Deoch an Dorius: Ardbeg

Endlich !

Heute geht es auf die Insel aus der Gruppe der Inneren Hebriden, die heute in der Whiskywelt einen Namen wie Donnerhall hat: Islay.

Niemand weiß, wann hier der erste Whisky hergestellt wurde, doch wenn es wirklich so gewesen sein sollte, dass Mönche aus dem nur 32 Kilometer entfernten Irland im 6. Jahrhundert n. Chr. die schottische Westküste zum Katholizismus und zum Whisky bekehrten, wird das sehr viel früher als die 1740er Jahre gewesen sein, aus denen die ersten Aufzeichnungen über die Herstellung von Whisky auf Islay stammen.

Die erste lizenzierte Brennerei auf Islay war übrigens Bowmore 1779. Heute geht es aber erst einmal um Ardbeg, deren Ursprünge auf 1794 zurückgehen. In diesem Jahr wird erstmal eine von Alexander Stewart gründete Brennerei erwähnt. Dieser schien aber diese aber nicht allzu lange betrieben zu haben, denn es gibt Hinweise, dass die Familie der McDougalls ab 1798 hier wirkten. Im Jahr 1815 erwarb John McDougall eine Lizenz für den Betrieb einer Destillerie, im selben Jahr wie Laphroaig und ein Jahr vor Lagavulin. In vielen Quellen ist zu lesen, dass die Destillerie in Familienbesitz bis 1959, in einigen sogar bis 1973, geblieben wäre. Auf der Website der Brennerei ist aber zu lesen, dass 1838 ein Händler aus Glasgow namens Thomas Buchanan Ardbeg für den Preis von 1800 Pfund erwarb – John McDougalls Sohn Alexander behielt aber weiterhin die Leitung der Destillerie.

Als Alexander McDougall 1853 verstarb, übernahmen -neben Colin Hay- seine Töchter Margaret und Flora die Leitung und gelten als die ersten weiblichen Manager einer schottischen Brennerei. Um 1900 befanden sich in und um die Brennerei herum die Häuser der Familien von 40 Brennereimitarbeitern und zwei Steuerbeamten. Die örtliche Schule hatte mehr als 100 Schüler. Daher sprach man auch von Ardbeg Village.

Die Alexander McDougall & Co.Ltd. erwarb 1922 die Ardbeg Brennerei für 19000 Pfund zurück. Diese blieb im Besitz der Brennerei bis zu ihrer Liquidation im Jahr 1959. Das Eigentum ging über an die neugegründete Ardbeg Distillery Ltd. Aus dieser wurde 1973 der Ardbeg Distillery Trust, der zu gleichen Teilen der D.C.L. und dem kanadischen Konzern Hiram Walker & Sons gehörte. Letzerer übernahm Ardbeg ab 1977 vollständig. Ab März 1981 wurde Ardbeg erstmals geschlossen und die letzten 18 Mitarbeiter entlassen – das war auch das Ende des Ardbeg Village..

Hiram Walker’s Spirituosen-Sparte wurde 1987 von den Allied Distillers übernommen. Im November 1989 wurde Ardbeg wiedereröffnet -nun aber ohne eigene Mälzerei- und die Produktion lief in einem kleineren Umfang wieder an. Doch Allied besaß auch die Laphroaig Brennerei, die einen ähnlich rauchig-torfigen Malt herstellte. So wurde die Brennerei im Juli 1996 erneut geschlossen und diskret zum Verkauf gestellt. Im Februar 1997 erhielt die Glenmorangie PLC vor acht weiteren Bietern den Zuschlag. Seit dem 25. Juni 1997 befindet sich die Ardbeg Destillerie wieder in Betrieb. 2004 wurde die Glenmorangie PLC für etwa 300 Millionen britische Pfund an den französischen Konzern Louis Vuitton Moët Hennessy (LVMH) verkauft.

Bis 1977 wurde das ganze bei Ardbeg verwendete Malz in den eigenen Malzböden produziert. Anfangs wurde noch anderenorts hergestelltes Malz hinzugekauft, doch 1980 wurden die Malzböden entgültg geschlossen. Es liegt auf der Hand, dass die vor 1977 produzierten Ardbegs anders waren – Jim Murray z.B. sagt sogar, dass sie besser waren. Nun ja, ich kann heute nur mit dem aktuellen Ardbeg Ten aufwarten..

Ardbeg Ten Single Malt Whisky 10yo, 46% vol.
Farbe Blassgelb, fast wie Weisswein
Nase Rauchig, etwas Holzkohle, geräucherter Schinken, süsslich
Gaumen Sanfte, alkoholische Kraft, wärmend, torfig, Trockenfrüchte, etwas Kaffee, etwas Salz
Abgang rauchig-torfig, etwas Süsse und Bittermandelaroma, könnte aber gern etwas länger sein

Ich kenne die Abfüllungen aus den frühen siebziger Jahren zwar nicht, doch ich finde auch den Ardbeg Ten der heutigen Zeit durchaus gelungen. Die Brennerei bietet komplexere, spannendere Whiskys, aber der Ardbeg Ten ist sein Geld wert.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

Rivesaltes - 1929 DETAILS

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