Tonic-Tasting – Teil I

Die Ansage war klar – Chinin!

Oliver hat sich über Monate ins Zeug gelegt und diverse Tonics gesammelt, um einen wirklich großen und repräsentativen Tonicvergleich zu ermöglichen! Zu seinen elf verschiedenen Tonics kamen noch zwei Supermarktabfüllungen und ein Dosenimport aus dem Spanienurlaub – leider schon über das MHD… Aber wer nicht wagt…

Das konspirative Treffen sollte in fröhlicher Runde in der Weinlounge Hamburg stattfinden, wo wir mit Linsen und Salsiccia in schöner Atmosphäre bewirtet wurden. Nach einem einstimmenden Glas Rotwein ging es los:

Lichtenauer Tonic Water
In der Nase mit Seife und Spüli, frische Zitrone – man riecht hier schon den Zucker. Etwas unangenehm. Am Gaumen Zitronenlimonade – kaum Bitterkeit, eine sehr eigenwillige Interpretation eines Tonic Waters. Das Lichtenauer würde ich einer Sprite vorziehen…. Als Tonic nicht gut – Konsens in der Runde!

Margon Tonic Water – wie sein Vorgänger in einer 0,25-Liter-Glasflasche – macht es leider nicht so viel besser. In der Nase eine Zitruslimo, am Gaumen dominieren Zitrustöne und Bitterkeit, die Süße ist nicht zu dominant. Ein sehr weicher Vertreter – könnte man mal mit Booth’s und South Gin ausprobieren.

Als nächster Kandidat kommt ein alter Bekannter ins Glas – Schweppes Tonic Water! In der Nase noch etwas breit und undefiniert, kommt am Gaumen die bekannte Süße zum Tragen, gefolgt von Bittertönen. Nicht zu viele Dimensionen – geradlinig und anständig. In der ganzen Runde – dem schlechten Ruf zum Trotz – bisher der Favorit.

Als nächstes werden die – abgelaufenen – Dosen Nordic Mist Tonic aus Spanien geöffnet. Die erste ist getrübt und riecht abartig, die ‚Referenzdose‘ ist zwar ok – aber nicht richtig überzeugend, chlorig – eindimensional – unangenehm. Nicht so wie im Ursprung – wir deklarieren dieses Tonic als korkig und gehen mit einem Schmunzeln zum nächsten Kandidaten über!

SPQ heißt jener und ist den Gästen des Rum Trader sicher ein Begriff. In der Nase etwas seifig und schlank hinterlässt es keinen bleibenden Eindruck, am Gaumen dann süß und dünn, wenig bitter, hinten auf der Zunge mit Geschmack nach frischem Quellwasser – und dementsprechend ist es sofort weg. Irgendwo nicht schlecht, aber kein Dampfhammer in der Verkostung.

Der nächste Kandidat kommt aus Argentinien – sein Name ist 1724 und er kommt in einer wunderschönen und elegant gestalteten 0,2-Liter-Glasflasche daher. Die erste Nase im Tasting, die richtig angenehm ist! Am Gaumen erscheint das 1724 wenig voluminös, fein und ausgewogen elegant und grazil. Feine und dezente Zitrustöne begleiten den Gesamteindruck, der Abgang ist für eine Limonade erstaunlich lang.  Sehr schön!!! Auch für den puren Genuss geeignet ist das 1724 ein großartiges Tonic Water – das erste, das die ganze Runde begeistern kann! Ich denke, dass feine Gins wie Sipsmith und Geranium hier perfekt passen sollten. Wir werden dies in selber Runde im Januar oder Februar prüfen!

Wir legen ein Päuschen ein, um uns auf die weiteren acht Kandidaten vorzubereiten.

Torben Bornhöft

Torben Bornhöft beschäftigt sich seit 2004 leidenschaftlich mit Themen rund um Bar, Cocktails und Genuss. Nachhaltig geprägt durch fünf Jahre im Hamburger Le Lion und der Likörproduktion mit Forgotten Flavours liegt Torbens Fokus hier mittlerweile auf den Themen Champagner, Infusionen und Twists auf Klassiker.

6 Kommentare

  1. Moin moin Herr Bornhöft,

    ein kleiner Flüchtigkeitsfehler im Bericht! 1724 kommt aus Argentinien und nicht aus Chile.

    Prost aus Neukölln nach Hamburg…

  2. Moin Thorsten !

    Das muss ich auf meine Kappe nehmen…
    Ich habe die ‚exotischen‘ Tonics (Q, Boylan und 1724) in Spanien gekauft, die anderen in Deutschland und England. Ich meinte im spanischen Shop gelesen zu haben, dass das 1724 aus Chile stamme und habe dann wohl diese Fehlinformation an Torben weitergegeben…

    Vielen Dank für diesen Hinweis, ich werde den Artikel gleich mal korrigieren.

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