Deoch an Doruis: Bowmore

Bowmore ist die erste legale Whiskybrennerei auf Islay und eine der ältesten Schottlands. Als Gründungsjahr wird üblicher Weise 1779 angegeben, doch es gibt auch Hinweise, dass die Brennerei bereits ein Jahrzehnt früher existiert haben könnte, als Daniel Campbell of Shawfield and Islay die Stadt Bowmore anlegen liess, nach der die Brennerei benannt ist.

Der Gründer David P. Simpson gab die Brennerei an seinen Verwandten Hector Simpson weiter, der diese 1837 an James und William Mutter weiterverkaufte. Bowmore blieb im Besitz der deutschstämmigen Familie Mutter noch bis 1892. Die Eigentumsverhältnisse wechselten noch einige Male bis 1925 Joseph Robert Holmes die Brennerei übernahm..

Während des Zweiten Weltkrieges war die Brennerei geschlossen, die Gebäude dienten als Stützpunkt für Flugboote. Bowmore wurde 1963 an den Whiskybroker Stanley P. Morrison aus Glasgow verkauft, der seine Firma daraufhin in Morrison’s Bowmore Distillery Ltd. umbenannte. Morrison starb 1971 und die Geschäftsleitung ging über auf Brian Morrison, der die Brennerei modernisierte und 1983 ein innovatives Wärme-Rückgewinnungs-System installierte. Mit diesem wird auch das örtliche öffentliche Schwimmbad beheizt, das, in einem ehemaligen Warehouse gelegen, der Gemeinde Bowmore übergeben wurde.

1987 wurde der Name der Firma noch ein wenig geändert in Morrison Bowmore Distillers Ltd. Vermutlich sollte damit etwas deutlicher gemacht werden, dass neben Bowmore auch Auchentoshan und Glen Garioch zu Morrison gehören. 1989 erwarb der japanische Konzern Suntory die ersten 35% von Morrison Bowmore und 1994 folgte die vollständige Übernahme. Bowmore ist übrigens eine der wenigen Brennerein, die noch ein eigenes Floor Malting unterhalten.

Im September 2007 erzielte bei einer Auktion in Glasgow eine 157 Jahre alte Flasche Bowmore Single Malt einen Preis von 29.400 Pfund (rund 42.000 Euro). So viel habe ich für meinen Bowmore zum Glück nicht hinlegen müssen…

Bowmore Single Malt Whisky Legend, 40% vol.
Farbe goldgelb
Nase frisch, etwas Sherry, Salz, Orangennoten, eine Spur Holz
Gaumen Dezenter Torf, Ölig-cremig, sanfte Schärfe, zartes Süsse
Abgang wärmend, mittellang, fruchtig

Der Bowmore Legend ist ein wahrhaft gelungener Whisky, mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis obendrein. Aber noch nicht das, was ich mir unter einem Islay-Whisky vorstelle – dafür fehlt ihm die Kraft und und Ungestühmtheit und auch die Komplexität, die ich mit Islay-Whiskys verbinde.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

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