WeinZeit: Große Gewächse – Baden (Dr. Heger)

Nach etwas längerer Abstinenz von Großen Gewächsen möchten wir unsere kleine Tour nun in Baden fortsetzten.
Dieses beachtliche Weinanbaugebiet, welches sich über annähernd 300 Kilometer zwischen Badischer Bergstraße im Norden und Bodensee im Süden ausdehnt, verfügt über eine Gesamtanbaufläche von 15906 Hektar. Bestockt sind diese zu 37% mit Spätburgunder, Müller-Thurgau Reben wachsen auf 18% der Rebfläche und auf Platz 3 folgt der Grauburgunder mit 10%.
Weitere Hauptrebsorten die in Baden angebaut werden sind Riesling, Weißburgunder und Gutedel.
Baden, nach Rheinhessen und der Pfalz das drittgrößte Anbaugebiet Deutschlands ist das südlichste der Republik und das Einzige, welches zur Weinbauzone B gehört. Da die Weinbauzonen sicherlich nicht der gängigste Begriff sind, möchte ich sie kurz erklären: Die gesamte Rebfläche in der europäischen Union ist per EU-Verordnung nach klimatischen Kriterien in die drei Hauptzonen A, B und C eingeteilt.
Zur Zone B gehören neben Baden die französischen Weinanbaugebiete Elsass, Lothringen, Champagne, Jura, Savoyen und das Loire-Tal. Da wir uns schon näher mit den klimatischen Bedingungen des Weinbaugebietes beschaffen, wählten wir diesmal einen Wein aus der wärmsten Lage Deutschlands, dem Ihringer Winklerberg aus.
Der Ihringer Winklerberg liegt im Kaiserstuhl, welches wiederum ein Mittelgebirge vulkanisches Ursprungs im Südwesten von Baden-Würtemberg ist. In dieser Lage ist es so warm, dass hier sogar Kakteen wachsen.  Der Ihringer Winklerberg hat eine Gesamtgröße von insgesamt 117,1 Hektar und genau hier liegt sein Problem, bzw. ein Problem ganz Badens.
Leider wurden durch den starken weinbaupolitischen Einfluss, der in Baden generell sehr starken Genossenschaften, viele Lagen zusammengestückelt und so kann die Qualität der Weine aus einer Lage teilweise stark schwanken. Während die Genossenschaften sich durch diese Aktion größere Gewinne erhofften, wurden die Lagen in den internationalen Weinführer teilweise abgestuft. Dies geschah sehr zum Leidwesen der Top-Winzer, welche die ursprünglichen Lagen besaßen bzw. noch besitzen.
Eines dieser Weingüter ist das Weingut Dr. Heger, welches 1935 durch den Landarzt Dr. Max Heger gegründet wurde. Zu unserem Glück sicherte dieser sich damals die Filetstücke des Ihringer Winklerbergs, so dass wir heute in der Lage sind uns einen authentischen Wein aus dieser Lage einzuschenken.

Winklerberg © http://www.heger-weine.de/

Dr. Heger bietet unter seiner „3-Sterne-Kollektion“ Grauburgunder, Riesling und Weißburgunder als Große Gewächse aus dem Winklerberg an. Zu beziehen sind die edlen Tropfen überrings für sehr faire 18,50€ über die offizielle Website des Weinguts.
Wir entschieden uns für den Grauburgunder, da dieser hohe Ansprüche an die Lage stellt, die ihm der Winklerberg bieten kann, und der Riesling als Rebsorte noch sehr bald an anderer Stelle im Blog beleuchtet werden soll.
Der Grauburgunder, welcher vermutlich im Mittelalter durch einen Knospenmutation aus der roten Pinot Noir Rebe enstand rühmt sich damit recht alkoholreiche Weine zu ergeben und in der Tat kommt das GG mit recht wuchtigen 13,5% Vol. ins Glas.

