Rudolf Fürst - Riesling "R" 2007 GG

WeinZeit: Große Gewächse – Franken (Rudolf Fürst)

Rudolf Fürst - Riesling "R" 2007 GG

Unser heutiger Ausflug führt uns nach Franken. Dieses am Main gelegene Weinanbaugebiet ist in Deutschland besonders für seine aromatischen Silvaner im Bocksbeutel bekannt. Diese, vermutlich der Form eines Ziegenbockhodens, nachempfunde Flaschenform steht wohl weltweit wie kaum eine andere Flaschenform für eine bestimmte Provenienz. Leider ist jedoch die Popularität der Franken Weine im Ausland eher gering, was vermutlich daran liegt, dass hier der Fokus immer noch auf Rieslingen von Mosel und Rhein liegt. Mit nur ca. vier Prozent der Rebfläche (insgesamt: ca. 6.063 ha) werden in Franken tatsächlich keine relevanten Mengen an Riesling produziert, was jedoch nicht heißen soll, dass die Winzer dieser edelsten aller deutschen Weißweintrauben einen geringen Stellenwert beimessen. Im Gegenteil wird der Riesling sogar größtenteils in den besonderes priviligerten Lagen Frankens angebaut. Ein Winzer der dies schon früh erkannte ist Paul Fürst. Fürst, der bereits 1975 als 21-jähriger Geisenheim-Student den Betrieb seines Vaters übernahm, gilt nicht nur als ein Vorreiter in der fränkischen Rotweinszene, sondern baut auch etwa zur Hälfte weiße Sorten an.

Seinen Riesling „R“ GG baut Fürst in der Lage „Bürgstadt Centgrafenberg“ an. Der 57,1 ha große Centgrafenberg liegt im Mainviereck, welches sich geologisch besonders durch Bundsandstein auszeichnet. Die Lage liegt auf einer Höhe von 150-250 m und ist überwiegend nach Süden hin ausgerichtet. Sie ist berühmt für ihre gute Wasserführung im Berg, die einen hohen Durchwurzelungsgrad fördert. Das Weingut Fürst besitzt eine Betriebsfläche von 11 ha im Berg und baut den Riesling auf den Teilen im Berg an, wo der Sandstein stärker mit fruchtbarem Lehm vermischt ist, welches den Weißweinen Mineralität und Komplexität verleit. Auch wenn der Jahrgang 2007 in Franken eher als durchschnittlich zu bewerten ist, produzierte Fürst im Centgrafenberg neben dem Riesling auch einen Weißen Burgunder, welcher mit 92 Punktem im Gault Millau in der obersten Liga mitspielt. Mit 91 Punkten ist der Riesling „R“ GG jedoch nicht wirklich schlechter bewertet und war für uns deshalb spannend um zu prüfen, ob der internationale Ruf von deutschem Riesling wirklich nur auf Weine von Rhein und Mosel zurück zuführen ist.
Beim Entkorken der recht schlicht designten Flasche gab es jedoch den ersten Schreck. Der Korken saß extrem locker in der Flasche und ließ sich mit einem leichten Ruck komplett herausziehen. Es wunderte mich, dass die Flasche nicht vorher ausgelaufen ist. Zuerste dachte ich, ich hätte die 28 € für die Flasche in den Wind geschossen, dies Bewahrheitete sich jedoch glücklicherweise nicht.

2007er Bürgstädter Centgrafenberg Riesling „R“ „GG“ – Rudolf Fürst (13% vol.)
Farbe Strohgelb
Nase Mandel, Aprikose, sehr schöne Honig- und florale Noten die fast auf eine Auslese hätten schließen lassen
Gaumen Mineralität und Säure halten sich stärker zurück als gedacht, Aprikose, Mango, cremig und weich, leichte Citrus- und Nussaromen
Abgang eher zurückhaltend aber unheimlich elegant, Aprikosenaromen schaukeln sich nochmal auf, trockener, langer und leicht kräutriger Nachhall
Speiseempfehlung Currysuppe, Fisch oder Muscheln mit Früchte-Chutney

Mein Fazit: Nachdem der anfänglichen Korken-Schock überwunden war,  zeigte sich ein unheimlich fruchtiger, eleganter Riesling,  der durch klare Struktur auftrumpfen kann. Sicherlich kein Wein für den schnellen Genuß, sondern eher ein Begleiter für den ganzen Abend. Bei 28 € muss man sich natürlich immer fragen, wie viel Prestige man schlussendlich mittrinkt und bezahlt, ich finde jedoch diesen Wein sollte man unbedingt einmal probiert haben und er könnte sicherlich auch dazu beitragen den Ruf Frankens im Ausland etwas zu festigen.

Robin Stein

Robin Stein, Jahrgang 1987, ist studierter Lebensmitteltechnologe und der Jüngste im Team. Sein Weg führte ihm nach dem Abitur 2006 über ein viermonatiges Praktikum in Pusser's New York Bar in München nach Bergisch-Gladbach, wo er eine Ausbildung als Hotelfachmann im Schlosshotel Lerbach absolvierte. Seine persönlichen Honigfallen sind Champagner, Obstbrände, Wein und Whisk(e)y.

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