Deoch an Doruis: Dufftown

Die Speyside-Brennerei, die ich heute vorstelle, trägt den Namen des Ortes, in dem sie belegen ist. Dufftown, eine vergleichsweise junge Ortschaft, wurde erst 1817 gegründet um den aus den napolionischen Kriegen heimkehrenden Soldaten Heimat und Arbeit zu bieten. Heute darf sie sich trotz „World Capital of Malt Whisky nennen“. Zur Zeit ihrer Gründung hatte diesen Titel sicherlich noch die an der Westküste Schottlands, genauer auf der Halbinsel Kintyre gelegene Ortschaft Campbeltown inne, in deren Mauern und in der näheren Umgebung noch bis in die zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts 20, manche Quellen sprechen sogar von 30 Destillerien angesiedelt waren. Während und nach der Prohibition musste hier eine Brennerei nach der anderen schliessen und so ging mit der Zeit der Titel der Whiskyhauptstadt auf Dufftown über.

Zwischen 1823 und 1897 wurden hier nicht weniger als sieben Whisky-Brennereien gegründet: 1823 als erste Mortlach, 1887 Glenfiddich, 1892 Balvenie, 1893 Convalmore, 1894 Parkmore, 1895 Dufftown und 1897 Glendullan. Diese große Anzahl an Brenneneien prägte dann auch den Spruch „Rome was built on seven hills, Dufftown stand on seven stills“ Aber dieser Spruch hatte nicht immer Gültigkeit: Parkmore wurde 1931 geschlossen; 1974 wurde aber Pittyvaich gebaut. Die Schließung von Convalmore erfolgte 1985; 1990 wurde dann Kininvie errichtet. Pittyvaich wurde 1993 nach nur 19 Jahren geschlossen und 2002 sogar abgerissen. Damit der Spruch auch heute noch gelten kann, wird entweder Convalmore, das als Whisky-Lager benutzt wird, oder die wenige Meilen entfernt liegende Brennerei Allt-A-Bhainne (erbaut 1975) als siebte Brennerei Dufftowns gezählt.

Die Dufftown Destillerie wurde 1895 durch Peter Mackenzie, Richard Stackpole, Charles MacPherson, einem ortsansässigen Juristen und John Symon aus dessen alter Mühle erbaut. Am 10. November 1896 startete die Produktion. 1897 kauft P. Mackenzie & Co. die Brennerei. 1933 Verkauf an Arthur Bell & Sons. 1968 werden die eigenen Malting Floors geschlossen. 1974 werden die Stills von zwei auf vier und 1979 auf sechs Stills erweitert. 1985 kauft United Distillers & Vintner -heute Diageo- Arthur Bell & Sons und damit auch Dufftown. Dufftown ist Diageos größte Destillerie mit einer Kapazität von etwa vier Millionen Litern Alkohol pro Jahr.

Seit etwa Anfang 2008 ist der Singleton of Dufftown erhältlich – die erste Originalabfüllung seit der Abfüllung für die Flora & Fauna-Serie. Der Namen ‘The Singleton’ ist ein eingetragener Markenname Diageos, der den Whisky für den Konsumenten einfacher als Single Malt Whisky erkennbar und -wie im Fall des Singleton of Auchroisk- den Namen leichter merkbar machen soll. Nicholas Morgan, Diageo’s Marketing Director, wird wie folgt zitiert: „The new malt whisky is aimed at people who have an interest in single malt but who are perhaps trying malt whisky for the first time.“ Die Zielgruppe sind also Neueinsteiger in das Thema Whisky. Na, mal schauen, ob der Singleton of Dufftown geeignet ist, diese zu erreichen:

Singleton of Dufftown Single Malt Whisky 12yo, 40% vol.
Farbe Bernsteinfarben
Nase Malzig, süss, Trockenfrüchte , Aprikose,  Sherrynoten
Gaumen Ausserordentlich cremig, mild und malzig-süss, etwas fruchtig
Abgang Langanhaltend, wärmend, fruchtig, Apfelringe

Die Sherryfasslagerung verleiht diesem Whisky schöne, fruchtige Noten. Auch die ausserordentliche Cremigkeit ist bemerkenswert. Insgesamt ist der Dufftown ein weicher und gefälliger Einsteigerwhisky, aber auch recht unspektakulär. Für den fortgeschrittenen Whiskyfreund in meinen Augen kein Fehlkauf, aber auch keine wirklich lohnende Anschaffung – für einen Neueinsteiger oder Wenigerfahrenen hingegen absolut empfehlenswert.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

Rudolf Fürst - Riesling "R" 2007 GG

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