Deoch an Doruis: Glen Scotia

Das neue Jahr beginnt mit der Brennerei Glen Scotia, gelegen im Örtchen Campbeltown, ein Name der früher einmal in der Whiskywelt einen ähnlichen Klang wie die Highlands oder die Speyside hatte.  Für einige ist Campbeltown noch heute eine eigenständige schottische Whiskyregion (siehe hier) , für andere ist sie von der Region Highlands aufgesogen worden, wie man hier sehen kann.  Ich möchte eigentlich weder für die eine, noch die andere Meinung Partei ergreifen, doch ich fürchte, Campbeltown auch heute noch als eigene Whiskyregion zu zählen hat mehr mit Nostalgie als der Realität zu tun. Belassen wir es dabei – wenigstens lasse ich Campbeltown hier einen eigenen Platz und vermenge sie nicht mit den Highlands, die ich ja schon von Juni bis Dezember 2009 virtuell durchreist habe.

Campbeltown ist eine Kleinstadt auf der Halbinsel Kintyre, einer länglichen Halbinsel im Westen Schottlands. Von hier ist die Entfernung nach Irland so gering wie nirgends sonst in Britannien. Da bis heute nicht feststeht, ob Schottland oder Irland das Ursprungsland des Whiskys ist, erscheint es nicht unwahrscheinlich, dass hier bereits die Kelten irgendwo zwischen dem fünften und sechsten Jahrhundert nach Christus begannen, eine wasserklare Flüssigkeit zu destillieren – das aqua vitae – Wasser des Lebens – oder auf gälisch uisge beatha.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts war Campbeltown ein bedeutendes  Zentrum der Whiskyherstellung. In der Hochphase beherbergte die Stadt knapp 30 Brennereien. Heutzutage gibt es nur noch drei Brennereien in Campbeltown: Glengyle,  Springbank und eben Glen Scotia. Sehr aufschlussreich sind die Grafiken in den Archiven des The Whisky Store, in der unteren wird besonders das brutale Sterben der meisten Brennereien in kürzester Zeit deutlich. In der Zeitstrahlgrafik kann man ablesen, dass Glen Scotia im Jahr 1832 auf der Spitze der Neugründungswelle, nahezu als letzte der Campbeltown-Brennereien, von Steward, Galbraith & Co unter dem Namen Scotia Distillery gegründet wurde.

Die Brennerei wurde 1919 an die West Highland Malt Distillers Ltd. (WHMD) verkauft, die bereits andere Brennereien auf der Halbinsel Kintyre besaß. Wenig später ging die WHMD aber bankrott und sämtliche ihrer Destillerien – in Campbeltown neben Glen Scotia noch Dalintober, Kinloch und  Ardlussa und die unlängst wieder zum Leben erweckte Glengyle Destillerie  – mussten geschlossen werden. Der 1924 unternommene Versuch des lokalen Whiskybrenners Duncan MacCallum, Glen Scotia wieder zum Leben zu erwecken, scheiterte bereits 1928. Am 23.12.1930 nahm sich MacCallum das Leben.

David Stirk schreibt in seinem Buch ‚The Distilleries of Campeltown‚ frei übersetzt: Der Niedergang des Whiskybrennens in Campbeltown wird wohl besonders deutlich durch den Selbstmord von Duncan MacCallum, einst ein führender Whiskybrenner in der Stadt, der sich 83-jährig im Crosshill Loch ertränkte.

Nach dem Freitod MacCallums wurde die Brennerei an die Bloch Brothers Ltd., denen bereits Scapa gehörte, verkauft. Sir Maurice Bloch war es auch, der zum Jahreswechsel 1934/1935 den Namen von Scotia in Glen Scotia änderte. Bloch veräußerte die Destillerie und auch Scapa 1954  an die durch den Canadian Club Whisky bekannt gewordene Hiram Walker-Gooderham & Worts Ltd. Bereits ein Jahr später wurde Glen Scotia an die Firma A. Gillier & Co weiterverkauft. In den Jahren 1979 bis 1982 wurde die Brennerei umfassend renoviert, die Produktion aber dennoch ab 1984 ausgesetzt. Erst mit dem Verkauf in 1989 an Gibson International, Eigentümer der Lowland-Brennerei Littlemill, wurde die Produktion wieder aufgenommen, doch an dem Versuch, den Lowland-Konkurrenten Bladnoch von den United Distillers zu erwerben, hat sich Gibson International offenbar verhoben und musste 1994 Konkurs anmelden. Der jetzige Besitzer, Glen Catrine Bonded Warehouse, ein 1974 gegründetes Abfüllunternehmen,  kaufte die Brennerein Glen Scotia und Littlemill sowie dem gelagerten Whisky. Littlemill wurde zwei Jahre später, 1996, abgerissen. Glen Scotia entging diesem Schicksal, doch zunächst wurde die Brennerei eingemottet und auch ab 1999 wurde die Produktion nur für wenige Wochen im  Jahr durch Mitarbeiter der Springbank Brennerei wieder aufgenommen. Seit 2007 produziert Glen Scotia aber wenigstens wieder regelmäßiger, wenn auch nur am Tage und nicht wie andere Destillerien rund um die Uhr.

Glen Scotia Single Malt Whisky 12yo, 40% vol.
Farbe Goldgelb
Nase Heu- und Honignoten, etwas Leder, eine Spur Holz
Gaumen Mild. Cremige Textur. Gewürze, ein wenig Salz. Etwas Süsse.
Abgang Langanhaltend, wärmend. Grasig, würzig, etwas Karamell und Vanille.

Der Glen Scotia 12yo ist ein Whisky, der sich nicht sofort erschliesst. Doch beim zweiten Glas hat er mir zugelächelt. Absolut empfehlenswert.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

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