Deoch an Doruis: Cragganmore

Eine Destillerie im abgelegenen Ballindalloch, tief im Süden der Speyside, zu bauen wurde überhaupt erst durch die 1863 fertiggstellte Strathspey-Eisenbahn möglich. Sechs Jahre später gründete John Smith auf dem Anwesen des schottischen Landbesitzers und Politikers Sir George Macpherson-Grant die Cragganmore-Brennerei. Smith war einer der erfahrensten Whiskybrenner seiner Zeit: Bevor er seine eigene Brennerei erbaute, leitete er bereits Macallan, Glenlivet, Glenfarclas und die heute nicht mehr existierende Destillerie Wishaw.

Als John Smith 1886 starb übernahm sein Bruder treuhänderisch den Betrieb bis John’s Sohn Gordon volljährig wurde. Dies war 1893 der Fall. Gordon liess die Destillerie 1901 renovieren und engagierte dazu den Brennereiarchitekten Charles Doig. In der Zeit zwischen Gordon’s Tod 1912 und dem Verkauf der Brennerei 1923 an die White Horse Distillers Ltd. und dem Grundeigentümer Macpherson-Grant wurde sie von Gordon’s Witwe Mary Jane Smith geleitet. Die White Horse Distillers Ltd. wird 1927 von Distillers Company Ltd. (D.C.L) gekauft. Die D.C.L wird nach dem Übernahmegefecht mit Guinness in United Destillers (UD) umbenannt und gehört heute zu Diageo. Der Cragganmore Single Malt wurde 1987 in die Serie der Classic Malts aufgenommen und vertritt dort neben Cardhu, Glen Elgin, Knockando und The Singleton of Dufftown die Speyside.

Die Cragganmore-Destillerie weist eine Besonderheit auf: Ihre Spiritstills sind ungewöhnlich geformt. Die übllichen Schwanenhälse oder Lyne arms sind bei Cragganmore durch flache T-förmige Köpfe ersetzt. Dies führt dazu, dass die Dämpfe, die nicht leicht genug sind, bereits an dieser flachen Oberfläche kondensieren, zurücklaufen und redestilliert werden (Reflux). Auf den Seiten von Theresia Lüning’s The Whisky Store finden sich einige Fotos, die diese eigentümliche Form sehr schön abbilden.

Cragganmore Single Malt Whisky 12yo, 40% vol.
Farbe Goldgelb
Nase frisch, Honig- und Karamellnoten
Gaumen Sehr cremige, seidige Textur,  elegant. Zunächst süßlich und mild, entfaltet sich. Später dezenter Rauch und etwas Gewürze
Abgang Langanhaltend, malzig, noch ein wenig rauchig.

Der Cragganmore weiss zu überzeugen. Seine elegante Cremigkeit hat mir gut gefallen.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

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