Deoch an Doruis: Longmorn

Longmorn wurde 1894 von Charles Shirres, George Thomas uind John Duff, der 1876 bereits Glenlossie erbaute, etwa drei Kilometer südlich von Elgin gegründet. 1898 errichtete John Duff auch noch die BenRiach Brennerei in direkter Nachbarschaft zu Longmorn und so versorgte z.B. die Mälzerei der BenRiach-Brennerei eine Zeit lang beide Betriebe. Im Zuge des Pattison-Crash musste BenRiach 1900 jedoch geschlossen werden, die Mälzerei wurde aber weiterbetrieben und versorgte Longmorn auch weiterhin.

Nachdem die turbolente Zeit des Pattison-Crash überstanden war, folgte eine lange, ereignislose Zeit. Während der Weltkriege musste auch Longmorn die Produktion einschränken oder sogar ganz einstellen, doch im Wesentlichen gab es bis 1970 keine besonderen Vorkommnisse. In diesem Jahr verschmolzen die Longmorn Distillery Company und das Blendinghouse Hill, Thompson & Company mit der Glenlivet & Glen Grant Distilleries Ltd. 1977 kam die Destillerie in den Besitz von Seagram, die bereits seit 1986 einen 15-jährigen Single Malt in Eigentümerabfüllung auf den Markt brachten, aber nicht besonders viel dafür taten, diesen auch bekannt zu machen. Seit 2001 gehört die Longmorn Brennerei zu Pernod Ricard. Diese ersetzten 2007 die fünfzehn Jahre alte Abfüllung durch den nun erhältlichen 16 Jährigen, der zu seinem Vorgänger mit nun 48 Volumenprozent auch 3% mehr Alkohol hat.

Longmorn Single Malt Whisky 16yo, 48% vol.
Farbe dunkler Bernstein
Nase deutliche Alkoholnoten, Honig, Banane und Trockenfrüchte
Gaumen anfänglich alkoholische Schärfe die in eine pfeffrige Note übergeht, eine leicht cremige Textur, etwas Honig und Karamell, etwas fruchtig
Abgang Trocken, wärmend, recht kurz

In Ansätzen kann der Longmorn durchaus gefallen, aber insgesamt scheint dieser Whisky nicht so recht zu wissen, in welche Richtung er möchte. Im Ansatz ist eine cremige Textur da, die sich aber nicht wirklich durchsetzen kann. Einerseits drängt sich der Alkohol nach vorn, andererseits haben die fruchtig-süsslichen Noten es schwer gegen die alkoholische Kraft anzukommen. Das Ergebnis ist ein durchschnittlicher Whisky, der durchaus trinkbar ist ohne zu begeistern – und dafür ist der Longmorn dann viel zu teuer.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

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