Deoch an Doruis: Die Speyside

Die Speyside ist eine Region in den schottischen Highlands, entlang des Flusses Spey, in der sich über 50 heute noch produzierende Whiskybrennereien befinden. In meinem letzten Bericht über die Destillerie „The Speyside“, die verwirrender Weise den gleichen Namen wie diese Region trägt, habe ich bereits von der Problematik der klaren Definition der räumliche Ausdehnung dieser Region und dem Umstand, dass offensichtlich verschiedenste Meinungen hierüber bestehen, berichtet. Zuweilen scheint es ein schlichtes, wirtschaftliches Interesse zu geben, noch zur Speyside gezählt zu werden und manchmal scheint eine Destillerie einfach nach dem Motto „Ach, die eine passt auch noch“ auf die Karten der Speyside eingetragen worden zu sein. Die verlässlichste Karte erscheint mir die der SMWS, der Scotish Malt Whisky Society die hier näher betrachtet werden kann.

whisky distillery
Bevor ich damit beginne, die Whiskys der Speyside vorzustellen, erscheint es mir lohnend, diese Region einmal genauer zu betrachten. Schliesslich befinden sich hier ein gutes Drittel aller schottischen Destillerien. Alles, was für die Whiskyproduktion nötig ist, ist hier vorhanden: Wasser, Gerste, Torf. Neben dem Fluss Spey fließen noch etliche andere Flüsse in dieser Region, unter anderem der Livit und der Avon und sorgen so für ausreichend Wasser für die Produktion. Doch das Wasser sorgt auch noch in vielen Speyside-Whiskys für den Torf. Die Flüsse fliessen durch die Moore der Region und bringen so den Torf in den Whisky. Nur wenige Speyside-Destillerien verwenden über Torffeuer getrocknetes Malz.

whisky

Als weiteren guten Grund gibt es anzuführen, dass die Whiskybrenner vor dem Act of Excise, mit dem die Whiskyproduktion aus der Illegalität herausgeholt wurde, eher das Bedürfnis nach Abgeschiedenheit und schwerlicher Erreichbarkeit ihrer Produktionsstätten hatten, doch nach der Legalisierung war es genau das Gegenteil. Die Speyside war verkehrstechnisch bestens erschlossen, denn nicht nur über das Meer sondern auch per Eisenbahn konnten die Produkte den Konsumenten näher gebracht werden. Zu dieser Zeit sprach man übrigens noch nicht von der Speyside, sondern die ganze Region wurde wie die erfolgreichste Destillerie der Gegend genannt: Glenlivet. Der Whisky erwarb sich einen so guten Ruf, dass andere Whiskydestillerien der Umgebung ihren Namen dem Eigenen anhingen und sich z.B. Macallan-Glenlivet nannten. Eigentümliche Weise vom Ruhm anderer zu profitieren..

Die ungekrönte Whisky-Hauptstadt der Region ist Dufftown, die mit nicht weniger als sieben Destillerien in unmittelbarer Nähe aufwarten kann. Diese hohe Konzentration vieler Brennereien auf wenig Raum macht es nun auch notwenig, die in den nächsten Monaten folgenden Artikel über die Whiskys der Speyside anders zu planen. Während ich bisher auf meiner virtuellen Reise durch die Whiskywelt das schottische Highland meist von Süden nach Norden gewandert bin, scheint mir die einzig sinnvolle Reihenfolge in der Speyside die alphabetische zu sein.

Daher wird der erste Speyside der Aberlour sein. Wenn auch nicht nächste Woche, sondern erst in der ersten Woche des neuen Jahres, aber wie immer am Mittwoch. Bis dahin !

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

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