WeinZeit: Weihnachtsweine

Die Festtage sind ja bekanntlich Zeit des guten Essens und selbstverständlich wird zu diesem Anlass auch manche Flasche geköpft, die sonst eher verschlossen bliebe. Auch ich hatte zu Weihnachten die Gelegenheit einige tolle Tropfen zu verkosten und möchte euch diese natürlich nicht vorenthalten.

Der Auftakt:

2007er – St. Antony – Ölberg – Riesling

Das Trinklaune-Team hatte bereits im Oktober 2009 die Gelegenheit einen Wein von St. Antony zu probieren. Damals genossen wir den 2007er – Orbel – Riesling. Entsprechend hoch waren also die Erwartungen an den Riesling aus der Lage Ölberg, zumal diese den Ruf hat noch besser strukturierte Rieslinge hervorzubringen und der Wein im EK mit 22 Euro deutlich teurer ist als der Orbel für 15 Euro.  Farblich offenbarte er sich in einem relativ hellen gold-gelb mit grünen Reflexe. In der Nase zeigten sich Noten von Pfirsich, grünen Bananen und Honig gepaart mit einem Hauch Thymian. Weißer Pfirsich umspielte den Gaumen, eine fein eingebundene Säure machten den Geschmack sehr ausgewogen. Auch seine 13%vol. wusste der Wein gut zu verstecken – Kräuternoten dominierten den Abgang. Fazit: Der Wein wirkte durch die Kräuternoten etwas erwachsener als sein Kollege aus der Lage Orbel. Ein großer deutscher Riesling, der auch sicherlich in 5 Jahren noch Spaß macht.

1996er – Chateau Maugey – Le Jean-Marc

Dieser Bordeaux, aus dem Weißweingebiet Entre-deux-Mers, machte schon beim entkorken Bock. Ein 5,5 cm langer Naturkork weckte die Lust auf mehr und zeugt von dem Qualitätsbewusstsein des Winzers Jean-Marc Maugey. Dieser baut auf seinem kleinen Chateau rein biologisch an und vergärt die Weine nach klassischer Art mit Stielen. Hierbei verzichtet er auf moderne Kellertechniken. Bei den Rebsorten setzt er größtenteils auf Merlot. Im Glas deutete schon die satte, tiefrote Farbe auf einen großen Bordeaux hin. In der Nase wird diese Intensität mit Aromen von dunklen Brotkrumen, Pflaumen, Vanille, Brombeeren und Rosmarin bestätigt. Am Gaumen ist der Barrique-Ausbau sehr dezent und angenehm wahrnehmbar. Der Wein wirkt sehr samtig, zeigt reife Noten von Tabak und dunklen Früchten. Im Abgang paaren sich diese Aromen mit Kräuternoten. Ich durfte ihn zu einer gebratenen Perlhuhnbrust mit Sauce Périgordine geniessen und kann diese Kombination nur weiterempfehlen. Fazit: Ein relativ unbekannter Bordeaux, mit wahnsinnigem Potential! Im Jahr 2001 konnte sich die Cuvée Jean-Marc bei Blindverkostungen bereit zwischen den berühmten ersten Gewächsen des Bordelais platzieren.
Dieses Weingut sollte man unbedingt im Auge behalten und der 1996er macht sicherlich auch noch in 20 Jahren Spaß.

1995er – Elio Grasso – Gavarini „Vigna Chiniera“ Barolo

Wein Nr.3 stammt von dem in Monforte d’Alba gelegenen Weingut Elio Grasso, welches über nur vierzehn Hektar Weinbaufläche verfügt. Das familiengeführte Unternehmen produziert, neben anderen Tropfen wie etwa Barbera und einem Chardonnay, insgesamt drei verschiedene Barolos. Dabei werden den Gavarini „Vigna Chiniera“ sowie der Ginestra „Vigna Casa Maté“ traditionell in slowenischen Eichenfässern gereift, wohingegen der Rüncot ein moderner in Barrique gereifter Wein ist. Nach einigen Totalausfällen Anfang der 90er Jahre, in denen kein Barolo produziert wurde,  folgte eine Serie hervorragender Jahrgänge, angefangen von 1995, 1996, 1997, 1998, 1999, 2000 bis 2001.

Der 1995er hatte eine blutrote Farbe die bereits leichte Brauntöne zeigte. In der Nase dominierte Holz , umgeben von Pflaumen, leicht rosinig und würzig. Diese Aromatik spiegelt sich ebenfalls am Gaumen wieder: Eine enorme Kraft kombiniert mit getrockneten Kräutern die sich auch im langen und intensiven Abgang zeigte.

Fazit: Ein Power-Wein der einen dementsprechenden Gegenpart braucht. Ein Crêpinette vom Rinderfilet mit Barolo-Pfeffersauce und gebratenem Semmel-Pilzknödel bot diese Gegenkraft.

2006er – Reichsrat v. Buhl – Forster Ungeheuer – Riesling Auslese

Den Abschluss bildete eine Riesling Auslese aus Deidesheim in der Pfalz. Das renommierte Weingut Reichsrat von Buhl ist neben hochqualitativen Winzersekt, besonders für seine Weiß- und Süßweine bekannt. Über seine Süßweine sagt das Gut selbst: Ein großer Wein aus dem Weingut Reichsrat von Buhl ist hier und heute eine 1921er Riesling Trockenbeerenauslese.

Hier und heute hat mir die 2006er Riesling Auslese sehr viel Freude bereitet.  In der Farbe erinnerte er an weißen Tee und zeigte dann reife Ananas-, Apfel- und Bananennoten an der Nase. Am Gaumen gesellten sich noch Honig und eine komplexe Säurestruktur hinzu. Der Abgang war spritzig und frisch.

Fazit: Auch wenn dieser Wein seine besten Jahre noch vor sich hat (bestimmt bis 2030 gut trinkbar), machte seine jugendliche Spritzigkeit einfach Spaß und erkor ihn zum idealen Begleiter von Quark-Vanillecreme auf Kompott von Zitrusfrüchten mit weißem Kaffeeparfait. Wer Lust auf den Wein hat, kann ihn für 14,50€ in der 0,375l Flasche online beim Kölner Weinkeller erwerben.

Mein Fazit: Weihnachten hat vinophil gesehen mal wieder richtig Spaß gemacht und hatte mit dem Chateau Maugey eine riesige Bordeaux-Überraschung dabei. Auch wenn alle Weine zu überzeugen wussten, würde ich das Geld für den Elio Grasso doch lieber in eine Flasche Chateau Maugey stecken. Ansonsten bleibt mir nur zu sagen: Ich hoffe ihr hattet ebenfalls genussvolle Festtage und ich freue mich schon auf die nächste Weihnachtszeit!

Robin Stein

Robin Stein, Jahrgang 1987, ist studierter Lebensmitteltechnologe und der Jüngste im Team. Sein Weg führte ihm nach dem Abitur 2006 über ein viermonatiges Praktikum in Pusser's New York Bar in München nach Bergisch-Gladbach, wo er eine Ausbildung als Hotelfachmann im Schlosshotel Lerbach absolvierte. Seine persönlichen Honigfallen sind Champagner, Obstbrände, Wein und Whisk(e)y.

2 Kommentare

  1. Ich habe mir Weihnachten mit ein bisschen Würzburger Stein und anderen Frankentropfen versüßt.

    Vor allem auf den Bordeaux habe ich nach dem Lesen richtig Bock!

    Grüße
    Jonas

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