Deoch an Doruis: Ardmore

Die Ardmore-Destillerie ist ein Grenzfall und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Sie liegt so nahe der idiellen Grenze zwischen Speyside und Highland, dass die Quellen sich nicht einig zu sein scheinen, ob es sich nun um einen Highlander oder um einen Speysider handelt. So liest man bei Charles Maclean, dass der Ardmore ein Highland-Malt sei, bei Jim Murray ist es ein Speysider und der 2007 verstorbene Whiskyexperte und Buchautor Michael Jackson wollte sich nicht festlegen. Er schrieb von der Destillerie „on the eastern edge of Speyside“ – für mich noch kein klares Votum. Auch im Internet kein einheitliches Bild: Die deutsche Wikipedia plädiert für Speyside, die englische für Highland. Der englische Whisky-Onlineshop The Whisky Exchange für die Speyside und der deutsche Whisky24 gar für Highland und Speyside zugleich …

Diese Aufzählung läßt sich noch um diverse Meinungen erweitern, ich aber habe mich entschieden, die Ardmor-Destillerie der Region Speyside zuzuordnen. Diese sehr schöne Karte der schottischen Whiskywelt unterstreicht hoffentlich meine Entscheidung: Die 1898 erbaute Ardmore-Brennerei liegt dem Kerngebiet der Speyside so nah, dass man meines Erachtens guten Gewissens von einem Speysider sprechen kann.

Die Destillerie wurde von dem schon damals sehr erfolgreichen Whiskyblender Teachers & Sons gegründet. Der 1884 eingeführte Teachers Highland Cream erfreute sich zum Ende des neunzehnten Jahrhunderts eines solchen Zuspruchs, dass eine neue Produktionsstätte notwendig wurde, um diese Nachfrage zu befriedigen. Die Ardmore-Destillerie war das erste Projekt der Familie Teachers in der Whiskydestillation. Benannt wurde diese neue Destillerie nach dem Stammsitz der Familie Teachers an der Westküste.

Die Brennerei hat eine vergleichsweise ruhige Geschichte und blieb lange im Besitz der ursprünglichen Gründer. Erst 1976 wurde Teacher’s und damit auch Ardmore von Allied Brewers übernommen und seit 2005 gehört die Ardmore-Destillerie zu Fortune Brands Inc. und fand somit einen Platz unter dem Dach von Beam Global, doch die Gründerfirma Teachers & Sons ist noch bis Heute der Lizenznehmer.

Trotz Modernisierungen und Erweiterungen in den Jahren 1955 und 1974 behielt die Brennerei bis 2002 die Methode bei, die Brennblasen direkt mit Kohle zu befeuern und war damit eine der letzten Destillerien, die dies noch so betrieben. Glenfiddich stellte die direkte Befeuerung in etwa zur gleichen Zeit von Kohle auf Öl um und nur Glendronach verwendet heute noch Kohle.

Da die Ardmore-Destillerie noch bis heute hauptsächlich dem Zweck dient, Whisky für den Teacher’s-Blend zu produzieren, gibt es nur eine einzige offizielle Single Malt Abfüllung aus der Brennerei: den Traditional Cask (ohne Altersangabe). Als erste Eigentümer-Abfüllung überhaupt wurde zum hundertsten Geburtstag der Brennerei der 21 Jahre alte Centenary abgefüllt, der ursprünglich mit den Unterschrift des Managers für Mitarbeiter von Allied bestimmt war, aber nun zu Preisen um 350,00 Euro auch zu erwerben ist. Für den 2007 erschienenen Ardmore Traditonal Cask wird getorftes Malz mit für die Speyside recht ungewöhnlichen 12-14ppm Phenol verwendet. Dieser Whisky reift dann zunächst in Ex-Bourbon-Fässern – die gemeinsame Zugehörigkeit zu Beam Global legt nahe, dass es sich um ehemalige Jim-Beam-Fässer handelt – und dann in neuen sogenannten, wesentlich kleineren Quarter-Casks.

Ardmore Traditional Cask Single Malt Whisky, ohne Altersangabe, 46% vol.
Farbe Goldgelb
Nase Trocken, torfig, würzig, Honignoten
Gaumen Cremig, unaufdringliche Torfaromen, malzig-süsslich
Abgang Lang, rauchig, Torf.

Ein toller Whisky! Er hat die Süsse und die Eleganz eines Speysiders und überrascht doch mit seiner gänzlich unaufdringlichen Torfigkeit. Will man sich mit dem Torf vertraut oder langsam an die Torfmonster heranarbeiten, dann empfehle ich den Ardmore als Einstieg. Und für jeden Liebhaber getorftert Malts ist er eine herrliche Ergänzung und Abwechslung. Wie auch immer: Dieser Whisky macht einfach nur Spass !

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

Dionysos

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