Deoch an Doruis: Benromach

Die kleine Brennerei Benromach wurde 1898 im Städtchen Forres an der Findhorn Bay, einem fast vollständig vom Land umgebenen Tidebecken am Küstenstreifen der Speyside,  gegründet.

Die Gründerväter waren Duncan MacCallum von der Glen Nevis Distillery auf der Halbinsel Kiltyre nahe Campbeltown, die heute leider nicht mehr existiert,  und F. W. Brickmann, ein Spirituosenhändler aus Leith. Für den Bau engagierten sie niemand geringeren als den erfolgreichen Brennerei-Architekten Charles Doig. Doch bereits nach zwei Jahren kam das Projekt ins Straucheln: Brickmann’s Firma war geschäftlich eng verwoben mit den Pattison-Brüdern, ebenfalls aus Leith, die den unrühmlicher Weise nach ihnen benannten Pattison Crash auslösten. Auch Brickmann geriet in diesen Strudel und ging Konkurs.  Der verbleibende Eigentümer konnte, nun auf sich allein gestellt, erst 1909 Benromach fertigstellen und mit der Produktion beginnen.

Diese lange Zeit ohne Produktion, ohne Einnahmen, fraß MacCallums Liquidität und so musste er Benromach 1911 verkaufen. Vielleicht hätte er dies nicht ganz so schwer genommen, hätte er gewußt, dass 1914 ein Weltkrieg ausbrechen und in  dessen Folge die Destillerie bis 1919 geschlossen bleiben würde. Es folgten noch einige Eigentümerwechsel – zwischenzeitlich war die Brennerei sogar mit den National Distillers of America in ausländischem Besitz- und eine erneute Stillegung der Brennerei von 1925 bis 1937. Letztlich wurde Benromach 1983 eingemottet.

Zehn Jahre später kauften die unabhängigen Abfüller Gordon & Macpheil die dahindämmernde Brennerei und erweckten sie zu neuem Leben. Von 1993 bis 1998 wurde die Destillerie renoviert und es blieb kein Stein auf dem anderen. Bis auf einen Alkohol-Sammerbehälter wurde die gesammte Anlage erneuert. So ging Benromach erst  nach der feierlichen Eröffnung durch Prince Charles am 15.10.1998 wieder in Produktion.

Von Benromach sind noch einige Whiskys erhältlich, die in der Zeit vor Gordon & Macpheil ins Fass kamen, z.B. die 18, 21, 22, 25 und gar 55 Jahre alten Qualitäten. Gordon & Macpheil bringt die selbst produzierten Whiskys (zumindest einen Teil davon) recht jung in die Flasche: Der Benromach Organic ist acht Jahre alt, der Benromach Peat Smoke neun. Ich hatte heute die Standardabfüllung, den fünf Jahre alten Benromach Traditional im Glas.

Benromach Traditional Single Malt Whisky, 40% vol.
Farbe auffallend hell im Glas
Nase torfig, Zitrusaromen, Honignoten
Gaumen sanft auf der Zunge, leichte Süsse, milde Torfnoten, schöne Getreidearomen, rauchig und malzig, würzig.
Abgang Leicht und süss mit dezenten Rauch- und Malzaromen.

Um ehrlich zu sein, hatte ich von diesem Jungspund so viel nicht erwartet und wurde positiv überrascht. Der Benromach Traditional hat nicht die Komplexität und Tiefe eines reiferen Whiskys. Er ist aber ein durch und durch gelungener, frischer, sich leicht erschliessender Whisky, den man gern mal so nebenbei trinken mag.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

Einen Kommentar schreiben