Deoch an Doruis: Glenburgie

Offiziell begann die Produktion der Glenburgie Destillerie, damals noch unter dem Namen Kinflat, im Jahr 1829. Einige Quellen sprechen sogar von 1810 als Gründungsjahr. Hierfür mangelt es zwar an belastbaren Belegen – zu dieser Zeit, dreizehn Jahre vor Inkrafttreten des Act of Excise, wird es sich um eine illegale Brennstätte gehandelt haben – doch auch Alfred Barnard, der die Brennerei 1886 besuchte und von ihr berichtete, nennt 1810 als das Gründungsjahr.

Um 1870 wurde Kinflat geschlossen. Nach achtjähriger Schaffenspause eröffnete Charles Hay sie 1878 unter dem Namen Glenburgie-Glenlivet. 1884 wurde die Brennerei an Alexander Fraser & Co. verkauft. Als diese 1925 in den Bankrott gingen, wurde Glenburgie von Donald Mustard übernommen, der die Brennerei zwei Jahre später an James & George Stodart Ltd. weiterverkaufte, die die Brennerie jedoch schlossen und die Produktion stoppten. 1930 kaufte der kanadische Whiskyfirma Hiram Walker 60 % der Anteile und im Oktober 1936 die restlichen 40 %. Zu diesem Zeitpunkt nahm Glenburgie auch wieder die Produktion auf.

1958 wurde die Brennerei renoviert. Zwei Lomond Stills , eine Art Mischform aus Pot Still und Column Still mit einer zylindrischen Form und beweglichen Kupferplatten im Inneren, wurden installiert. Bei Hiram Walker war man überzeugt, dass der Whisky aus diesen beiden Stills so anders als der Glenburgie sei, dass der daraus produzierte Single Malt unter dem Namen Glencraig verkauft wurde. Es muss aber gesagt werden, dass nicht alle Whiskykenner davon überzeugt waren, dass diese neuartigen Stills dem Endprodukt einen signifikanten Unterschied bescherten. Die Lomond Stuills konnten sich letztlich auch nicht durchsetzen und so wurden sie 1981 bei Glenburgie durch konventionelle Stills ersetzt. Seit dem wird der Glencraig Whisky nicht mehr produziert und man muss inzwischen dreistellige Beträge zahlen, um noch eine Flasche davon zu erwerben.

1987 wurde Hiram Walker von Allied Lyons übernommen, die sich 1994 nach der Fusion mit Pedro Domecq, einer britischen Brandy- und Sherryfirma, in Allied Domecq umbenannten. Durch den Kauf von Allied Domecq gehört Glenburgie heute zu Pernod Ricard.

Von 2004 bis zum Juni 2005 wurde Glenburgie für 4,3 Millionen britische Pfund komplett renoviert. Seitdem gilt die Brennerei als eine der modernsten Whiskybrennereien. Der gesamte Herstellungsprozess kann von nur einer Person durchgeführt werden. Bemerkenswert ist dann aber, dass das ursprüngliche Destilleriegebäude aus dem Jahr 1829 noch erhalten ist und als nosing room genutzt wird.

Der Glenburgie Whisky ist neben Miltonduff einer der Schlüsselbestandteile des Blends Ballantine’s. Auch im Teacher’s Blend wird er verwandt. Heute habe ich aber den fünfzehnjährigen Glenburgie Single Malt aus der 2002 von Allied herausgegeben Special Distillery Bottlings Serie im Glas :

Glenburgie Single Malt Whisky 15yo, 46% vol.
Farbe goldgelb
Nase frisch und trocken, etwas grasig, Holz- und Honignoten
Gaumen Gewürze, Akazienhonig, getrocknete Äpfel, etwas Vanille
Abgang Langanhaltend, wärmend. Fruchtig und milde Holztöne

Leider keine günstige Anschaffung, doch wer den Preis dieser Glenburgie-Abfüllung nicht scheut, wird mit einen feinen, leichten Spitzenwhisky belohnt.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

2 Kommentare

  1. guennik

    Toller Stoff!

  2. Oliver Steffens

    Freut mich, das er Dir gefällt, Guennik !

Einen Kommentar schreiben