Deoch an Doruis: Aberlour

Über das Gründungsdatum der Aberlour-Brennereien kann man unterschiedliche Versionen lesen. Zunächst die Offizielle: Auf den Flaschen ist zu lesen, die Destillerie wurde 1879 gegründet. Zu dieser Zeit hat ein gewisser James Fleming eine zerstörte Destillerie ein paar hundert Meter versetzt und am Bach Lour, nur wenige Meter von den Ufern des Flusses Spey enfernt, wieder aufgebaut.

Die Aberlour Destillerie, fotografiert 2005 von Y. Kohno

Die Aberlour Destillerie, fotografiert 2005 von Y. Kohno

Die ursprüngliche Destillerie wurde bereits zwischen 1825 und 1826 gegründet – auch hier sind sich die Quellen nicht einig. Diese Gründung geht auf James Gordon und Peter Weir zurück, die aber offensichtlich nicht besonders viel Glück hatten und so scheiterte diese Unternehmung bereits 1833. Die Destillerie wurde von den Brüdern John und James Grant übernommen. Der Tatsache, dass John und James, nachdem der Pachtvertrag für die Aberlour-Destillerie 1840 auslief, im etwa acht Kilometer entfernten Rothes eine neue Brennerei bauten, verdanken wir heute die Glen Grant Destillerie.

Doch zurück zu James Fleming, der mit den Erfahrungen der bereits vierzehn Jahre andauernden Pacht der Dailuainne-Destillerie die Aberlour-Brennerei an der heutigen Stätte wieder aufbaute. Diesem ist auch der noch heute gültige, offizielle Name zu verdanken: Aberlour Glenlivet. Wie ich schon im letzten Artikel andeutete, hat diese Namensgebung nur indirekt mit der Glenlivet-Brennerei zu tun. Glenlivet hatte sich einfach nur einen so guten Ruf erworben, dass andere Destilllerien ein Scheibchen davon abhaben wollten und den Namen Glenlivet dem ihren als Appendix anfügten. Doch noch heute ist dies der offizielle Name der die Aberlour-Destillerie betreibenen Company.

Ein Feuer im Jahr 1898 zerstörte einen großen Teil der Gebäude und musste wieder einmal neu aufgebaut werden. Die Planung dieses Neubaus übernahm der Architekt Charles C. Doig, der mit seinem neuartigen Konzept, die Dächer der Destillerien mit Pagoden zu krönen so viel Erfolg hatte, dass er nicht weniger als 56 Destillerien erbaute.

Von 1917 bis 1919 ruhte die Produktion bei Aberlour wie in so vielen anderen Destillerien auch, um aus Gerste statt Whisky Nahrungsmittel zu produzieren. 1921 wird die Brennerei von W.H. Holt & Sons gekauft, die diese für etwa zwanzig Jahre betreiben. Nachdem erneuten Ruhen der Produktion während des zweiten Weltkrieges übernimmt 1945 die Firma S. Campbell & Sons Ltd. die Brennerei. Ganz im Trend der Zeit entschliesst sich auch Aberlour 1960 die eigenen Mälzböden zu schliessen und kauf fortan ungetorftes Malz von unabhängigen Mälzerein zu. 1973 wird die Kapazität auf vier Stills verdoppelt. 1974 wird S. Campbell & Sons Ltd. von Pernod Ricard übernommen und somit wird der nach Diageo zweitgrößte Spirituosenkonzern der Welt auch Eigentümer der Aberlour Destillerie.

Aberlour Single Malt Whisky 10yo, 43% vol.
Farbe goldgelb
Nase trocken, frisch, fruchtig. Karamell- und Honignoten
Gaumen süß, würzig, milde alkoholische Schärfe. Äpfel, getrocknete Aprikosen und Honig
Abgang Langanhaltend, wärmend, deutliche Apfelnoten.

Die Fruchtigkeit dieses Aberlour hat mich beeindruckt. Ein Whisky, den man einmal probiert haben sollte.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

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