Deoch an Doruis: Glendullan

Glendullan wurde 1897 als siebte Brennerei in Dufftown vom Whiskyblender William Williams gegründet. Es wird gemunkelt, Williams hätte diese Brennerei nur gegründet, weil zuvor Übernahmeversuche der Destillerien Glenlivet und Balvenie gescheitert waren.  Wenn er nun schon keine dieser beiden Brennereien kaufen konnte, soll er um sicherzustellen, dass seine neue Brennerei annähernd diese Qualität erreicht, Dufftown als Standort für seine Neugründung gewählt haben.

William Williams fusionierte 1919 mit Greenlees Brothers. Greenlees gehörte zu dieser Zeit zu Alexander & MacDonald. So bildete man bald darauf eine Firma, die alle drei vereinigen sollte: Macdonald Greenlees & Williams. Die Firma trat 1925 der Distiller Company Ltd. (DCL) bei und Glendullan wurde 1930 an die Scottish Malt Distillers Ltd. (SMD) übertragen.

Wie viele andere Brennereien musste auch Glendullan während des zweiten Weltkriegs aufgrund von Gerstenmangel die Produktion einstellen und blieb von 1940 bis 1947 geschlossen. Zwischen 1971 und 1972 wurde in der Nähe der alten Brennerei eine neue, größere Brennerei erbaut. Beide Destillerien wurden eine ganze Weile parallel betrieben. Jede verfügte über eigene Maische- und Gärbottiche, die neue Brennerei verfügte aber über sechs Stills, während die alte nur derer zwei hatte. Die Malts aus beiden Destillerien wurden gemischt, bis 1985 die alte Glendullan Destillerie stillgelegt wurde. Streng genommen ist der Whisky aus dieser Zeit kein Single Malt, sondern ein Vatted Malt. 1987 wurde die Destillerie von UDV übernommen und gehört somit heute zu Diageo.

Es wird noch ein weiterer Glendullan Single Malt Whisky als Originalabfüllung unter dem Namen Singleton of Glendullan in der gleichen Aufmachung wie der Singleton of Dufftown vertrieben. Dieser scheint vornehmlich für den Markt in den USA bestimmt zu sein. Ich hatte daher heute den Glendullan aus der Flora und Fauna Serie im Glas:

Glendullan „Flora & Fauna“ Single Malt Whisky 12yo, 43% vol.
Farbe sehr hell, eher wie Weisswein
Nase Leicht, frisch und trocken. Malzig, fruchtig.
Gaumen Sehr trocken, malzig, nussig, etwas fruchtig und etwas holzig
Abgang Langanhaltend, wärmend, nussig.

Ein rundum solider Whisky der etwas kräftigeren Sorte. Ein angebotenes Glas würde ich wahrlich nicht verweigern, aber wirklich beeindruckt hat mich dieser Whisky nicht.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

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