Deoch an Doruis: Glen Grant

Als ihr Pachtvertrag der Aberlour-Brennerei 1840 auslief, machten sich die Brüder John und James Grant auf in das nur acht Kilometer nördlicher gelegene Örtchen Rothes um hier die erste Destillerie des Ortes zu gründen.

Bis 1872, bis zum Tod des letzten Lebenden der beiden Brüder, konnte die Brennerei auf ein seit der Gründung stetes Wachstum zurückblicken. Der Erbe James Grant junior, genannt ‚The Major‘, übernahm im Alter von nur 25 Jahren einen prosperierenden Betrieb. 1887 war die Nachfrage nach Glen Grant Whisky so hoch, dass Grant auf der gegenüber liegenden Straßenseite eine weitere Brennerei bauen ließ: Caperdonich, die anfangs noch den Namen ‚Glen Grant 2‘ trug. Die beide Schwesterdestillen waren durch eine unterirdische Pipeline verbunden. 1898 ersetzte er die tradionellen Floormaltings durch die ersten pneumatischen Malting Drums Schottlands. Diese elektrisch betriebenen Drums blieben bis 1971, dem Jahr, in dem das Mälzen von Getriede innerhalb der Brennerei eingestellt wurde, in Betrieb. 1931 starb James Grant junior im Alter von 84 Jahren und der Betrieb wurde von seinem Enkel, Douglas Mackessack, weitergeführt. Bis 1952 blieb Glen Grant ein Unternehmen in Familienbesitz. Doch nun fusionierte man mit George & J.G. Smith Ltd. zu der The Glenlivet & Glen Grant Distilleries Ltd. 1970 kam das Blendinghouse Hill, Thompson & Company und die Brennerei Longmorn-Glenlivet noch hinzu. 1978 wurde die Firmengruppe an Seagram verkauft. 2001 kaufte Pernod Ricard die Whisky-Sparte von Seagram, musste aber Glen Grant 2006 aufgrund europäischer Anti-Monopol-Gesetze verkaufen. Der Käufer war Campari – keine Überraschung: Der nur für den italienischen Markt produzierte 5-jährige Glen Grant ist dort der beliebteste Malt.

Glen Grant Single Malt Whisky 10yo, 40% vol.
Farbe helles goldgelb
Nase frisch und trocken, fruchtig, süßlich, Orangenschale
Gaumen kräftige alkoholische Schärfe, fruchtig, nussig
Abgang Langanhaltend, wärmend, etwas Malz, fruchtig.

Der Auftritt des Glen Grant fing in meinen Augen vielversprechend an. Doch seine trotz der nur 40% zu intensive alkoholische Schärfe macht diesen zunichte. Ich mag durch aus ab und an einen richtig kräftigen Whisky, hier werden aber leider die Aromen so stark überlagert, dass der Genuss, den der Glen Grant sicher bieten könnte, leider ausbleibt.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

St. Antony - Weißburgunder + Rotschiefer 2009

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