WeinZeit: Weltreise: Chile

Weltreise? Richtig! In dieser neuen Reihe möchten wir euch fortan mitnehmen vinophile Genüsse aus eher „exotischen“ Anbaugebieten der Welt kennen zu lernen. Passend zu Torbens Patagonien Reihe möchte auch ich diese kleine Weltreise in Lateinamerika beginnen. In der ehemals von Pinochet regierten Präsidialrepublik Chile lässt sich die Geschichte des Weinbaus bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen, als damals spanische Missionare die ersten Rebstöcke ins Land brachten. Qualität wurde jedoch erst ein Thema, als die durch den Abbau von Kupfererz reich gewordenen Grundbesitzer im 19. Jahrhundert mit Weinbergen ihren Wohlstand demonstrierten. Sie erhielten hierfür neue Rebsorten wie z.B. Cabernet Sauvignon und  Carménère von eingewanderten französischen Winzern.

Nach Ende des isolationistischen Pinochet-Regimes brach dann eine Flut von Wissen, technischen Errungenschaften und neuen Ideen über das Land herein und in den späten 1980er Jahren entwuchs der chilenischen Wein endlich seinen Kinderschuhen. In den darauffolgenden Jahren ging es Schlag auf Schlag und schnell mauserte sich das 4000 km lange Land zum Wein-Exportmeister Nummer eins in Südamerika und zählt mittlerweile zu den sechs bedeutendsten Weinproduzenten der Welt.

Aufgrund seiner großen Nord-Süd-Ausdehnung und damit verbundenen großen klimatischen Unterschieden wird der Weinbau in Chile in vier Hauptregionen unterteilt.

  1. Weinbau-Region Coquimbo
  2. Weinbau-Region Aconcagua
  3. Weinbau-Region Valle Central
  4. Weinbau-Region Valle Sur

Diese Hauptregionen teilen sich dabei in viele Weinanbaugebiete auf, wobei das in der Region „Valle Central“ gelegen „Valle de Maipo“ als bestes gilt.

Die Chilenen konzentrieren ihren Weinanbau zu 80% auf Rotwein, hierbei spielen Cabernet Sauvignon, die hauptsächlich in Südamerika verbreitet Rebsorte País, Merlot und Carménère die Hauptrolle. Bei den Weißweinen geben Sauvignon Blanc und Chardonnay den Ton an, und auch wenn die Menge der produzierten Weißweine eher gering ist kommt ihnen genauso viel Liebe und Fachwissen bei der Vinifizierung zu wie dem roten Bruder.

Eine Besonderheit der chilenischen Reben ist, dass Chile weltweit das einzige Land ist, welches von der großen Reblausplage verschont blieb, und die Reben somit noch wurzelecht sind. Nachdem z.B. in Frankreich durch die Reblaus ganze Wein-Landstriche vernichtet wurden, wurde der Großteil der benötigten Reben aus Chile reimportiert.

Um das große Spektrum des chilenischen Weins auch in seiner vollen Pracht zu erfassen, wählte ich für die heutige Probe fünf Flaschen aus.

Beginnen möchte ich mit einem Sauvignon Blanc für 5,90 € aus der Coquimbo Region.

Viña Francisco de Aguirre – Los Amigos – Sauvignon Blanc 2009

Die Geschichte des Gutes „Vina Francisco de Aguirre“ ist spannend, es liegt am Rande der Atacama-Wüste, welche als trockenste der Welt gilt und wurde vor gut 10 Jahren von Pisco Capel gegründet. Die Reben genießen sage und schreibe 363 Sonnentage im Jahr und heftige Temperaturschwankungen von bis zu 20°C ergeben kleine, extraktreiche Trauben. Der 2009er Sauvignon Blanc hat eine hell-beige Farbe und eine imposant fruchtige Nase. Pfirsich und Zitrusfrüchte verbinden sich hier gekonnt mit einer noch leicht vorhandenen Hefenote.  Am Gaumen zeigt der Wein letzte Spuren von Restkohlensäure und gibt sich insgesamt sehr harmonisch. Ein stabiles Säuregerüst umgibt den Wein, welcher schön cremig ist und mit Stachelbeer-Aromen auftrumpfen kann ohne aber zu fruchtig zu wirken. Im Abgang eine leicht bittere Note, dafür sehr lang und voller Schmelz. Ein Alltagswein ohne große Höhen oder Tiefen der ideal zu Spargel passt! Ein absoluter Sommerwein, den ich am liebsten im Garten austrinken würde.

