Deoch an Doruis: Tormore

Und wieder eine Brennerei, die erst wenige Jahrzehnte alt ist: Tormore wurde 1958 in Grantown-on-Spey als erste Brennerei, die in Schottland im 20. Jahrhundert errichtet wurde, durch die Long John Distillers gegründet. Die Destillerie wurde von dem Architekten Sir Arthur Richardson geplant und gilt als eine der eindrucksvollsten Destillerien des Landes. Sie steht trotz ihres geringen Alters bereits unter Denkmalschutz. Die Gebäude wurden aus Granit errichtet und eine Uhr am Hauptgebäude spielt alle Viertelstunde eines von vier verschiedenen schottischen Liedern.

Die Long John Distillers, die 1927 gegründet wurden und deren Name sich von dem erfolgreichen Blend ableitet, wurden 1975 von Whitbread & Co. übernommen. 1990 beendete Whitbread & Co. das Engangement im Whiskygeschäft und verkaufte die gesamte Sparte, neben Tormore auch Laphroaig und Ben Nevis, an Allied Distillers, einer Tochterfirma von Allied Domecq. Mit der Übernahme von Allied Domecq durch den Pernod Ricard Konzern 2005 ging Tormore in den Besitz von Pernod Ricard über. Ein großer Teil des von Tormore hergestellten Whiskys wird in Blends, vor allem Long John verarbeitet.

Auf dem Brennereigelände, sozusagen im Vorgarten, wurde 1960 eine Box in der Form einer Brennblase vergraben, die die Bezeichnung ‚time capsule‘ – Zeitkapsel erhielt. Die Box enthält eine Tregnum, eine selten verwendete Flaschenform, die das dreifache Volumen einer Standardflasche hat, gefüllt mit 2,25 Litern des Long John Blends. Sie soll im Jahr 2060 geöffnet werden.

Tormore Single Malt Whisky 12yo, 40% vol.
Farbe Blassgelb
Nase fruchtige Süsse, etwas nussig, insgesamt aber zu dünn
Gaumen etwas süsslich, pfeffrig, aber leider zu eindimensional
Abgang Leicht bittere Noten, pappig, wie Papier im Mund. Nicht schön.

Der Tormore ist keine Katastrophe, aber ich kann beim besten Willen nichts Gutes an ihm finden. Von einem Kauf muss ich abraten.

Das war sie nun, die letzte Brennerei aus der Speyside. Von folgenden, heute noch aktiven Brennerein konnte ich keine Originalabfüllung erhalten und wäre zu teuer geworden: Allt-á-Bhainne, Balmenach, Braeval, Glenallachie, Kininvie

Ein ganzes Jahr habe ich mich mit dieser wohl wichtigsten Whisky-Region befasst.
In der nächsten Woche macht die Deoch-an-Doruis-Serie eine Pause um im neuen Jahr mit wesentlich kleineren aber nicht minder interessanten Whiskys-Regionen zu beginnen: Den Inseln.

Die erste wird die (Halb-)insel Campbeltown sein.

Bis dahin !

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu.
Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

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