Dionysos

Das Fest oder Apollon und Dionysos

Ordnung ist das halbe Leben, behauptet der Volksmund.
Okay, das halbe Leben. Was aber ist die andere Hälfte? Etwa das Chaos?
In der Kulturgeschichte wird gerne ein anderes Begriffspaar benutzt.
Nach Friedrich Nietzsche bildet unsere Kultur, auch unsere Trinkkultur eine Verbindung von zwei Prinzipien, die durch die alten griechischen Götter Apollon und Dionysos symbolisiert werden.

Harmonisch ausgeglichen und berauschend maßlos

Apollo steht für das Schöne, das Reine, das Helle, die Ordnung und sowie Haltung und Selbstbeherrschung. „Nicht zu viel, halte das rechte Maß“, sagt Apollon. Er ist Symbol für die Vernunft, das Denken, den Verstand, die Kontrolle.
Apollon ist ein nüchterner Geist.

Dionysos - feucht, fröhlich...

Dionysos – feucht, fröhlich…

Sein untrennbarer Gegenpart ist der lustvolle Dionysos. Der Gott des Weins, des Rausches,
Er ist chaotisch, unberechenbar, zügellos und außer Kontrolle… Er steht symbolisch für
das Selbstvergessene, Ausbrechende, Orgiastische und Dunkle.
Dionysos Weg endet oft in der Tragödie und im Untergang.

Wo Apoll denkt, fühlt Dionysos, steht der eine für das Bewusstsein, so der andere für den Instinkt. Wirkt Apollon koordinierend, ist Dionysos subordinierend.

Diese scheinbaren Gegensätze kennen wir alle. Sie prägen das Leben, die Kultur und auch das Fest.
Der Buchstabe Eszett wiederum ist die sichtbare, Buchstabe gewordene Verschmelzung
dieser beiden sich ergänzenden Prinzipien, dem apollinischen und dem dionysischen Prinzip.

„Das bipolare Begriffspaar apollinisch-dionysisch beschreibt zwei gegensätzliche Charakterzüge des Menschen und bedient sich dazu der den griechischen Göttern Apollo und Dionysos zugeschriebenen Eigenschaften. Hierbei steht apollinisch für Form und Ordnung und dionysisch für Rauschhaftigkeit und einen alle Formen sprengenden Schöpfungsdrang.“ Wikipedia

Das eine kann es nicht ohne das andere geben.
Der Anfangsbuchstabe A wie Apollon erinnert daran, dass Ausgelassenheit und Ausschweifung in Anwesenheit des Anstandes geschehen sollte.
Apollon und Dionysos sind göttliche Brüder und beide Patrone des Festes – Mit leichten Vorteilen für Dionysos….

Der Anhauch des Wahnsinns

„Ein Fest ist ein gestatteter, vielmehr ein gebotener Exzess, ein feierlicher Durchbruch des Verbotes. Nicht weil die Menschen infolge einer Vorschrift froh gestimmt sind, begehen sie Ausschreitungen, sondern der Exzess liegt im Wesen des Festes, die festliche Stimmung wird durch die Freigebung des sonst Verbotenen erzeugt“
Sigmund Freud in „Totem und Tabu“

Nietzsche ergänzt: „Im Fest ist einbegriffen: Stolz , Übermut, Ausgelassenheit, der Hohn über alle Art Ernst und Biedermännerei“. – Auf den Punkt bringt es schließlich Josef Ilensee, wenn er schreibt: „Zum Fest gehört der Anhauch des Wahnsinns“ – Das gefällt mir…

Dionysos

Dionysos / Bacchus

Berauscht oder benebelt

Wohin es allerdings führt, wenn man nur Dionysos folgt ohne Apollon zu beachten, zeigt wieder mal der Philosoph Friedrich Nietzsche auf, wenn er zwischen berauscht und benebelt unterscheidet und damit durchaus gastrosophische Bereiche streift.
Beide Zustände gehören klar in das Reich des Dionysos, aber im Rausch, gleich welcher Art, nimmt man sich und andere noch wahr. Erst der benebelte Zustand beinhaltet das Aufgeben jeglicher Verantwortung.

Hingabe an den Augenblick

Wie auch immer: Das Fest im Zeichen von Apollo und Dionysos bedeutet einfach Hingabe an den Augenblick.
Elias Canetti schreibt in „Masse und Macht“:

„Nichts und niemand droht, nichts treibt in die Flucht, Leben und Genuss während des Festes sind gesichert. Viele Verbote und Trennungen sind aufgehoben, ganz ungewohnte Annäherungen werden begünstigt. Die Atmosphäre für den einzelnen ist eine der Lockerung und nicht der Entladung. … Es gibt kein Ziel, das für alle für alle dasselbe ist und das alle zu erlangen hätten.

Das Fest ist das Ziel, und man hat es erreicht.“

Alchemyst

Alchemyst, geboren in den fünfziger Jahren, studierte Philosophie, Theologie und Pharmazie. Heute leitet er eine öffentliche Apotheke in Norddeutschland. Alchemyst ist nicht selten in Champagnerlaune.

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