William Cole – Mirador Selection –  Sauvignon Blanc 2009

Der zweite Wein, den wir verkosten möchten liegt mit 7,50 € preislich etwas über dem „Los Amigos“ und stammt aus dem Casablanca-Tal, welches besonders für seine Weißweine berühmt ist. Die Farbe wirkt einen Hauch konzentrierter als die des „Los Amigos“, ist jedoch ebenfalls relativ hell und beige-farben. In der Nase ist der Wein unheimlich fruchtig und erinnert stark an Honigmelone und Mango. Am Gaumen hält sich die Frucht dann etwas zurück, leicht mineralisch und nicht mehr zu jugendlich erinnert er an junge Johannisbeere und ebenfalls an Stachelbeeren. Der Abgang ist etwas spritziger, erfrischend, jung und voller Vitalität. Ein toller Tapas-Wein, der wie gemacht zu sein scheint für Honigmelone mit Parmaschinken. An diesem Wein stört lediglich der Schraubverschluss.

Rosario Estate- Rosé – Cabernet Sauvignon & Syrah – 2009

Mit 6,90 € wieder etwas günstiger ist diese Rosé-Cuvée des Weingutes „Rosario“. Es gehört zu dem 1874 gegründeten, traditionsreichen Gut “ Vina Tarapacá ex Zavala“ welches ich später noch näher vorstellen möchte. Die Cabernet Sauvignon und Syrah Trauben für diesen Rosé stammen aus dem berühmten Maipo-Valley. Im Glas zeigt der Wein eine etwas künstlich-wirkende Rosé-Farbe, die an leicht verdünnten Cranberrysaft erinnert. In der Nase zeigen sich junge Walderdbeeren und Grapefruit. Am Gaumen eine Erleichterung: Er ist nicht zu süß! Ein Aspekt der, wie ich finde, leider ziemlich viele Rosés versaut. Von der Säurestruktur und seiner Komplexität erinnert er fast an einen Riesling kombiniert mit dem frischen Geschmack von Himbeeren, Grapefruit und Süßkirschen. Der Abgang ist leicht adstringend und der Wein plustert sich zum Schluss noch einmal gehörig auf und lässt ein angenehm fruchtiges Mundgefühl zurück. Er eignet sich vorzüglich zu vegetarischen und mediterranen Speisen, aber auch ruhig zu einem würzig zubereiteten Fisch oder Geflügel. Ein gelungener Rosé, der mit seinen 13% jedoch nicht ganz ohne ist.

Viña Tarapacá – Tarapacá+Plus – 2008

Das beim Rosé bereits erwähnte Weingut „Vina Tarapacá ex Zavala“ zeigt sich auch für diesen Wein verantwortlich. Der Gründer des Weingutes Don Francisco de Rojas y Salamanca ist einer der Pioniere des chilenischen Weinbaus und importierten seine Reben damals noch direkt aus Frankreich und das Weingut kann damit stolz auf seine wurzelechten Reben zurückblicken. Mittlerweile gehört „Vina Tarapacá ex Zavala“ zu einem der größten Weingüter Chiles und exportiert in über 60 Länder weltweit. Der Tarapacá+Plus, welcher früher Matura+Plus hieß, liegt preislich mit 9,90 € durchaus im Alltags-Rahmen, bietet dafür aber eine nicht alltägliche Haptik. Ein edles Etikett, geprägte Flasche, verwachster Korken und per Hand umgebundene Info-Broschüre sprechen eine eigene Sprache und lassen den Wein von außen sehr wertvoll erscheinen. Die organisch angebauten Trauben, die diesem Wein seinen Ursprung verleihen, wachsen in einem besonders geschützten und verschmutzungsfreien Ökosystem. Er ist der erste komplett ökologisch angebaute Wein des Weingutes und besteht aus Syrah (37%), Carmenére (26%), Cabernet Sauvignon (23%), Cabernet Franc (9%) und Petit Verdot (5%). Farblich sehr konzentriert mit deutlich violetten Tönen zeigt er sich an der Nase ebenfalls wuchtig ohne jedoch zu sehr nach Eiche zu riechen. Er hat eher etwas von Schattenmorellen und dunkler Schokolade. Am Gaumen zeigen sich die Tannine, die zwar an der Grenze, aber nicht zu kräftig sind, sowie die volle Palette der dunklen Früchte. Er ist frisch jedoch noch ein bisschen wild. Der Abgang ist sehr lang, mundfüllend und ergibt ein leicht süßliches Mundgefühl. Ein großer Wein, der, wenn man ihm noch 2-3 Jahre reifen lässt, sicherlich einer der besten Preis-Leistungs-Rotweine überhaupt wird! Ich würde ihn zu Lamm oder einem schönen Steak empfehlen.

