tonic in gleicher Konzentration wesentlich aromatischer und intensiver.

Der Oxley ist ganz gewiss ein hochwertiges Produkt, dass durchaus mit dem Tanqueray No. Ten auf einer Augenhöhe ist. Die aufwendige Vakuumdestillation scheint aber gegenüber den herkömmlichen Destillationsverfahren keine wirklichen Vorteile zu bringen. In Anbetracht seines Preises von etwa 55 Euro für eine Literflasche greife ich demnächst lieber wieder zum Tanqueray No. Ten.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

4 Kommentare

  1. Der ganze Premiumtrend steht Gin nicht. Obwohl Tanqueray Ten ja wirklich nicht zu verachten ist… Trage ich schließlich in meiner Forumssignatur 😀

  2. Ich persönlich mag den Tanqueray Ten lieber! Aber wahrscheinlich ist das Geschmackssache!

  3. Michaela

    Hey!
    Durchsuche gerade das Internet nach Oxley Gin.
    Wo hattest du deinen her?
    Lieben Gruß!

  4. Torben Bornhöft

    Es gibt ihn bspw. bei The Whisky Exchange.

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