Deoch an Doruis: Kilkerran

William Mitchell, der 1837 gemeinsam mit seinem Bruder John die Leitung der Springbank Destillerie übernommen hatte, verliess 1872 den Betrieb und gründete 1873 seine eigene Brennerei: Glengyle. William betrieb die Brennerei noch bis zu ihrem Verkauf im Jahr 1919 an die West Highland Malt Distillers Ltd, die sie aber 1925 einmotteten.

1941 wurde die Brennerei an die Bloch Brothers Ltd. verkauft, die zu dieser Zeit auch Eigentümer von Glen Scotia waren. Diese verkündeten, Glengyle nicht nur renovieren, sondern sogar erweitern zu wollen. Es blieb aber bei diesen Lippenbekenntnissen – getan hatte sich nichts. So wurde die Brennerei an eine landwirtschaftliche Genossenschaft verkauft, die die Gebäude als Lager verwendete.

Im November 2000 erwarb die J.&A. Mitchell Ltd. die Brennerei und gründete die Tochtergesellschaft Mitchell’s Glengyle Ltd., die heute offiziell als Besitzerin firmiert. Da der derzeitige Vorsitzende der J.&A. Mitchell Ltd. der Groß-Groß-Neffe des Gründers ist, kann man also sagen, die Glengyle-Brennerei ist nach 81 Jahren wieder zurück in den Familienbesitz gelangt. Im Prinzip wurde eine komplett neue Destillerie errichtet, so wurden z.B. die Brennblasen der 2002 geschlossenen Ben Wyvis Destillerie erworben. Der Wiederaufbau dauerte dann auch satte dreieinhalb Jahre – Erst seit dem 25. März 2004 wird hier wieder Whisky destilliert.

Kilkerran ‚Work in Progress‘ Single Malt Whiskyohne Altersangabe, 46% vol.
Farbe Goldgelb
Nase Malzig-süsslich, Vanille, versteckt etwas Frucht
Gaumen Alkoholische Schärfe, Gewürze, sanfte Süsse, Getreidenoten
Abgang mittellang, würzig, frisch

Weder auf der Tube noch auf der Flasche ist eine Alterangabe zu erkennen. Es handelt sich hier aber um einen fünf Jahre lang gereiften Whisky. Der Kilkerran ist ein junger, robuster, sehr ausdrucksstarker Whisky. Wenn man sein Alter bedenkt, steckt doch schon eine Menge Potential in diesem Tropfen.

Jedes Jahr soll nun eine weitere Abfüllung in die Läden kommen. Im Juni 2010 war es der sechs Jahre alte der ‚Work in Progress #2‘. Ich finde es sehr spannendend, die Entwicklung dieses Whiskys in Jahresabständen begleiten zu können. Daher werde ich mir nun auch die zweite Abfüllung zulegen.
Wer also experimentierfreudig ist, der lege sich einen ‚Work in Progress‘ zu – alle anderen sollten besser auf den zehnjährigen Kilkerran warten – Mitte 2014 soll er erhältlich sein.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

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