Bars in Boston

Boston

Was kann man von einer Stadt erwarten, die lange Zeit einer der größten Exporthäfen von Rum für die ganze Welt war? Was kann man von einer Stadt erwarten, nach der das wohl wichtigste Barutensil benannt ist? Und in der im Jahre 1919 auf tragische Weise 21 Bewohner und hunderte Pferde in zur Produktion von Rum benötigten 7 Millionen Liter Molasse ertranken, nachdem der Behälter explodierte?

Viel möchte man meinen, und diese Erwartungen wurden wohl bestätigt. Die Cocktailszene ist reichhaltig, hochklassig und keineswegs Subkultur. Ein Streifzug.

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In einer Nebenstraße in Cambridge zwischen den Eliteuniversitäten Harvard und MIT gelegen, zeugt nur das Neonschild von diesem Restaurant und Bar. Die zehn Plätze an der Bar waren schon belegt, als wir eintrafen. Sonntags abends um sieben sicherlich kein schlechtes Zeichen.

Das Barmenu überzeugt. Klassiker sind nicht darauf zu finden, was mich stutzen lässt. Die Drinks sind modern, aber hochklassig. Man findet den Earl Grey Marteoni, mit Earl-Grey-Infused Tanqueray und Eiweiß, oder den Corazon, einen erstaunlich guten Rum-Cocktail mit 15jährigem Ron Matusalem Rum und hausgemachtem Himbeersirup. Und es erwartete mich eine Überraschung. Der „Dèjá-vu in Delhi“. Was vom Namen her wie der allerschlimmste Griff in die Erdbeer-Maracuja-Kiste klingt, stellt sich als ein Drink aus Old Monk, St. Germain, Limettensaft und Tiki Bitter heraus. St. Germain und Rum? Ja! Der werte Leser stelle sich einen Mai Tai in einem Martiniglas vor; komplex und leicht zugleich.

Und wer sich aus dem Barmenu nicht entscheiden kann, der kann immer noch das „Extended Cocktail Menu“ bestellen. Darin finden sich über 100 Cocktails, und auch viele Klassiker wie der Pink Daisy, der Monkey Gland oder der Clover Club.

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Drink

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Irgendwie kommt einem das alles bekannt vor. Nur ein kleines Schild an der Tür. Eine Homepage, die mehr Fragen offen lässt als beantwortet. Klingt eigentlich wie die nette Speakeasy Bar um die Ecke. Doch „Drink“ ist anders.

Drink liegt in einem Industriegebiet. Und Drink zelebriert diesen Stil. Kalter, unverputzter Naturstein und rote Backsteine. Ein Barmenu bestehend aus ein paar Cocktailnamen in weißen Lettern auf einer schwarzen Tafel. Aluminiumstühle und ein Tresen aus heller Buche, der eigentlich den gesamten Raum einnimmt. Ein weiterer Unterschied: Es ist hell, es ist laut und gelegentlich wird man von Passanten beobachtet, die durch die Fenster in das Souterrain hineinblicken. Der ganze Raum schreit nach Kommunikation, um der Bar Leben einzuhauchen. Und so ist es auch der Bartender, der nach einem Gespräch entscheidet, welcher Drink es denn werden soll. Und der Barkeeper versteht sein Geschäft. Der Signature Drink: „Fort Point“, (6 cl Rye,  0,75 cl Bénédictine und 1,5 cl  Punt e Mes) ensprach exakt meinen Erwartungen. Auch meiner Begleitung einen hervoragenden Drink vorzuschlagen, der von Campari dominiert war, ohne dass sie diese Zutat erwähnte: Chapeau! Bestimmt kein Drink, den man jedem Gast aufschwätzt.

Was bleibt also von Boston? Eine liebenswerte, sehr europäische Stadt und eine weit entwickelte Cocktailszene, die längst nicht mehr Subkultur ist.

P.S: Eine gute Gelegenheit zum Kauf seltener Bitter (Scrappy’s, Urban Moonshine, Fee, Stirrings Blood Orange, u.a.) sowie zahlreicher weiterer sorgfältig ausgewählter Utensilien ergibt sich im: „Boston Shaker“.

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Green Street Grill280 Green StCambridge, MA 02139-3312(617) 876-1655

http://www.drinkfortpoint.comDrink348 Congress StBoston, MA 02210-1236(617) 695-1806

www.greenstreetgrill.comThe Boston Shaker69 Holland StreetSomerville, MA 02144-2746www.bostonshaker.com

Daniel Klingenbrunn

Beruflich wandelt er auf David A. Emburys Spuren. Dessen Sour-Verhältnis von 8:2:1 irritiert ihn jedoch immer noch. Seine Aufmerksamkeit gilt American Whiskey, Tequila, Mezcal und allerlei Nischenspirituosen, aber auch Rezepten jenseits der Standards.

1 Kommentar

  1. sanjay

    sehr guter artikel – danke schön

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