Deoch an Doruis: Glenmorangie

Berichte über illegale Whiskyherstellung in der Gegend um Tain reichen bis in die Zeit um 1700 zurück. Aber erst 1843 gründeten die Brüder Matheson hier auf dem Gelände einer ehemaligen Bierbrauerei mit zwei gebrauchten, 5,18 Meter hohen Ginbrennblasen aus London eine Destillerie, die sie Glenmorangie, Tal der Ruhe, nannten.

Vierzig Jahre später wurde die Brennerei komplett neu errichtet. Die alte Destillerie war offenbar in einen erbarmungswürdigen Zustand. So berichtete der Whiskyhistoriker Alfred Barnard in seinem 1887 erschienenen Buch ‚The Whisky Distilleries of the United Kingdom‘, dass ihm Glenmoragnie während seines Besuches 1880 als die älteste und primitivste der 161 Destillerien vorgekommen sei, die er auf seinen Reisen durch die Whisky-Welt besucht hatte. Doch ganz sicher wird auch die Erhöhung der Produktionskapazität ein Grund für diese einschneidende Maßnahme gewesens ein, denn bereits 1880 wurde Glenmorangie nach Italien und die USA exportiert. Glenmorangie

Im Jahr 1887 wurde die Glenmorangie Distillery Co. Ltd. gegründet. In der Hand der Familie Matheson blieb die Brennerei bis 1918, als MacDonald & Muir das Unternehmen nach einer durch den Ersten Weltkrieg bedingten Produktionsschwäche übernahm.

Von 1931 bis 1936 aufgrund der Weltwirtschaftkrise und von 1941 bis 1944 während des Zweiten Weltkrieges ruhte der Betrieb.

Durch den Erfolg des Glenmorangie nach dem zweiten Weltkrieg mussten die Produktionsanlagen mehrmals vergrößert werden, 1980 wurden zwei neue Brennblasen installiert, und 1990 vier – so dass heute mit insgesamt acht Brennblasen produziert wird. Es wurden aber immer wieder die ursprünglichen, besonders hohen Brennblasen nachgebaut, da man sich bewußt war, dass anders gebaute Brennblasen den Charakter des Glenmorangie verändern würden.

Seit Oktober 2004 gehört das Unternehmen zur Gruppe Moët Hennessy Louis Vuitton S. A. (LVMH), die den Anteil der Familie McDonald übernommen hat. Nach 161 Jahren zog sich die Familie aus dem Whiskygeschäft zurück. Heute gehören zur Glenmorangie PLC neben der eigentlichen Brennerei in Tain noch die Brennerei Ardbeg (1997 übernommen) auf Islay. Die 1920 übernomme Brennerei Glen Moray wurde im September 2008 verkauft.

Ein Grundsatz der Brennerei ist bis heute erhalten geblieben: Es sollen immer genau 16 Mitarbeiter bei Glenmorangie beschäftigt sein, die 16 Men of Tain. Das bezieht sich in neuster Zeit allerdings nur noch auf die tatsächlichen Hersteller im Brennprozess, insgesamt sind in der Destillerie etwa 90 Menschen beschäftigt, z.B. im Lager, im Laden und der Verwaltung. Außerdem ist inzwischen einer der „16 Men of Tain“ eine Frau.

Glenmorangie legt besonders viel Wert auf seine Holzfässer. So besitzt die Destillerie eigene Eichenwälder in den Ozark Mountains in Missouri, USA um den Nachschub von qualitativ hochwertiger Eiche zum Bau der Fässer zu sichern. Die aus den Bäumen geschnittenen Dauben werden mindestens 24 Monate an der Luft getrocknet, und nicht wie andere in Trockenkammern schnellgetrocknet. Die Fässer werden dann zunächst an amerikanische Bourbon-Destillerien verliehen und dort vier Jahre für die Lagerung von Bourbon-Whisky verwandt, bevor sie nach Schottland kommen, um sie dort weiterzuverwenden. Zudem verwendet Glenmorangie für einige Whiskys ein Woodfinishing, d.h. die Whiskys werden vor der Abfüllung für einige Monate in speziellen Fässern gelagert: Der Quinta Ruban in ehemaligen Portweinfässern, Nectar d`Or in ehemaligen Sauternes-Barriquefässern und der Lasanta in ehemaligen Olorosofässern. Dr. Bill Lumsden, der Master Distiller, begründet diesen hohen Aufwand wie folgt: „Wir glauben, dass 60% des Whiskygeschmacks durch das Holz bestimmt werden.“

Glenmorangie „The Original“ Single Malt Whisky, 10yo, 40% vol.
Farbe hellgolden
Nase Mild und fruchtig, floral. Ein wenig Vanille
Gaumen Sehr cremige Textur, nussig, süsslich
Abgang Würzig und ganz leicht rauchig.

Nach meiner Einschätzung ist es nicht verwunderlich, dass Glenmorangie und allen voran der am häufigsten abgefüllte Zehnjährige der meistgetrunkene Whisky Schottlands, Nummer Zwei im UK und Platz Drei in der Welt ist. Glenmorangie ist ein leichter Whisky aber von komplexem Charakter.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

2 Kommentare

  1. Hallo Oliver,

    ja, der Glenmorangie ist aus meiner Sicht auch einer der besten „Standard“ Whiskies, guter Artikel!

    Kurze Anmerkung: In der Tabelle relativ weit unten kann man die Überschrift kaum lesen (grau auf ocker).

    LG
    Freddy

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