,

2007er Ihringer Winklerberg Grauburgunder “GG” – Dr. Heger
Farbe sanftes Gelb
Nase Aprikosenjoghurt, Banane, Quitte
Gaumen gut eingebundene, jedoch noch recht kräftige Säure, mineralisch, Birne, sehr harmonisch

Abgangausgeprägte mineralische LängeSpeiseempfehlungschreit nach Bouillabaisse, Krustentiere

Ihringer Winklerberg Grauburgunder „GG“ – Dr. Heger

Mein Fazit: Der Wein, welcher in einer toll designten Flaschen angeboten wird, bietet mit seinen 18,50€ ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis. Er ist sehr rund und unkompliziert zu trinken, auch die 13,5% sind gut versteckt, so dass man sich gerne das ein oder andere Glas nachschenkt. Ich konnte beim Trinken jedoch den Gedanken des „Kindsmordes“ nicht aus dem Kopf bekommen, denn auch wenn der Wein schon gut trinkbar ist, glaube ich er zeigt sein volles Potenzial erst in 2-3 Jahren. Daher würde ich vorschlagen sich ein paar Flaschen zu kaufen, so lange es sie noch günstig gibt und ersteinmal einzulagern.

Robin Stein

Robin Stein, Jahrgang 1987, ist studierter Lebensmitteltechnologe und der Jüngste im Team. Sein Weg führte ihm nach dem Abitur 2006 über ein viermonatiges Praktikum in Pusser's New York Bar in München nach Bergisch-Gladbach, wo er eine Ausbildung als Hotelfachmann im Schlosshotel Lerbach absolvierte. Seine persönlichen Honigfallen sind Champagner, Obstbrände, Wein und Whisk(e)y.

5 Kommentare

  1. Hallo, interessante Notiz zu einem großen Gewächs, aber bei einem GG erwarte ich dann doch etwas mehr als rund und umkompliziert. Heger macht sicher gute bis sehr gute Weine, mir sind sie aber zu mainstreamig geworden, ich würde dir mal vorschlagen, Arndt Köbelin in Eichstetten zu probieren. Der hat beim Grauburgunder Symposium 2008 in Endingen Keller, Heger und alle deutlich teureren Grauburgunder „in den Senkel gestellt“ und gewonnen. Und der Wein kostet gerade mal um die 13 €. Ein weiteres „Talent“ wäre Stefan Rinklin in Bötzingen, der wird sicher in ein paar Jahren zu den besten Erzeugern dort gehören.

  2. Robin Stein

    Hallo Herr Klingenbrunn,

    vielen Dank für die Tipps und Hinweise! Wir werden den Wein verkosten und ggf. darüber berichten.

    Liebe Grüße
    Robin Stein

  3. und wie sieht es mit einem leckeren Bercher Wein aus Burckheim aus – für mich immernoch die unangefochtene No.1 im Kaiserstuhl!

  4. Der unermüdliche Einsatz für das von ihm vertretene Weingut Köbelin ehrt Herrn Klingenbrunn sehr.

    Großes Kompliment!

    Ohne nun etwa inhaltlich auf obigen Kommentar eingehen zu wollen, sei mir an dieser Stelle ein Hinweis gestattet: bei der von Herrn Klingenbrunn nun schon mehrfach angeführten Grauburgunderverkostung mit einem Siegerwein von Köbelin war nachweislich kein Wein von uns angestellt. Die Heger – Weine waren unfiltriert, noch nicht füllfertig und erfüllten somit nicht die Teilnahmevorbedingungen für diese Verkostung.

    mit weinseligen Güßen vom Kaiserstuhl
    Joachim Heger

    P.S.: Ich war damals Mitglied der betreffenden Verkostungsjury

  5. Hallo Herr Heger,
    da haben Sie natürlich Recht, sorry für die Falschnennung. BTW: 2003, in dem doch sicherlich schwierigen Jahr haben mir Ihre Weine ausgesprochen gut gefallen, gerade die Oktave-Linie. Nichts für ungut, ich gelobe Besserung bei der Recherche.

Einen Kommentar schreiben