Viña Tarapacá – ZAVALA – 2005

Den Abschluss soll ein absoluter Topwein bilden. Schließlich wollen wir wissen wozu Chile fähig ist. Mit ca. 30 € ist dieser Tropfen zwar kein Schnäppchen soll aber zu den besten Weinen des besten Anbaugebiet Chiles, dem Maipo-Valley zählen. Das Weingut selbst stapelt bei der Bezeichnung des Weins auch nicht zu tief und bezeichnet ihn als „Premium Plus wine“. Der Wein ist eine Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Syrah und Merlot und wird 16 Monate in Fässern aus amerikanischer und französischer Eiche ausgebaut. Bei der Optik setzt Vina Tarapacá auf Understatement und die Flasche ist nicht so auffällig gestaltet wie der günstigere Kollege Tarapacá+Plus. Die Flasche ist jedoch ebenfalls geprägt und besitzt einen fast 6cm langen Naturkork. Im Glas rötlicher aber auch dunkler als der +Plus, fast schon wie Blut. In der Nase gewisse Parallelen zu gutem Bordeaux, was sicherlich auch an den verwendeten Rebsorten liegt. Es zeigen sich Noten von dunklen Pflaumen, Brombeeren sowie dunklen Johannisbeere. Am Gaumen dann auf den ersten Schlag eine ungewohnte, aber sehr angenehme Süße die an den Geschmack von Blaubeeren erinnert. Insgesamt am Anfang sehr, sehr fruchtig mit den bereits bei der Nase genannten Aromen. Die Fassaromen sind wundervoll eingebunden und der Wein wirkt kaum adstringend. Hinzu kommen leichte Kräuter-Noten wie etwa Thymian. Im Abgang wird der Wein dann wieder etwas trockener, bricht in keine Richtung aus, und bleibt in den nächsten Minuten ein treuer Wegbegleiter. Die süßlichen Noten lassen den Wein am Anfang etwas wunderlich erscheinen, diese binden sich jedoch unheimlich schön in das Gesamtkonzept ein und machen ihn zu einem sehr komplexen und harmonischen Wein der sicherlich noch 15+ Jahre im Keller überlebt. Für mich, gerade wegen der Süße, ein toller Wein zum Käse. Zu Weichkäsen wie z.B. Bougon (Ziegenmilch – „Camenbert“) bestimmt eine Offenbarung.

Mein Fazit: Um es kurz zu machen: Chile kann was! Im Bereich Preis-Leistung kann Chile einigen Ländern definitiv etwas vormachen. Gerade bei den beiden Rotweinen würde man z.B in Frankreich vermutlich das Zwei- bis Dreifache zahlen. Wer einen guten Einblick in die Qualität der Weine bekommen möchte, dem empfehle ich besonders den „William Cole – Sauvignon Blanc 2009“ und den „Vina Tarapacá +Plus 2008“. Zu beziehen sind die Weine z.B über www.cwc.de, der Homepage des größten auf Chile spezialisierten Weinhandels Deutschland, dem „Chile Wein Contor“.

Sollet Ihr nun Gefallen an Chile gefunden haben, freut euch bereits auf Torbens am nächsten Freitag (30.04.2010) erscheinenden Artikel „Trinklaune in Patagonien: Teil 2 – Chile“

Ich wünsche euch ein schönes Restwochenende und hoffentlich einen freien Montag.

Viña Tarapacá – Tarapacá+Plus 2008

Robin Stein

Robin Stein, Jahrgang 1987, ist studierter Lebensmitteltechnologe und der Jüngste im Team. Sein Weg führte ihm nach dem Abitur 2006 über ein viermonatiges Praktikum in Pusser's New York Bar in München nach Bergisch-Gladbach, wo er eine Ausbildung als Hotelfachmann im Schlosshotel Lerbach absolvierte. Seine persönlichen Honigfallen sind Champagner, Obstbrände, Wein und Whisk(e)y.

2 Kommentare

  1. Petra

    Hallo von einem Weinliebhaber, Chile und auch sonst Lateinamerika hat mit Abstand die besten Weine, zumindest nach meinem Geschmack. Auch in Ungarn vom Balaton gibt es sehr schmackhafte Weine in traumhaften Weinanbaugebieten. Dabei das Land zu erkunden, sollte natürlich nicht vergessen werden, wenn man schon einmal da ist 😉

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