Deoch an Doruis: Bruichladdich

Bruichladdich wurde 1881 durch die drei Brüder William, John und Robert Harvey auf dem westlichsten Ausläufer der Insel Islay gleich gegenüber der Destillerie Bowmore erbaut.

Robert Harvey, der ausgebildeter Brennmeister war, plante die neue Brennerei. Dabei handelte es sich um einen vollständigen Neubau und nicht wie so oft um den Umbau bestehender landwirtschaftlicher Gebäude. Dank des ausgeklügelten Designs zählte der Betrieb zu den modernsten Destillerien seiner Zeit.

Die Brüder zerstritten sich aber schon recht bald nach der Fertigstellung der Brennerei und William Harvey entschloss sich, den Betrieb allein weiterzuführen und gründet 1886 die The Bruichladdich Distillery Co. (Islay) Ltd.

Von 1907 bis 1919 blieb die Brennerei geschlossen. In der Zeit vor dem ersten Weltkrieg verlangte der Markt nicht nach Bruichladdich-Whisky. Man hatte eine große Menge Whisky im Lager und einen hohen Kredit bei der Bank. 1912 war die Lage schliesslich so prekär, dass die Lagerbestände weit unter Preis verkauft werden mussten. 1914 hätte Bruichladdich die Produktion wiederaufnehmen können, doch aufgrund des nun ausgebrochenen ersten Weltkriegs werden den Brennereien die Rohmaterialien allenfalls noch in der gleichen Menge der Vorkriegszeit zugeteilt – und die war bei Bruichladdich ja Null.

Im Oktober 1919 nimmt die Destillerie den Betrieb wieder auf, aber schon am 16. Januar 1920 trat in den USA die Prohibtion in Kraft und der wichtigste Absatzmarkt für schottischen Whisky ging verloren. So musste die Brennerei erneut von 1929 bis 1935 schliessen.

William Harvey starb 1936. Dies markiert das Ende des Engagements der Familie Harvey in der Whiskyindustrie. Williams Sohn Kenneth übernimmt die Brennerei zwar noch kurz, veräußert sie aber recht bald für den geringen Preis von nur £8.000 an Joseph Hobbs.

Es folgten noch einige Besitzerwechsel. 1968 wird die Brennerei von Invergordon gekauft. Whyte and MacKay kaufen 1993 Invergordon und legen die Brennerei ab erneut still bis sie am 19. Dezember 2000 von Mark Reynier, Simon Coughlin und Gordon Wright für £ 7.500.000 gekauft und anschließend vollständig renoviert wurde. Die viktorianische Ausstattung wurde größtenteils erhalten. Die Geräte, Brennöfen und Rohrleitungen wurden komplett auseinander genommen, instandgesetzt und anschliessend wieder zusammengebaut. Am 29. Mai 2001 nimmt Bruichladdich den Betrieb wieder auf. Am 25. Mai 2003 wurde eine eigene Abfüllanlage in Betrieb genommen. Damit ist die Brennerei die einzige auf Islay und eine der wenigen in Schottland, die vor Ort abfüllt. Im Mai 2004 wurde eine eigene Böttcherei eröffnet und seit Dezember 2004 wird das Malz aus Bio-Gerste von Islay hergestellt.

Im März 2007 gab Mark Reynier bekannt, die 1929 geschlossene Destillerie Port Charlotte wieder eröffnen zu wollen. Es ist aber noch nicht absehbar, wann das der Fall sein wird.

Ein ganz besondere Reihe von Abfüllungen sind die Whiskys der Brennerei mit dem Namen Octomore, benannt nach der alten Brennerei Octomore die von 1816-1852 in Betrieb war. Der Octomore trat an, der torfigste, sprich phenolhaltigste Whisky der Welt zu sein. In der dritten Version ist man bei 152ppm angekommen.

Bruichladdich Single Malt Whisky 12yo Second Edition, 46% vol.
Farbe Goldfarben
Nase Vanille, getrocknete Aprikosen, eine Spur frisches, helles Holz – insgesamt aber eher dünn
Gaumen Sanfte alkoholische Schärfe. Vanille, etwas fruchtig, etwas Süsse
Abgang mittellang, wärmend, wieder etwas Vanille und versteckt Fruchtnoten

Der 12yo 2nd Edition ist das Geld leider nicht wert – zu dünn, zu nichtssagend. Das kann Bruichladdich besser.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

2 Kommentare

  1. Gute Besserung! 😉

  2. Tiefenrausch

    Dann wünsche ich Dir mal gute Besserung! Ich bin schon gespannt auf Deine Meinung zum Whisky.

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