Deoch an Doruis: The Glenlivet

Es ist verbrieft, dass der Gründer der Glenlivet Destillerie, George Smith, schon bereits weit vor der ‚offiziellen‘ Gründung der Brennerei illegal Whisky destillierte. So ist der Nachwelt überliefert, dass er ‚about a hogshead a week in the year following Waterloo‘ produzierte, also einen Hogshead, ein altes Flüssigkeitsmaß, dass ca. 245 Litern entspricht, die Woche im Jahr nach Waterloo, 1815.

Als nun aber mit dem Act of Excise von 1823 die illegale Whiskyherstellung nicht mehr lohnenswert erschien, bewarb sich Smith 1824 als erster in seiner Umgebung um eine Lizenz und gründete noch im gleichen Jahr seinen Brennerei. Doch nicht alle Whiskybrenner in der Gegend waren so schnell von der Lizenzierung und damit Legalisierung ihrer Brennstätten überzeugt wie Smith. Viele sahen in ihm einen Verräter. Und so kam es, dass er noch einige Jahre mit stets  geladenen Schusswaffen umherlief, da seine ehemaligen Kollegen ihn bedrohten und er um sein  Leben fürchten musste. Diese Waffen sind heute im Besucherzentrum von Glenlivet zu sehen.

Die heutige Destillerie stammt in ihren Urfesten aus dem Jahr 1858. George Smith pachtete ein neues Grundstück und erbaute hier eine neue Brennerei. 1871 verstarb George Smith und sein Sohn John Gordon, übernahm die Nachfolge. Das Unternehmen trug nun den Namen George & J.G. Smith.

Die Qualität des Glenlivet-Whiskys erwarb der Brennerei einen solchen Ruf, dass andere Brennereien davon profitieren wollten. Entweder schrieben die gleich ‚Glenlivet‘ auf ihre Fässer oder sie hingen den Namen als Suffix an den ihren. Die  Brennereien, die dies taten, waren so zahlreich, einige mehr als 20 Meilen vom ‚Original‘ entfernt, dass man schon spöttisch von ‚Glenlivet, dem längsten Tal Schottlands‘ sprach. John Gordon Smith musste schliesslich handeln und zog zur Wahrung seiner Namensrechte vor Gericht. Der Prozess dauerte mehrere Jahre an und endete mit einem aus der heutigen Sicht eher befremdlichen Urteil: Die anderen Destillerien durften weiterhin den Namen Glenlivet als Suffix führen, doch nur Glenlivet durfte sich fortan The Glenlivet nennen. Immerhin machten von der Möglichkeit, den Namen Glenlivet an den eigenen anzuhängen, im Jahr 1950 noch 27 Brennerein Gebrauch.

The Glenlivet war der erste Single Malt Whisky, der in den USA vertrieben wurde und ist bis heute der meistverkaufte Single Malt in Nordamerika. 1953 fusionierte man mit J.&J. Grant Ltd. zur Glenlivet & Glen Grant Distilleries Ltd. 1970 kam das Blendinghouse Hill, Thompson & Company und die Brennerei Longmorn-Glenlivet noch zum Firmenkonsortium hinzu. 1978 wurde die Firmengruppe an Seagram verkauft. 2001 kaufte Pernod Ricard die Whisky-Sparte von Seagram. Vor zweieinhalb Wochen, am 4. Juni 2010 weihte der britische Kronprinz Charles Mountbatten-Windsor, Prince of Wales, die Erweiterung der knapp neun Kilometer südlich von Ballindalloch gelegenen Glenlivet-Destillerie ein. Pernod-Ricard hat für etwa zehn Millionen Pfund die Produktionskapazität um nicht weniger als 75% gesteigert. Damit ist das klare Ziel verbunden, sich in Zukunft nicht mehr mit dem zweiten Platz in der Welt abzugeben – eine klare Kampfansage an Glenfiddich.

Glenlivet Single Malt Whisky 12yo, 40% vol.
Farbe blass goldfarben
Nase frisch und trocken, Honig, etwas Orangennoten
Gaumen mild, malzig, Karamell und etwas Vanille
Abgang knapp mittellang und ausdruckslos

So, dass war sie also nun, die Standardabfüllung des zweit-erfolgreichsten Whiskys der Welt.
Und mein Eindruck, den ich bereits in früheren Begegnungen gewonnen hatte, hat sich erneut bestätigt: Ein ordentliches Produkt, ganz sicher, aber eigentlich ziemlich nichtssagend, fast schon langweilig. Sorry, Glenlivet, aber wenn es nach mir geht, wird der Ausbau der der Produktionskapazität allein nicht reichen, um Glenfiddich vom Thron zu stossen.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

1 Kommentar

  1. Schön, den haben wir im Luftschloss stehen und einpaar historische Details dazu waren sehr erfrischend 🙂

    Ordentlicher, runder Whisky. Nichts besonderes aber voll OK. Da kann ich mich nur anschließen.

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