Deoch an Doruis: Glen Moray

Glen Moray wurde 1897 in Elgin gegründet. Dazu wurde eine auf  das frühe neunzehnte Jahrhundert zurück gehende Bierbrauerei umgebaut. Bauherr war ein lokales Konsortium, die Glen Moray Glenlivet Distillery Co. Ltd. Der Name diese Konsortiums ist ein weiteres Beispiel für den skurilen Versuch, den Ruhm der Glenlivet Destillerie durch Verwendung ihres Namens durch das Anhängen an den eigenen auszunützen – die eigentliche Glenlivet Destillerie hatte in der Glen Moray Glenlivet Distillery Co. Ltd. keine Aktien.  Doch schon 1910 musste Glen Moray wieder geschlossen werden. 1923 wurde Glen Moray von Macdonald & Muir gekauft, die fünf Jahre zuvor bereits Glenmorangie kauften. Die Firmenhistorie blieb von nun an lange Zeit so beständig wie der Firmensitz von Macdonald & Muir, der fast 95 Jahre lang das gleichen Gebäude in Leith war oder die Besetzung der Chefetage – Glen Moray kam in 110 Jahren Firmengeschichte mit nur fünf Managern aus. Erst 1996, als der alte Firmensitz aufgegeben wurde, wurde auch gleich der alte Name der Firma geändert: Man entschied der ganzen Firma den Namen des erfolgreichsten Produktes zu geben und nannte sich nun Glenmorangie PLC.

Zunächst wurde der Glen Moray Whisky in erster Linie für den Blend Highland Queen verwandt, doch ab 1976 veröffentlichte Macdonald & Muir vermehrt Single Malts und begann , wie auch bei Glenmorangie, mit dem sogenannten Wood-Finishing zu experimentieren. So wurden 1999 gleich drei Glen Morays veröffentlicht, die in französischen Weissweinfässern nachreiften: Ein Single Malt ohne Altersangabe, der in Ex-Chardonnay-Fässern gelagert worden war und je ein 12- und ein 16-jähriger Single Malt, die beide den letzten Schliff in ehemaligen Chenin-Blanc-Fässern erhielten. Heute hält man bei Glen Moray von solchen Finishings offenbar nichts mehr:  Alle aktuellen Abfüllungen der Glen Moray Destillerie stammen wieder aus ehemaligen Bourbonfässern.

Die Macdonald-Familie veräußerte 2004 die Glenmorangie PLC und damit die Destillerien Glenmorangie und Glen Moray sowie die 1997 erworbene Ardbeg Brennerei für etwa 300 Millionen britische Pfund an  den französischen Konzern Louis Vuitton Moët Hennessy (LVMH). Glen Moray wurde aber 2008 mit der Begründung, sie passe vom Charakter nicht in das Luxusgütersegment von LVMH  an  La Martiniquaise, einem französischen Spirituosenkonzern, weiterverkauft.

Glen Moray Single Malt Whisky 8yo, 40% vol.
Farbe Strohgelb
Nase frisch, Honig- und Vanillenoten, Gewürze
Gaumen Weich, Honig und Vanille, etwas fruchtig
Abgang Mittellang, Malz und Honig.

Den Whiskys der Glen Moray Destillerie wird nachgesagt, besonders leicht und weich und daher ganz besonders für Whisky-Einsteiger geeignet zu sein. Das kann ich für den achtjährigen Glen Moray bestätigen. Doch auch die Qualität des Standardproduktes dieser Brennerei hat mich durch und durch überzeugt. Hier bekommt man für unter 25 Euro einen ordentlichen Whisky.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

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