Deoch an Doruis: The Speyside

Sehr verwirrende Überschrift heute. Denn dies ist noch nicht die Einleitung für die Region Speyside, deren Whiskys ich ab der nächsten Woche vorstellen möchte. Heute habe ich noch einen letzten originalabgefüllten, d.h. von der Destillerie abgefüllten Single Malt aus den schottischen Highlands, der aber nun mal den gleichen Namen trägt wie eben jene Region.

Bisweilen kennt man sich aber auch wirklich nicht mehr aus. Das liegt sicher daran, dass es keine klare Definition der Region Speyside gibt. In Karten oder Grafiken ist die Region meist mehr oder weniger deckungsgleich eingezeichnet. Doch oft finden sich in Texten ganz widersprüchliche Angaben. So wird zum Beispiel der Tomatin, den ich letzte Woche als einen Highlandwhisky vorstellte, in einem Online-Shop als Speysider angepriesen. Die Tomatin-Destillerie, keine 20 Kilometer südöstlich von Inverness gelegen, ist noch knappe 10 Kilometer westlicher als das Städtchen Nairn, doch ich habe noch keine Karte der Whiskyregion Speyside gefunden, die nicht auf der Höhe von Nairn endete. Zugegeben, die Entfernungen sind nicht groß, und Tomatin liegt wirklich verdammt nahe der Speyside, aber ein Speysider ist der Tomatin deshalb noch lange nicht.

Ab und an kommt sogar die Fachliteratur ins Schleudern. So führt das sonst so anschauliche Buch „Whisky“ aus dem Dorling Kindersley Verlag die Tomatin Destillerie -völlig zurecht- unter der Rubrik Highland, zeichnet sie aber gleichzeitig in einer Grafik ein, die die Destillen der Speyside zeigen soll. Das diese Inkonsequenz zu Verwirrungen führen muss, liegt auf der Hand.

The SpeysideZu dieser Verwirrung trägt nun auch der Speyside Single Malt bei. Nicht nur die Namensgleichheit verwirrt, die Destillerie behauptet auch, ihr Whisky sei ein Speysider. Dabei liegt die Brennerei geographisch nicht in der Speyside-Region, denn sie ist in Tromie Mills bei Kingussie, keine 20 Kilometer nördöstlich von Dalwhinnie, beheimatet. Doch keine Brennerei ist der Quelle des Flusses Spey, der der ganzen Region ihren Namen gab, so nahe wie die Speyside Distillery und dies langt offenbar aus, um den (marketingträchtigen) Namen Speyside zu beanspruchen. Eine in meinen Augen recht fragwürdige Argumentation wenn man bedenkt, dass andere Betriebe wie z.B. Aberlour direkt am Ufer des Flusses Spey gelegen sind.

Doch an Selbstvertrauen scheint es der Destille nicht zu mangeln, ist doch auf jeder Tube und jeder Flasche zu lesen: „The best Whisky in the World“. Na dann, das will überprüft werden.

The Speyside Single Malt Whisky 12yo, 40% vol.
Farbe goldfarben
Nase frisch und trocken, Malz- und Honignoten
Gaumen trocken, wenig Süsse, leichte Raucharomen
Abgang kurz, ziemlich flach,  kaum Aromatik

Nein, das ist vom besten Whisky der Welt sehr weit entfernt. Ich habe schon schlechteres als den Speyside getrunken, doch ist er so charakterlos und nichtssagend, dass ich ihn -gerade ob der Ansage- für eine ziemliche Enttäuschung halte.

Das war er also nun – eben nicht der beste Whisky der Welt, aber der letzte originalabgefüllte Single Malt der schottischen Highlands. Nur einen habe ich unterschlagen: Royal Brackla. Die Originalabfüllungen dieser Destillerie, die erhältlich sind, sind nicht unter dreihundert Euro zu bekommen. Man möge mir verzeihen, dass ich auf diese Anschaffung verzichtet habe 😉

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

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