Deoch an Doruis: Glenglassaugh

Glenglassaugh wurde 1874 an der Küste der Speyside westlich von Banff von James Moir,  seinen Neffen Alexander und William Morrison und dem Kupferschmied Thomas Wilson gegründet.

Nachdem Thomas Wilson 1883 und James Moir 1887 und 1892 auch William Morrison verstarben, verkaufte der letzte verbliebende Miteigentümer Alexander Morrison die Brennerei an Robertson & Baxtor, wie es heisst um die Erbschaftssteuer zahlen zu können. Robertson & Baxtor verkauften die Destillerie noch im selben Jahr an Highland Distilleries, die heute zur Edrington Group gehören.

Quelle: www.whiskybase.com

Quelle: www.whiskybase.com

 

Nicht zuletzt durch den Pattinson Crash Ende des 19. Jahrhunderts ging die Nachfrage nach dem Whisky aus der Glenglassaugh Brennerei zurück und so wurde sie 1907 ertmals geschlossen. Zwischen 1931 und 1936 wurde die Brennerei noch einmal kurzfristig reaktiviert um dann erneut für vierundzwanzig Jahre bis 1960 geschlossen zu werden. Von 1960 bis 1986 wurde erneut die Produktion angefahren. Unter der Ägide der Edrington Group wurde nur für wenige Monate in 1998 noch einmal bei Glenglassaugh produziert und dann war wieder für knapp zehn Jahre Schluss.

Im Februar 2008 gab die Edrington Group bekannt, dass man Glenglassaugh für fünf Millionen Pfund an die Scaent Group, einem holländischen Konsortium, deren Kern-geschäft in der Energiewirtschaft liegt,  verkauft hat. Im Dezember 2008 wurde die Produktion bei Glenglassaugh wieder aufgenommen.

Seither steckt Glenglassaugh in der für jede neugegründete oder wiedereröffnete Destillerie schwierigen Phase zwischen Produktionsbeginn und der ersten Abfüllung, zwischen Investition, laufenden Kosten und den ersten Einnahmen. Damit das Produkt als schottischer Whisky verkauft werden darf, muss es mindestens drei Jahre gelagert sein. Demzufolge dürfen wir also frühestens ab Dezember 2011 einen neuen  Glenglassaugh-Whisky erwarten. Um aber diese -besonders für die Investoren- Durststrecke zu überbrücken, hat man bei Glenglassaugh zwei sogenannten ‚Spirit-Drink‘ herausgebracht.

Ausnahmsweise die Rückseite einer Flasche – man beachte die ‚Nicht-Nennung‘ der Destillerie

 

Diese dürfen aufgrund schottischer Gesetze nicht den Namen der Destillerie führen. Daher wird der eine unter dem Namen ‚The Spirit Drink that dare not speak its name‘ verkauft. Ein Schelm, der dabei an Lord Voldemort denkt. Dieser Spirit Drink ist ungereift, somit naturgemäß farblos und wird auf dem Gelände der Destillerie in 500ml-Flaschen abgefüllt. Die Anzahl der Flaschen ist auf 8160 limitiert, jede Flasche ist nummeriert.

Das zweite Produkt ist der ‚Spirit Drink that blushes to speak its name‘, der also errötet, wenn er seinen Namen sagt. Dieser Spirit Drink durfte im Gegensatz zum ersten für sechs Monate in amerikanischen Eichenfässern, die zuvor californischen Rotwein enthielten, reifen. So ergibt sich eine rötliche Färbung. Auch dieser Spirit Drink wird auf dem Gelände der Destillerie abgefüllt un die Anzahl der Flaschen ist auf 8160 limitiert.

The Spirit Drink that blushes to speak its name, 50% vol.
Farbe Rosefarben
Nase Malzig, Kirsch-Bananensaft
Gaumen Scharf, etwas Apfel- und Birnennoten
Abgang Lang mit etwas Frucht

Ein interessante Idee, frische oder kaum gelagerte Whiskys – äh, sorry, Spirit Drinks – abzufüllen. Doch wenigstens beim gelagerten Glenglassaugh – Spirit Drink funktioniert das Experiment in meinen Augen nicht. Das Destillat entwickelt keinen eigenen Charakter, in der Nase erinnerte es mich an Cachaca und im Geschmack ähnelte es einem Grappa. Die Zeit der Reife im Fass ist dafür wohl einfach zu kurz. Ich sollte irgendwann einmal den ungelagerten Spirit-Drink probieren, der anderenorts hoch gelobt wurde..

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

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