WeinZeit: Weltreise: Israel

Unsere Reise in die eher unbekannten Weinbauregionen der Welt führt uns heute in den Nahen Osten. Genauer gesagt nach Israel.

Der Rebbau in dem demokratischen Staat Israel lässt sich bis weit in die Antike zurückverfolgen. Ein wirklicher Genuss war der israelische Wein damals aber nicht – eher im Gegenteil. So ist aus alten Aufzeichnungen bekannt, dass der Wein, der aus Israel ins antike Ägypten verschifft wurde, mit Honig, Pfeffer und Wacholderbeeren gewürzt wurde um ihn schmackhaft zu machen. Auch in späteren Dokumenten wird israelischer Wein größtenteils als klebrig-süßes Gebräu beschrieben, welches im Rachen brennt und einem Tränen in die Augen treibt.

Einen Umbruch in der  israelische Weinwirtschaft erfolgte erst Ende des 19. Jahrhunderts als Baron Edmond de Rothschild zwei Kellereien, jeweils südlich von Tel Aviv und Haifa, gründete.  Es sollte jedoch noch bis in die 1970er Jahre dauern, bis Israel endgültig in der modernen Weinwelt angekommen war. Erstmals wurden klassische Sorten wie Chardonnay, Cabernet Sauvignon und Merlot eingeführt und es wurden wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt um das ideale Terrain für den Weinanbau zu finden.

Heutzutage wird in Israel Wein auf einer Fläche von ca. 5000 Hektar angebaut, was ungefähr der Weinanbaufläche Frankens entspricht.  Die Fläche ist dabei unter einigen hundert Weingütern aufgeteilt, wovon einen Großteil kleine, fast bäuerliche Betriebe ausmachen die sehr unterschiedliche Qualitäten abliefern. Das Gros der Anbaufläche gehört jedoch einigen großen Betrieben, wie z.B. den beiden ehemaligen Rothschild Weingütern, die heute unter dem Namen Carmel-Mizrachi der führende Produzent im Land sind.

Ein weiteres großes Gut ist die „Golan Heights Winery“ mit der wir uns heute etwas näher beschäftigen möchten. Die Golan Heights Winery, wurde im Jahre 1983 in der Kleinstadt Katzrin in den Golanhöhen gegründet. Die kühlen Golanhöhen, wurden während den bereits erwähnten wissenschaftlichen Untersuchungen in den 1970er Jahren als ideales Gebiet für den Weinanbau beschrieben. Das Weingut bietet die drei Serien Golan, Gamla und Yarden an, wobei die Golan-Serie die Standardserie des Gutes ist und hauptsächlich zur Bedarfsdeckung in Israel produziert wird. Die Yarden-Qualität (hebräisch für Jordan) gilt als die Beste. Wie viele andere Güter in Israel auch, produziert die Golan Heights Winery koschere Weine, dies begründet sich hauptsächlich durch den großen Export für orthodoxe amerikanische Juden die  gezielt koschere Weine nachfragen. Voraussetzungen für einen koscheren Wein sind z.B, dass die Erntegeräte nur unter Aufsicht eines Rabbiners gesäubert und ein kleiner Teil des Weines verschenkt werden muss.

Trinklaune durfte zwei Qualitäten aus der Gamla-Serie und den Yarden – Mount Hermon 2008 probieren.

Gamla Chardonnay 2007

Der Gamla Chardonnay ist einer der Hauptweine des Gutes und war maßgeblich daran beteiligt, dass die Golan Heights Winery als Wegbereiter des neuen israelischen Weinstils gilt. Er wird in Fässern aus französischer Eiche ausgebaut.

Gamla Chardonnay 2007
Farbe helles gelb-grün
Nase buttrig, fruchtige Noten von Birne und Vanille, etwas Eiche
Gaumen dicht und komplex mit Aromen von Apfel und Birnen, nach hinten raus etwas schwächer, etwas zu holzig
Abgang ordentlich pfeffrig, dabei jedoch erfrischend und nicht zu aufdringlich

Insgesamt ein sehr ordentlich gemacht Chardonnay, der sein Geld wert ist. Mit etwas weniger Eichenaroma am Gaumen würde er mir noch ein gutes Stück besser gefallen.

Gamla Cabernet Sauvignon 2006

Die Reben für diesen Cabernet Sauvignon wachsen auf vulkanischem Basaltboden. Er ist für 12 Monate in Barriques aus französischer Eiche gereift.

Gamla Cabernet Sauvignon 2006
Farbe Sauerkirsch-rot
Nase eine sehr frische Nase, Ähnlichkeit zu Kirschsaft, etwas Eiche, Spuren von Rosmarin und frisch geschnittenen Kräutern
Gaumen wieder viel Eiche, diese wirkt jedoch ausbalancierte als beim Chardonnay, stabiler Körper, leichte Schärfe
Abgang schön fruchtig, Kirsche, schwarze Johannisbeere, gefällig

Ein guter, sehr geschmackvoller Cabernet Sauvignon, der für mich auf dem Höhepunkt der Reife zu sein scheint.

Yarden – Mount Hermon 2008

Der Mount Hermon ist der Einstiegswein in die Flagschiff-Linie Yarden. Er ist eine Cuvée aus den fünf klassischen Bordeaux-Rebsorten Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Malbec und petit Verdot. Der Mount Hermon ist im Gegensatz zu den anderen Vertretern der Yarden-Serie eher für den frühen Konsum bestimmt und soll einen Eindruck in die Qualität der Weine aus der Golanhöhe geben.

Yarden – Mount Hermon 2008
Farbe helles rubin-rot
Nase ausgeprägte schwarze Johannisbeere, etwas Pumpernickel, zurückhaltend
Gaumen sehr würzig, Pfeffer, animalisch, leichte Süße
Abgang unspektakulärer aber sehr angenehmer Abgang der zum nächsten Schluck einlädt.

Den Yarden – Mount Hermon ist der Wein aus diesem kleinen Israel-Test, den ich am ehesten bei einer gemütlichen Runde mit Freunden auf den Tisch stellen würde. Er ist elegant und schön gemacht und einfach genüsslich zu trinken.

Gesamtfazit: Die israelischen Weine der Golan Heights Winery können im internationalen Vergleich definitiv standhalten. Auch im Preis-/Leistungsverhältnis (jeweils um die 10 Euro) schneiden die Weine für meinen Geschmack gut ab. In Anbetracht dessen, dass der moderne israelische Weinbau noch verhältnismäßig jung ist, bin ich gespannt was uns in Zukunft noch aus dem Land der Bibel erwartet. Wer also im Weinladen seiner Wahl einen israelischen Wein findet sollte zugreifen. Ansonsten bieten auch viele deutsche Internetshops ein breites Sortiment an israelischen Weinen an. Le’chájim! (Zum Wohl)

Golan Heights Winery – Gamla, Yarden

Robin Stein

Robin Stein, Jahrgang 1987, ist studierter Lebensmitteltechnologe und der Jüngste im Team. Sein Weg führte ihm nach dem Abitur 2006 über ein viermonatiges Praktikum in Pusser's New York Bar in München nach Bergisch-Gladbach, wo er eine Ausbildung als Hotelfachmann im Schlosshotel Lerbach absolvierte. Seine persönlichen Honigfallen sind Champagner, Obstbrände, Wein und Whisk(e)y.

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