Deoch an Doruis: Macallan

Heute steht eine Brennerei im Focus, die man wohl getrost einen Dinosaurier der Whiskyindustrie nenne darf. Nicht nur, weil Macallan einer der meistverkauften Whiskys der Welt ist, sondern auch weil sie eine der ersten legalen Brennereien in Schottland war. Bereits 1824 erwarb der Gründer Alexander Reid eine der ersten Lizenzen  zur Whiskydestillation und gründete im Ort Easter Elchies, nur wenige Meter ausserhalb von Craigellachie, seine Brennerei, die er nach dem Ort Elchies Distillery nannte.

Nach seinem Tod 1847 ging die Brennerei durch einige Hände, bis sie schliesslich 1892 von Roderick Kemp, der zuvor bereits vierzehn Jahre die Geschicke von Talisker leitete. Kemp war es auch schliesslich, der die Elchies Distillery in Macallan-Glenlivet umbenannte. Ihm wird weiterhin nachgesagt, dass er die Qualität des Produktes derart steigerte, dass er heute als Begründer des Erfolges der Brennerei gilt.

Als Kemp 1909 starb wurde sein Besitz in eine Stiftung überführt, die die Brennerei für seine Nachkommen gewinnbringend verwalten sollte. Auch nach Gründung einer börsennotierten Gesellschaft in 1967 blieb die Brennerei mit 62,5% der Anteile in Familienbesitz. Dies änderte sich erst mit der feindlichen Übernahme durch Highland Distilleries (heute Edrington Group) im Jahre 1996. Mit dem Börsengang wurden in erster Linie die umfangreichen Ausbaumaßnahmen, aber auch für das Anlegen von Whiskyvoräten verwendet. Wurde bisher der weit überwiegende Anteil der Produktion an Whiskyblender verkauft (1970 noch 93%), bereitete man sich mit diesen Vorräten bereits für den Plan vor, schon bald The Macallan als Single Malt in größerem Stil auf den Markt zu bringen. Schon seit der 60er Jahre wurde The Macallan als Single Malt abgefüllt, jedoch zu dieser Zeit nur in der näheren Umgebung, der Speyside, vertrieben. Ab 1979 wurde das Ansatzgebiet auf Großbritanniens erweitert und schliesslich ab 1980 war The Macallan Single Malt in der ganzen Welt erhältlich.

Hierzu mussten natürlich auch die Produktionskapazitäten entsprechend erweitert werden. Schon seit 1965 wurde die Zahl der Brennblasen kontinuierlich erhöht: 1965 von 6 auf 12, 1974 auf 18 und 1975 auf 21.

Neben anderen Qualitäten bietet The Macallan zwei Grundlinien an: Sherry Oak und Fine Oak – jeweils in unterschiedlichen Altersstufen. Naturgemäß ist der Fine Oak 10yo etwas günstiger als der Sherry Oak 10yo und daher stelle ich heute als Grundqualität den Fine Oak 10yo vor:

The Macallan Fine Oak Single Malt Whisky 10yo, 40% vol.
Farbe Strohgelb
Nase Heidehonig, fruchtig, etwas Rosinen
Gaumen sanfte alkoholische Schärfe, etwas Fruchtigkeit, Mandeln, leichte Süsse
Abgang etwas wärmend, recht kurz

Mal wieder ein ordentlicher Whisky, an dem kein Makel festzustellen ist. Alles in allem sicherlich eine gute Empfwehlung für die älteren Qualitäten. Im Vergleich mit einem anderen Massenprodukt, dem Glenmorangie ‚The Original‘ muss ich aber sagen, dass die Sixteen Man of Tain einen überzeugenderen Job machen.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

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