Deoch an Doruis: BenRiach

Die Geschichte der Destillerie BenRiach ist schnell erzählt. Das liegt nicht daran, dass es sich um eine so junge Gründung handeln würde, sondern vielmehr daran, dass die Geschichte so große Lücken aufweist. Gegründet wurde die Brennerei 1898 im Örtchen Elgin von John Duff, der hier bereits 1894 die Longmorn-Brennerei gründete. Die beiden Destillen liegen in direkter Nachbarschaft zueinander und so versorgte z.B. die Mälzerei der BenRiach-Brennerei beide Betriebe. Doch bereits 1900, nach nur zwei Jahren, musste Duff BenRiach wieder schliessen. Auch ihm wurde der Pattison-Crash zum Verhängnis.

Die Brüder Robert und Walter Pattison gründeten 1896 in Leith ihre Firma Pattison Ltd. und kauften in großem Maßstab Whisky auf um Blends herzustellen und zu vertreiben. Dies gelang auch anfangs sehr erfolgreich, nicht zuletzt aufgrund der ungewöhnlichen Werbekampagnien. So schickten sie hunderte Papageien an schottische Whiskyhändler, die unentwegt „Drink Pattisons“ riefen. Von ihrem Erfolg beflügelt kamen sie auf die Idee, eine Aktiengesellschaft zu gründen. Es fanden sich zahlreiche Investoren und auch die Banken gaben hohe Kredite. So expandierte ihr Geschäft und sie kauften weiter Whisky in großen Mengen. Es wurden neue Destillerien gebaut und bestehende Brennereien verdoppelten und verdreifachten ihre Produktion.

Als dann die Whiskyproduktion die Nachfrage überholt hatte, platzte die Illusion: Die Brüder wurden zahlungsunfähig. Viele Destillen hatten noch Forderungen für bereits gelieferten Whisky. Einige wurden hart getroffen, konnten aber weiter produzieren und überlebten diese Krise. Andere konnte die Verluste nicht ausgleichen und gingen Konkurs. Ein schönes Zeitdokument zum Pattison-Crash, diesem einzigartigen Ereigniss in der Whiskygeschichte, ist das Radiointerview, dass George S. Grant, Mitglied der berühmten Whiskyfamilie Grant und Vorsitzender bei Glenfarclas für 52 Jahre, 1983 gab.

Doch in der Folge des Pattison Crash gab es auf Profiteure: Die Firma Distillerie Company Ltd. (DCL) kaufte das überbordende Warenhaus der Pattisons für wenig mehr als einem Drittel ihres ursprünglichen Wertes. Durch das Scheitern des größten Konkurrenten würde DCL stärker und konnte zahlreiche in Schwierigkeiten geratene Destillerien übernehmen.

BenRiach aber wurde nicht übernommen, sondern eingemottet. Nur die Mälzerei wurde weiterbetrieben und versorgte weiterhin Longmorn mit Malz. Erst 1965, nach sage und schreibe 65 Jahren, kaufte Glenlivet die alte Destillerie und erweckte sie wieder zum Leben. Die Glenlivet Ltd. und damit auch BenRiach wurde 1977 von Seagram’s übernommen. 2001 ging die BenRiach an Perniod Ricard, die zunächst die Produktion drosselten, aber 2002 die Brennerei erneut einmotteten.

Im April 2004 wurde die Brennerei an die drei Investoren Billy Walker, Geoff Bell und Wayne Keiswetter verkauft und seit September 2004 läuft die Whisky-Produktion wieder normal.

BenRiach Hear of Speyside Single Malt Whisky -ohne Altersangabe- , 40% vol.
Farbe sehr helles Strohgelb
Nase fruchtig, süsslich, Getreidenoten
Gaumen fruchtig, getrocknete Aprikose, etwas floral, anklingende Holztöne, sehr mild
Abgang mild, Getreidenoten, etwas kurz

Der BenRiach Heart of the Speyside ist ein sehr milder, harmonischer Whisky ohne Ecken und Kanten. Für Einsteiger in die Whiskywelt sicher gut geeignet, für Enthusiasten zu verhalten.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

1 Kommentar

  1. Wer einmal in der Nähe der Destillerie ist, sollte dieser unbedingt einen Besuch abstatten. Absolut lohnenswert und spannender als manche „professionelle“ Tour. Allerdings Anmeldung erforderlich 🙂
    http://www.mija.ch/2009/06/05/schottlandreise-37/

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