Deoch an Doruis: Clynelish

Die Geschichte der Clynelish Destillerie, nahe dem kleinen Ort Brora an der schottischen Ostküste, ist bewegt und auch vertrackt.

Die ursprüngliche Clynelish Destillerie wurde 1819 von George Granville Levison-Gower, dem zweiten Marquis of Stafford und späterem Duke of Sutherland, gegründet. Dieser verpachtete sie 1821 an James Harper, 1834 an Andrew Ross und 1846 an George Lawson. James Ainslie & Co., eine Blending-Company aus Glasgow, erwarb die Brennerei 1896. Schon 1912 wurde sie aber weiterveräußert, an John Risk und an die Distillers Company Limited (DCL). Letztere übernahm ab 1925 Clynelish vollständig und übergab sie 1930 an eine Tochtergesellschaft der DCL, den Scotish Malt Distillers (SMD).

Von März 1931 bis September 1938 sorgten die Turbolenzen der Weltwirtschaftskrise für die Schliessung derClynelish Destillerie. Aufgrund des zweiten Weltkrieges kam es vom Mai 1941 bis November 1945 zu einer erneuten Stillegung.

Bis hierher war die Geschichte von Clynelish eher bewegt – jetzt wird sie kompliziert. 1967 wurde eine neue Destillerie (Clynelish B) von SMD direkt neben der alten Destillerie ( Clynelish A ) erbaut. Nun kann man lesen, die alte Brennerei wäre im Mai 1968 eingemottet worden und noch bis 1975 geschlossen gewesen. Eine andere Version lautet aber, dass bereits im April 1969 die Produktion wieder angefahren und um Verwirrungen zu vermeiden die alte Destillerie in Brora umbenannt wurde.  Der heutige Eigentümer Diageo scheint sich selber nicht mehr ganz sicher zu sein.  In einer Pressemitteilung zum Release des Brora 30yo liess der Konzern verlauten, dass  die Brennerei  von 1968 bis 1975 geschlossen war – und doch kam 1995 ein Brora Rare Malts Selection 1972 auf den Markt…

Mir erscheint es wahrscheinlicher, dass Clynelish A unter dem Namen Brora von 1969 bis 1983 einen wesentlich stärker getorften Whisky als den Clynelish produzierte.

Seit 2005 ist der Clynelish in Diageo’s Classic Malts Selection vertreten.

Clynelish Single Malt Whisky 14yo, 46% vol.
Farbe goldgelb
Nase frisch, Honignoten, etwas Rauch
Gaumen malzige Süsse, Salz und Gewürze, fruchtig
Abgang Langanhaltend, rauchig, süss

Ein sehr schöner Malt, durchaus lohnenswert. Nun hatte ich aber vergangenes Wochenende die Gelegenheit, beim Whisky & Dine den Clynelish 12yo Friends of the Classis Malts Botteling zu probieren. Dieser ist natürlich etwas teurer, doch erhält man für etwa fünfzehn Euro mehr einen Malt, der mich wirklich begeistert hat. Zugegeben, es ist nicht ganz fair, diese Abfüllung hier zu erwähnen, habe ich doch bei allen anderen Destillen ausschliesslich die Standardabfüllungen vorgestellt. Sei’s drum: hier meine Notizen zu diesem Whisky :

Clynelish Single Malt Whisky 1996, Friends of the Classic Malts Botteling, 12yo, 46% vol.
Farbe Sauternes
Nase fruchtig, Rosinen, Pflaume, Holznoten, Sherry
Gaumen Cremig, mild, anfängliche Süsse, die dann von pfeffrigen Tönen abgelöst wird
Abgang Langanhaltend, würzig, leichte Rauchnoten

Dieser sherryfassgelagerte Malt hat mir sehr, sehr gut gefallen, daher spreche ich meine absolute Empfehlung aus.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

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